bedeckt München 26°

Enthüllungsbuch von Ex-Sicherheitsberater:Trump und Bolton - zwei von ähnlichem Schlag

Vom Freund zum Feind: US-Präsident Trump und sein ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater John Bolton.

(Foto: AFP)

Trumps früherer Sicherheitsberater hätte im Impeachment-Verfahren aussagen können. Doch damals wollte Bolton nicht. In seinem Enthüllungsbuch nimmt er nun die Pose des empörten Whistleblowers ein.

Kommentar von Kurt Kister

Es sagt ziemlich viel über die beiden aus, dass Donald Trump diesen Feind mal zum Freund hatte - über den US-Präsidenten, aber auch über seine aktuelle Nemesis, den ehemaligen Sicherheitsberater John Bolton. Der nämlich gehörte über Jahrzehnte zu jenen Menschen in Washington, die hawks, "Falken" genannt werden, was eigentlich eine Beleidigung dieser eleganten Raubvögel ist, weil Letztere nur töten, um zu überleben.

Bolton sagte 2007, er bedauere, dass man die iranische Regierung nicht stürzen könne; zu Zeiten von Präsident Bush jr. zählte er zu den lautesten Befürwortern des Kriegs gegen den Irak. Die Vereinten Nationen verspottete er; in einem Interview sagte er, der UN-Sicherheitsrat sollte nur ein Mitglied haben, nämlich die USA.

Eigentlich wäre Bolton die Verkörperung dessen, was Trump außenpolitisch denkt, wenn er außenpolitisch überhaupt dächte oder gar so etwas wie ein Konzept hätte. Hat er aber nicht, jedenfalls nicht jenseits des Schlagworts America first. Dennoch, oder vielleicht deswegen, berief er Bolton im April 2018 zu seinem Sicherheitsberater; im September 2019 ging Bolton oder flog raus, je nachdem, wem man glauben möchte. Bolton ist ein intelligenter Reaktionär, und er gehört zu jenen selbstsicheren Typen, von denen man in den USA sagt: "they don't suffer fools gladly", sie halten Narren nur schlecht aus.

Bolton zeichnet das Bild eines Narren

Bolton zeichnet in seinem Buch über Trump das Bild eines Narren, der in erster Linie wiedergewählt werden will. Das ist nun grundsätzlich keine große Überraschung. Allerdings liefert der Ex-Sicherheitsberater eine solche Fülle von Details, Zitaten und Beschreibungen, dass die endgültige Veröffentlichung Trumps Anwälte nun mit Verweis auf Geheimnisverrat verhindern wollen. Das wird ihnen nicht gelingen.

Trump selbst nennt Bolton einen Lügner, Gesetzesbrecher und dahergelaufenen Kerl ("washed up guy"). Interessant zu hören, was man für Qualifikationen haben muss, um von diesem Präsidenten auf einen der wichtigsten Posten im Weißen Haus gehievt zu werden.

Kein Präsident in der jüngeren Vergangenheit hat so viele Minister und Top-Berater verloren beziehungsweise gefeuert wie Trump. Auch das ist ein Beweis dafür, dass Trump unqualifiziert für dieses Amt ist. Einige von ihnen haben Bücher geschrieben; andere werden es noch tun. Das Nachtreten in Buchform war schon immer eine beliebte und lukrative Beschäftigung in Washington. Boltons Verhalten aber ist ein besonderes Ärgernis.

Dinge, die für das Impeachment-Verfahren wichtig gewesen wären

In seinem Buch nämlich finden sich Dinge, die für das Impeachment-Verfahren gegen Trump Bedeutung gehabt hätten - nicht nur, was die Ukraine betrifft, sondern auch, was Trumps von Bolton geschilderte Bitte um Wahlkampfhilfe bei Chinas Präsident Xi Jinping anbelangt. Bolton hätte bei dem Impeachment-Verfahren freiwillig aussagen können, er wollte aber zunächst nicht. Als er spät sagte, er komme doch, wenn er ordentlich, also zwangsweise vorgeladen würde, war klar, dass die republikanische Mehrheit im Senat eine solche Vorladung nicht mehr aussprechen würde.

Wenn die gewichtigsten der Vorwürfe stimmen, die in dem Buch stehen, hat sich John Bolton seiner Bürgerpflicht im Impeachment-Verfahren verweigert. Und dann ist auch die Pose des empörten Whistleblowers im Angesicht dieses Präsidenten nur eine Pose. Außerdem hat Bolton Trumps Lied schon gesungen, als Trump dieses Lied noch gar nicht kannte.

© SZ vom 19.06.2020/jobr

SZ Plus
Bolton versus Trump
:Du mich auch

John Bolton war Donald Trumps Sicherheitsberater, sein diabolischer Einflüsterer. Lange her. Jetzt gehen die beiden alten, rechten Männer aufeinander los. Ein Kampf der Intriganten.

Von Stefan Kornelius und Christian Zaschke

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite