Nach dem Attentat auf Donald Trump ermitteln die amerikanischen Behörden wegen versuchten Mordes. Am Samstagnachmittag um 18.10 Uhr Ortszeit schoss ein 20 Jahre alter Mann auf den früheren US-Präsidenten, der in der Ortschaft Butler in Pennsylvania gerade eine Wahlkampfrede hielt. Ein Schuss traf Trump am rechten Ohr, er ging kurz zu Boden, Personenschützer brachten ihn in Sicherheit. Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort von Sicherheitskräften erschossen.
Trump wurde in einem Krankenhaus untersucht, sein Wahlkampfteam bezeichnete seinen Zustand als „fine“, gut. Noch am Abend flog er zurück nach New Jersey. An diesem Montag beginnt der Kongress der Republikaner in Milwaukee im umkämpften Bundesstaat Wisconsin, dort wird Trump von den Delegierten aller Voraussicht nach zum offiziellen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 5. November ernannt. Die Veranstaltung soll wie geplant stattfinden.
Trump meldete sich wenige Stunden nach dem Anschlag in seinem Netzwerk Truth Social. „Ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte“, schrieb der 78-Jährige. „Denn ich hörte ein zischendes Geräusch, Schüsse, und spürte sofort, wie die Kugel die Haut durchschlug. Es blutete stark, und da wurde mir klar, was passiert war.“ Er sei „von einer Kugel getroffen worden, die den oberen Teil meines rechten Ohrs durchschlug“.
Als Schützen identifizierte das FBI Thomas Matthew Crooks aus Bethel Park in der Nähe von Pittsburgh. Er war demnach ein registrierter Republikaner, hat allerdings im Januar 2021 laut des amtlichen Finanzberichts 15 US-Dollar an das Progressive Turnout Project gespendet, wie unter anderem die New York Times berichtete. Diese Spende ging am Tag des Amtsantritts von Wahlsieger Joe Biden ein, zwei Wochen nach dem Sturm von Unterstützern des Wahlverlierers Trump auf das Kapitol. Laut FBI soll Crooks alleine gehandelt haben, Hinweise auf eine Ideologie oder eine psychische Erkrankung gebe es nicht. Nach dem Anschlag soll im Auto des Attentäters Material zum Bau von Bomben gefunden worden sein. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise.
Ein Zuschauer in Pennsylvania starb jetzt nach den Schüssen auf Trump, zwei andere seien „in kritischem Zustand“, informierte der Secret Service. Den Attentäter habe man „neutralisiert“. Crooks lag auf dem Dach eines Gebäudes am Rande des Veranstaltungsgeländes. Ein Zeuge will ihn dort gesehen und die Polizei Minuten vor den Schüssen auf ihn aufmerksam gemacht haben, offenbar vergeblich.
Die Auswertung von Videos ergab, dass er aus einer Distanz von gut 135 Metern zu Trump mehrere Kugeln abfeuerte, aus einem Sturmgewehr vom Typ AR-15. Die Kriegswaffe wird immer wieder bei Amokläufen eingesetzt. Versuche, sie für Zivilisten zu verbieten, scheiterten stets am politischen Widerstand nicht zuletzt der Republikaner.
Jetzt ist der Wahlkampf erst recht aufgeheizt
Der Anschlag fand vor Kameras statt, binnen Minuten erreichte der Videoclip Millionen Menschen. Trump fasste sich während seiner Rede ans Ohr, ging nieder, wurde von Polizisten umringt und in Sicherheit gebracht. Er erhob dann die rechte Faust und rief „Fight!“.
Der US-Wahlkampf ist nun erst recht aufgeheizt. Zuletzt war vor allem über die Gesundheit von Präsident Joe Biden debattiert worden, der 81-Jährige will trotz fragiler Auftritte erneut im November für die Demokraten antreten. Biden verurteilte den Anschlag in Delaware, wo er das Wochenende verbrachte, und telefonierte mit Trump.
Nachdem das Weiße Haus zunächst ein schriftliches Statement des Präsidenten herausgegeben hatte, fuhr Biden zu einer lokalen Polizeistation in Delaware, um eine Videobotschaft aufzuzeichnen. „Es gibt keinen Platz in Amerika für diese Art von Gewalt“, sagte er. „Das ist krank. Das ist krank.“ Biden nannte Trump bei seinem Vornamen Donald, was er sonst nie tut. Anschläge dieser Art dürfe man in Amerika nicht dulden, sagte der Präsident: „Jeder muss das verurteilen. Jeder.“ Bidens Wahlkampfteam teilte mit, die Kampagne pausiere vorübergehend, man versuche auch, alle Werbespots so schnell wie möglich zu stoppen.
Später teilte Biden mit, er habe eine unabhängige Untersuchung des Anschlages angeordnet und den Secret Service angewiesen, alle Sicherheitsmaßnahmen für den anstehenden Parteitag der Republikaner zu überprüfen. Das Motiv des getöteten Attentäters sei noch unklar, er bat darum, von voreiligen Spekulationen abzusehen und rief die Amerikaner zum Zusammenhalt auf. Am Sonntagabend (in der deutschen Nacht zu Montag) wollte er sich in einer Rede aus dem Oval Office an die Nation richten.
Dennoch werfen Republikaner wie J.D. Vance und auch Vivek Ramaswamy den Demokraten vor, sie hätten zur Gewalt aufgehetzt, indem sie Trump verteufeln würden. „Zuerst haben sie ihn verklagt“, schrieb auf X Ramaswamy, der bei den republikanischen Vorwahlen 2024 kurz gegen Trump antrat. „Dann haben sie ihn strafrechtlich verfolgt. Dann haben sie versucht, ihn von der Wahlliste zu nehmen.“
Es ist nicht das erste Attentat auf einen aktuellen oder ehemaligen US-Präsidenten, Abraham Lincoln 1865 und John F. Kennedy 1963 wurden ermordet, Ronald Reagan überlebte 1981. Aber es ist das erste dieser Attentate, das in der Social-Media-Ära stattfand. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Mike Johnson, forderte beide Parteien zur Mäßigung auf: „Wir müssen die Temperatur in diesem Land senken.“ Aber indem Johnson dann sagte, kein Politiker der jüngeren Geschichte sei so verfolgt worden wie Trump, heizte er die Stimmung gleich wieder an.



