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US-Wahl:Trump und Bloomberg duellieren sich während des Super Bowl

USA: Donald Trump und Michael Bloomberg

Buchten beide Werbezeit beim Super Bowl: US-Präsident Trump und Herausforderer Michael Bloomberg

(Foto: AP, Reuters/Collage: SZ.de)
  • US-Präsident Trump und der demokratische Präsidentschaftsbewerber Bloomberg werben im Umfeld des Super Bowl mit Werbespots für sich.
  • Vor der Football-Partie darf Trump zudem auf dem gleichen TV-Sender in einem Interview unhinterfragt politische Gegner attackieren.
  • Das Bloomberg-Team antwortet darauf mit einem heftigen Statement.

Wer es noch nicht wusste, der weiß es jetzt: Donald Trump ist der Retter der Hoffnungslosen und Vergessenen. So jedenfalls präsentierte sich der US-Präsident im Werbefilm, der während des Super Bowl gezeigt wurde. Die dunkelhäutige Alice Johnson, wegen eines Drogendelikts 21 Jahre lang im Gefängnis, ist von Trump im Juni 2018 nach einem Gesuch der Vollzeit-Selbstvermarkterin Kim Kardashian begnadigt worden - nun bedankte sie sich bei dem US-Präsidenten, der sich einsetze für die Hilflosen. Im zweiten Film, direkt nach dem Endspiel der Footballliga NFL, ging es generell darum, was für ein Pfundskerl dieser Donald Trump doch ist.

Politische Werbung ist gewöhnlich nicht Teil des Spektakels, das mehr als 100 Millionen Amerikaner sehen. Das liegt daran, dass sich 5,6 Millionen Dollar für 30 Sekunden Werbezeit neun Monate vor der Wahl nicht lohnen, zumal der amtierende Präsident vor der Partie auf dem übertragenden Sender ein Interview gibt. Kritische Fragen sind dabei eher selten, diesmal war es jedoch geradezu grotesk, weil das Spiel auf Fox zu sehen war.

Sean Hannity ist das journalistische Putzerfischchen von Trump, er befreit ihn von Dreck und wird dafür von Trump geschützt und gefördert, nun lieferte er brav Steilvorlagen für die üblichen Attacken auf die US-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und das von den Demokraten angestrengte Impeachment-Verfahren: Elizabeth Warren erzähle "Märchen", Bernie Sanders sei ein "Kommunist", Joe Biden eine "Schnarchnase", das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn "Unsinn". Trump, das Opfer.

Der US-Präsident griff auch Michael Bloomberg an ("Mini-Mike"), ebenfalls ein Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten - seinetwegen hat Trump diese zwei Werbespots für insgesamt zehn Millionen Dollar überhaupt erst gebucht. Bloomberg, Selfmade-Milliardär und einst Bürgermeister von New York, hatte versprochen, Trump aus dem Amt zu jagen.

Mittlerweile hat er als möglicher Gegenkandidat mehr als 170 Millionen Dollar aus eigener Tasche ausgegeben. Nun kaufte er für zehn Millionen Dollar Super-Bowl-Werbezeit, entgegen seiner bisherigen Strategie, vor allem in jenen Bundesstaaten zu werben, die entscheidend bei der Wahl im November sein dürften: Florida, Arizona, Michigan, Minnesota.

Eine Attacke am amerikanischen Sport-Feiertag war wohl zu verlockend, und Trump wäre nicht Trump, würde er so einen Angriff unbeantwortet lassen. Es geht nicht wirklich um Politik, vielmehr benehmen sich zwei Milliardäre wie Kinder im Sandkasten, die dem jeweils anderen sagen, wie doof der doch sei. Trump kaufte die gleiche Sendezeit wie Bloomberg, dessen Team auf Trumps Interview-Attacken mit einem heftigen Statement reagierte: "Er ist ein pathologischer Lügner, er lügt über alles: seine falschen Haare, seine Fettleibigkeit, seine aufgesprühte Bräune."

Schamlose Wahlwerbung

Trump hat American Football bereits zu Beginn seiner Präsidentschaft für Botschaften an seine Kernwähler missbraucht: Als Colin Kaepernick, damals Spielmacher der San Francisco 49ers, während des Abspielens der Nationalhymne kniete, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren, schimpfte ihn Trump einen Vaterlandsverräter. Er ist wie der Zwietracht-Säher Tullius Destructivus im Asterix-Comic: Je mehr gestritten wird, desto mehr hilft es ihm selbst.

Doch der diesjährige Super Bowl war insgesamt doch mehr ein Fest der positiven Botschaften: Die Autohersteller präsentierten ihre umweltfreundlichen Elektro-Fahrzeuge, während der Halbzeit-Show warben die Latina-Sängerinnen Shakira und Jennifer Lopez dafür, dass es in den USA jeder zu was bringen könne, völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Geschlecht. Selbst der Werbespot von Bloomberg war keine Attacke auf Trump, sondern ein Hinweis darauf, dass sich der Milliardär nicht von der Waffenlobby einschüchtern lasse und als Präsident gegen die Amokläufe in diesem Land vorgehen werde.

Nur der Film von Trump war anders, auch wenn er rührselig daherkam, kann man ihn doch vor allem so interpretieren: Trump lässt jemanden, den er begnadigt hat, nun schamlos für sich werben. Nach dem Spiel übrigens gratulierte Trump auf Twitter dem "großartigen Bundesstaat Kansas", nur: Die siegreichen Chiefs stammen zwar aus Kansas City, aber aus dem im US-Bundesstaat Missouri. Trump änderte den Eintrag nach spöttischen Schmähungen kommentarlos.

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© SZ.de/gal/cat
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