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Trump-Enthüllungsbuch:Woodward macht klar, wie gefährlich dieser Mann ist

Die wichtigsten Informanten außer Stephen Bannon sind schnell entschlüsselt: Es sind Priebus, der ehemalige Stabssekretär Rob Porter und Gary Cohn, die versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Cohn will Trump ständig überzeugen, dass die USA vom Freihandel profitieren und der Präsident keine Strafzölle erlassen solle. Erfolgreich ist er nicht - doch wenn Trump Dekrete aufsetzen lässt, um die Freihandelsabkommen mit Südkorea oder den Nafta-Deal mit Mexiko und Kanada aufzukündigen, dann entfernt Cohn diese Dokumente vom Schreibtisch des Oval Office. Die Strategie "Aus den Augen, aus dem Sinn" funktioniert gut bei Trump.

Wie bei "Feuer und Zorn" entsteht beim Lesen eine schaurige Faszination, wenn Woodward enthüllt, dass sich Trump populäre Tweets großformatig ausdrucken lässt, um Muster zu erkennen. Aber Woodward macht klar, wie gefährlich dieser Mann für die Welt ist. Ausführlich beschreibt er Nordkoreas Nuklearprogramm, das Obama sträflich ignoriert hat, und enthüllt, dass Trump Ende 2017 beinahe einen Atomkrieg ausgelöst hätte. Er wollte via Twitter ankündigen, dass die Angehörigen der in Südkorea stationierten US-Soldaten abgezogen werden sollten - was Pjöngjang als Vorbereitung auf einen Angriff angesehen hätte. Wie sich Trump umstimmen ließ, beschreibt Woodward nicht, aber die Episode erklärt, wieso er sagt: "Das Risiko, das mit Trump und seinem Weißen Haus hervorgeht, ist unvorstellbar."

Senator Graham weiß, wie er Trump für eine Sache gewinnen kann

Auch wenn sein Buch im März 2018 endet, sind viele Schilderungen weiter relevant. Es ist klug, an den Wahlkampf 2016 zu erinnern und zu beschreiben, wie nach dem "Pussygate"-Video das Partei-Establishment Trump zum Rückzug der Kandidatur drängen wollte. So wird klarer, wieso sich Trump von Feinden umzingelt sieht. Und wer sich erinnert, wie unwahrscheinlich ein Sieg gegen Hillary Clinton zu sein schien, versteht Trumps Überzeugung, durch ständiges Improvisieren am erfolgreichsten zu sein, etwas besser.

Dessen Misstrauen gegenüber dem FBI kann Woodward nachvollziehen: Er hält das "Steele-Dossier" über Trumps Verbindungen nach Moskau und die angebliche Sex-Party für "Müll" und kann nicht verstehen, wie die US-Geheimdienste dadurch die Beziehung zu Trump von Beginn an belastet hätten.

Aufschlussreich ist auch, wie einzelne Akteure den Präsidenten beeinflussen. Oft gelingt dies Senator Lindsey Graham, der nicht nur dessen Ego schmeichelt, sondern wie Mattis Entscheidungen mit jener Person verknüpft, um die sich alles dreht: Donald Trump. Der neuen Afghanistan-Strategie mit Tausenden Soldaten stimmte er auch zu, weil ihn Graham direkt fragte, ob in den Geschichtsbüchern stehen solle, dass Trump schuld daran war, dass von Afghanistan aus die nächsten Terroranschläge à la 9/11 geplant wurden.

Für die Verlage ist Trump fraglos ein Segen. Im ersten Halbjahr 2018 drehten sich drei Viertel aller Sachbuch-Bestseller in den USA um ihn, denn auch schwärmerische Porträts verkaufen sich blendend. "Furcht" dürfte viele progressive Amerikaner bestärken, die Macht dieses Präsidenten beschneiden zu wollen. Woodward rechnet damit, dass seine Schilderungen auch irgendwann die Trump-Hochburgen erreichen: Es sei stets "ein langer Prozess", bis Informationen "ihre Wirkung entfalten" würden. Bei Nixon sei das nicht anders gewesen.

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