Trump-Buch von Watergate-Journalist Woodward "Wir machen das, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern"

Trump will offenkundig nicht blöd dastehen. Warum Woodward nicht mit seinem Vorzimmer gesprochen habe, mit Madeleine Westerhout? Sie sei der Schlüssel zu ihm. Woodward ist überrascht. Es ist - vorsichtig formuliert - eher unüblich, dass Journalisten ihre Anfragen direkt an das Vorzimmer des Präsidenten richten. Und er habe ja schließlich die Pressestelle und Conway informiert. "Ich weiß gerade nicht, wie die Dinge bei Ihnen laufen, wenn es darum geht, Sie zu erreichen", sagt Woodward. Ein erstaunlich verzweifelter Satz für jemanden, der seit Jahrzehnten für die Washington Post über Präsidenten berichtet.

Trump wartet dann mit einer irritierenden Erklärung auf, warum niemand auf ihn zugekommen sein soll. Viele seiner Mitarbeiter hätten Angst, ihn anzusprechen. Oder seien einfach zu beschäftigt. Beide Erklärungen sind eher fragwürdig. Interviewanfragen anderer Medien erreichen Trump schließlich auch. Kürzlich hat er mit der Agentur Bloomberg ein längeres Gespräch geführt.

Wem das jetzt vorkommt, als wäre das Weiße Haus ein einziges Kuddelmuddel, in dem die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, nun, nach Woodwards Recherchen ist das noch eine Untertreibung. Die Washington Post hat im Vorlauf der offiziellen Buchveröffentlichung eine Zusammenfassung des mehr als 440 Seiten starken Werkes veröffentlicht. Die Erkenntnisse überraschen nicht wirklich. Woodward zeichnet das Bild eines konfusen und führungslosen Haufens von Mitarbeitern, die sich gegenseitig kaum über den Weg trauen. Und Trump schon gar nicht.

100 Stunden Tonbandaufnahmen

Woodwards Bücher aber zeichnet ein besonderes Maß an Genauigkeit und Sorgfalt aus. Er hat mit verschiedenen Quellen im Weißen Haus gesprochen, mehr als 100 Stunden Tonbandaufnahmen sind das Ergebnis. Die Quellen wollen zwar in der Regel nicht namentlich genannt werden. Aber das ist journalistischer Standard. Anders als der Autor Michael Wolff, der mit seinem Buch "Fire und Fury" aus dem Innenleben des Weißen Hauses berichtet hatte, hat Woodward keine Geschichten erfunden.

Dennoch kommen beide zum gleichen Schluss. Woodwards Recherchen haben etwa ergeben, wie aufgebracht Trumps Sicherheitsberater waren, als sie feststellen mussten, wie ahnungslos und zugleich wenig interessiert Trump ist, wenn es um internationale Politik geht. Die Exekutive habe unter Trump so etwas wie einen "Nervenzusammenbruch" erlitten. In einem Treffen mit seinen Sicherheitsberatern ging es um das US-amerikanische Engagement auf der Koreanischen Halbinsel. Trump soll irgendwann gefragt haben, warum die USA sich da überhaupt einmischten. Verteidigungsminister Jim Mattis soll darauf knapp geantwortet haben: "Wir machen das, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern." Danach soll Mattis sich gegenüber Mitarbeitern verzweifelt gezeigt haben. Trump habe das Benehmen und den Verstand eines Fünft- oder Sechstklässlers.

Ähnlich scheint es auch Trumps Stabschef John Kelly zu gehen. Seit Monaten halten sich Gerüchte, dass er am liebsten hinwerfen würde. Er soll einzig aus Verantwortung für das Land im Weißen Haus bleiben. Einmal soll Kelly außer sich gewesen sein über Trump. Dieser habe wohl "den Verstand verloren". In einer kleinen Gruppe soll sich Kelly offenbart haben: "Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist völlig von der Rolle. Wir leben in einer Stadt der Verrückten. Ich weiß nicht, warum überhaupt noch einer hier arbeitet. Das ist der schlimmste Job, den ich jemals hatte." Trump selbst soll seinen Justizminister Jeff Session als "geistig behindert" und "einen dummen Südstaatler" bezeichnet haben. Mit ihm liegt er seit mehr als einem Jahr im Clinch.

Kelly hat noch am Dienstag in einer Erklärung bestritten, Trump jemals einen Idioten genannt zu haben. Die Story sei "total BS", totaler Bullshit. Verteidigungsminister Mattis nennt das Buch "reine Fiktion". Trump legt auf Twitter nach: Das Buch sei ein "Betrug an der Öffentlichkeit" und Woodward womöglich ein "Agent der Demokraten". Er teilt auch eine Presseerklärung des Weißen Hauses. In der heißt es, das Buch bestehe "nur aus fabrizierten Geschichten, von denen einige von verärgerten früheren Mitarbeitern kommen, die den Präsidenten schlecht aussehen lassen wollen". Ähnliche Erklärungen gibt das Weiße Haus zu allen Büchern ab, die sich kritisch mit Trump auseinandersetzen.

Überrascht sein dürfte Trump nicht, dass das Buch keine Schmeichellektüre wird. In dem Telefonat mit Trump erklärt Woodward dem Präsidenten offen, dass das Buch hart mit dessen Regierung und mit ihm persönlich ins Gericht gehe. Trump sagt, dann werde es eben ein "schlechtes Buch". Und "nicht akkurat". Woodward widerspricht. Es werde akkurat sein, "das verspreche ich". Trump sagt darauf: "Nun, akkurat ist, dass niemand zuvor einen besseren Job als Präsident gemacht hat als ich."

Der Präsident hat offensichtlich andere Maßstäbe als Woodward, wenn es um Akkuratesse geht.

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