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US-Wahl 2020:Und dann erklärt Trump Biden für korrupt

Mit recht haltlosen Vorwürfen versucht der US-Präsident in der zweiten und letzten TV-Debatte mit Joe Biden wieder in die Offensive zu kommen. Doch auch sein Herausforderer teilt aus.

Von Thorsten Denkler, New York

Die Frage ist eigentlich, was US-Präsident Donald Trump in einer zweiten Amtszeit dagegen unternehmen will, dass ausländische Kräfte wie Russland und Iran sich in US-Wahlen einmischen. Trump aber hat in dieser zweiten und letzten TV-Debatte zwischen ihm und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden in Nashville, Tennessee, anderes im Sinn. Er glaubt, endlich etwas in der Hand zu haben gegen Biden. Etwas, das helfen könnte, Bidens Reputation als anständiger Politiker in Frage zu stellen. Trump also sagt: "Joe hat 3,5 Millionen Dollar von Russland bekommen." Später meint er noch, Biden solle sich nicht als Moralapostel aufspielen, er sei nichts anderes als "ein korrupter Politiker".

Das klingt erst mal ungeheuerlich. Wenn es denn wahr wäre.

Es gibt da ein paar Dinge geradezurücken. Es geht bei den Vorwürfen nicht um Joe Biden, sondern um dessen Sohn Hunter. Der soll nach einem Bericht der Republikaner im Senat Finanzbeziehungen zu Jelena Baturina gehabt haben, der Witwe des früheren Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow. Was Hunter Bidens Anwälte allerdings bestreiten. Von Baturina sind 2014 angeblich 3,5 Millionen Dollar geflossen. Allerdings wohl nicht an Joe Biden. Und auch nicht an Hunter Biden. Sondern an eine Beratungsfirma, die Geschäftsbeziehungen zu Geschäftspartnern von Hunter Biden gepflegt haben soll.

Joe Biden kommt ins Spiel, weil der 2014 Vizepräsident unter Barack Obama war. Die Republikaner versuchen, aus diesen losen Enden den Verdacht zu konstruieren, Biden habe sich seine Vizepräsidentschaft vergolden lassen.

Dann gibt es noch Mails von Hunter Biden auf einem Laptop, der unter dubiosen Umständen in den Händen von Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani gelandet ist. Da geht es um angebliche Geschäfte von Hunter Biden und Joe Bidens Bruder James, die sie 2017 angeblich mit einer chinesischen Firma machen wollten. Es sollten Provisionen gezahlt werden. Eine Teilsumme sollte an den "big guy" gehen. Involviert in den Mailverkehr war ein gewisser Tony Bobulinski. Und der hat auf einer Pressekonferenz just vor Beginn der TV-Debatte erklärt, dass mit dem "big guy" Joe Biden gemeint gewesen sei. Die Geschäfte hätten sich allerdings nie realisiert.

Joe Biden ist vorbereitet auf diesen Angriff Trumps im TV-Duell. Zunächst stellt der US-Demokrat fest, dass er nie "auch nur einen Penny" aus dem Ausland bekommen habe. Und kontert dann, dass er seit 22 Jahren jedes Jahr seine Steuererklärung öffentlich mache. Trump habe das bis heute nicht getan. Und auch hier hält er wieder alle nur mit dem immer gleichen Hinweis hin, er werde das tun, sobald eine laufende Steuerprüfung abgeschlossen sei. Es gibt kein Gesetz, das ihn an Transparenz hindert.

Trump hofft, dass irgendetwas von seinen Vorwürfen hängen bleibt

Trump scheint es während der Debatte durchaus zu genießen, endlich mal in der Offensive zu sein. Die Umfragen lassen ja nichts Gutes für ihn erahnen. Aber jetzt geht es wieder um Festplatten und E-Mails. Zutaten, die ihm schon 2016 geholfen haben, seine Gegnerin Hillary Clinton zu diskreditieren. Er holt noch ein weiteres Argument hervor, das 2016 funktioniert hat. Biden sei seit 47 Jahren in Washington, war acht Jahre Vizepräsident, und habe nichts auf die Reihe bekommen. Behauptet Trump. Ansonsten verlief die Debatte aber recht zivilisiert. Trump hat Biden nicht dauernd unterbrochen, wie in der ersten Debatte Ende September.

Er landet gegen Ende sogar noch einen sauberen Treffer. Es geht um Klimaschutz und Trump fragt Biden, ober er Vorhabe, die Ölindustrie dicht zu machen. Biden sagt, er werde das Land vom Öl "wegbewegen" und über die Zeit mit erneuerbaren Energien ersetzen. Da Biden die USA bis 2050 frei von fossilen Brennstoffen sehen will, dürfte das nicht weiter überraschen. Trump macht daraus ein "Big Statement", als hätte Biden gerade den Untergang des Abendlandes verkündet. "Er sagt im Grund, er will die Ölindustrie zerstören." Trump schaut direkt in die Kamera. "Wollt ihr euch daran erinnern, Texas, Pennsylvania, Oklahoma, Ohio?"

Trumps Hoffnung dürfte sein, dass es vielleicht doch noch den einen oder anderen unentschlossenen Wähler geben könnte, der jetzt tatsächlich glaubt, Biden sei korrupt, habe nichts geleistet in seinem Leben und werde die Wirtschaft vor die Wand fahren.

Zu groß sollte die Hoffnung nicht sein. Es gibt nach jüngsten Umfragen gar nicht mehr so viele unentschlossene Wähler. Fünf Prozent etwa, deutlich weniger als 2016, als viele Unentschlossene sich praktisch erst in der Wahlkabine für Trump - oder besser gegen Hillary Clinton - entschieden haben.

Bei der Krankenversicherung stellt der Demokrat den Präsidenten

Und dann teilt ja auch Biden aus. Die Pandemie ist sein bestes Argument. Wer mehr als 220 000 Tote zu verantworten habe, "der sollte nicht Präsident sein", sagt Biden. Trump habe "keinen Plan" gegen die Corona-Krise. Trump hat da außer seinem seit Monaten vorgetragenen Mantra, er habe mit seinem angeblichen Einreisestopp aus China Millionen Menschen das Leben gerettet, wenig entgegenzusetzen.

Biden kann Trump auch auf einem anderen Gebiet stellen, das die Menschen bewegt. Sollte das Oberste Gericht der USA demnächst Obamas Gesundheitsreformen kippen, dann steht die Krankenversicherung von 20 Millionen Menschen vor dem Aus. Und Trump wisse immer noch nicht, wie er Menschen mit Vorerkrankungen davor schützen will, ihre Krankenversicherung zu verlieren. "Er verspricht es immer und immer wieder", sagt Biden. "Aber er hat nie einen Plan präsentiert."

Trump geht darauf nicht ein. Er warnt stattdessen vor einem sozialistischen Gesundheitswesen, in dem Biden 120 Millionen Amerikanern ihre private Krankenversicherung wegnehmen wolle. Will Biden aber gar nicht. Es war ein Plan des linken Senators Bernie Sanders, private Versicherungen zugunsten einer staatlichen Versicherung für alle abzulösen.

"Der Typ ist etwas verwirrt", erwidert Biden und zeigt auf Trump. "Er weiß nicht, gegen wen er antritt." Er habe in den Vorwahlen auch deshalb gegen Sanders gewonnen, weil er dagegen war, die privaten Versicherungen abzuschaffen. Anders als Trump aber glaube er, dass Krankenversicherung zu haben kein Privileg sei. "Sondern ein Recht."

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© SZ/odg/bix
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