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US-Politik:Trump braucht die Evangelikalen für die Wiederwahl

Brownbacks Büro gibt es seit den späten 1990er Jahren. Es hat seitdem alle US-Präsidenten überlebt und rangierte meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Unter Donald Trump aber erlebt es eine neue Blüte. Im Juni erst hat Pompeo angekündigt, das Büro mit mehr Mitteln und Personal ausstatten zu wollen.

Selbst hartgesottene Trump-Gegner räumen ein, dass die US-Regierung hier einiges richtig macht. Es ist etwa dem Einfluss der USA zu verdanken, dass Staaten wie Taiwan oder die Vereinigten Arabischen Emirate ähnliche Konferenzen zum Thema Religionsfreiheit abhalten wie die USA. Und unter anderem auf Bestreben Washingtons haben die Vereinten Nationen den 22. August zum weltweiten Tag der Opfer religiöser Verfolgung gemacht.

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Der Begriff Religionsfreiheit ist, wie The Atlantic schreibt, ähnlich wie Menschenrechte und wirtschaftliche Entwicklung unter Trump zu einer Art Schweizer Messer der US-Diplomatie geworden. Einerseits ein Werkzeug, andererseits eine Waffe.

Und die wird von der US-Regierung punktgenau eingesetzt. China etwa gehört, wie von Brownback bereits angesprochen, zu den Staaten, die sich von den USA regelmäßig vorhalten lassen müssen, religiöse Minderheiten zu drangsalieren. Saudi-Arabien steht dem zwar in nichts nach. Aber das Königshaus ist ein wichtiger Käufer von Waffen "Made in USA". Und gegen Saudi-Arabien führen die USA derzeit auch keinen Handelskrieg.

In den USA ist Religionsfreiheit ein großes Konsensthema, hinter dem sich alle versammeln können. Weshalb sich selbst die Sprecherin des Repräsentantenhauses und von Amts wegen oberste Demokratin und Oppositionsführerin der USA, Nancy Pelosi, nicht zu schade war, die Konferenz im State Department zu besuchen.

Aber es ist auch ein Thema, mit dem sich wunderbar verdecken lässt, dass die wahre Agenda der Trump-Regierung eine andere ist.

Trump persönlich dürfte Religionsfreiheit kein besonderes Anliegen sein. Er gilt nicht als besonders religiös. Wichtig ist die Frage für ihn nur, weil er damit Wählerschichten erreicht. Er braucht die Zustimmung evangelikaler Christen, wenn er eine zweite Amtszeit im Weißen Haus verbringen will. Von allen Wählern im Jahr 2016 waren 26 Prozent der Gruppe der weißen evangelikalen Christen zuzurechnen. Und von denen haben zu mehr als 80 Prozent Trump gewählt. Sie bilden den treuen Kern seiner Wählerbasis. Nicht weil Trump ein frommes Leben führen würde. Sondern weil er liefert, was sie haben wollen.

Religionsfreiheit ist für diese Christen ein Kampfbegriff. Sie wollen, dass ihre religiöse Weltanschauung nicht einfach wohlwollend toleriert wird, wie in einer säkularen Gesellschaft üblich. Sie soll vielmehr wieder ein Grundpfeiler der US-amerikanischen Gesellschaft werden, an dem sich die tagtägliche Politik ausrichtet.