AußenpolitikTrump lässt Deutsche und Kanadier zusammenrücken

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Seelenverwandte in einer brutaler werdenden Welt: Kanzler Friedrich Merz empfängt Kanadas Premier Mark Carney in Berlin.
Seelenverwandte in einer brutaler werdenden Welt: Kanzler Friedrich Merz empfängt Kanadas Premier Mark Carney in Berlin. Pool/Getty Images
  • Bundeskanzler Friedrich Merz und Kanadas Premier Mark Carney vermeiden bei ihrem Treffen jede Kritik an Donald Trump und loben stattdessen seine diplomatischen Anstrengungen.
  • Deutschland und Kanada wollen ihre Partnerschaft bei Rohstoffen ausbauen und sehen sich als Seelenverwandte in einer instabiler werdenden Welt.
  • Beide Länder unterstützen Trumps Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs und fordern Putin auf, Selenskijs Gesprächsangebot anzunehmen.
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Beim Treffen im Kanzleramt zelebrieren Friedrich Merz und Kanadas Premier Mark Carney Gemeinsamkeit. Sie zeigen, dass sie wissen, wie man sich in der neuen Maga-Welt bewegt.

Von Daniel Brössler, Berlin

Einmal fallen sie dann doch kurz aus der Rolle. Bundeskanzler Friedrich Merz hat den kanadischen Premierminister Mark Carney zu Gast. Während der Pressekonferenz geht es um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, um eine Rohstoffpartnerschaft und vor allem den Krieg in der Ukraine. Alles hat mehr oder weniger mit Donald Trump zu tun, mit seinen Launen und Eskapaden.

Deutschland und Kanada sind stark betroffen von Trumps Zolldiktat und sehen sich als Stützen der Ukraine, die auch nach dem jüngsten Treffen in Washington unter dem Wankelmut des US-Präsidenten leidet. Carney ist direkt von einem Solidaritätsbesuch in Kiew nach Berlin gereist. Wie Merz vermeidet er jedes kritische Wort über Trump. Bis eine Frage gestellt wird, mit der er offenbar nicht gerechnet hat.

Merz und Carney bilden ein Schicksalspaar

Ob er sich Sorgen mache über die Stabilität des US-Finanzmarktes wegen der Einflussnahme Trumps auf die Fed, die US-Notenbank, wird Carney gefragt. Schließlich sei er doch selbst früherer Notenbanker. Da muss Carney lachen, auch Merz schmunzelt. Er könne die Antwort auf diesen Teil der Frage gerne übernehmen, bietet der Kanadier dem einst für eine US-Investmentgesellschaft tätigen Gastgeber scherzend an. Carney spricht dann knapp über die Stärke des US-Finanzsystems und die „Anpassungsfähigkeit des Kapitals an unterschiedliche Umstände“.  Er sei zuversichtlich, dass das so bleibe, was immer die Ursache der Volatilität sei.

Die Ursache ist natürlich klar, aber der US-Präsident bleibt auch während dieser Pressekonferenz der Mann, dessen Name nicht genannt werden darf, es sei denn lobend und dankend. Merz und Carney bilden in dieser Hinsicht ein Schicksalspaar. Beide sind noch nicht lange im Amt, hatten im Wahlkampf nicht mit Kritik an Trump gespart und zunächst auf Distanz gesetzt. Der Christdemokrat Merz verbat sich die Parteinahme von US-Vizepräsident J. D. Vance für die AfD, der Liberale Carney setzte auf Selbstbehauptung gegen Trumps Gerede von Kanada als 51. US-Bundesstaat. Längst aber sind Carney wie Merz als Regierungschefs in Trumps Maga-Welt angekommen. In der kommt bei Trump nur ans Ziel, wer ihn lobt.

„Wir unterstützen die diplomatischen Anstrengungen von Präsident Trump, Russlands Angriffskrieg zu beenden“, versichert Merz. „Hier möchte ich noch einmal betonen, dass wir die Offenheit von Präsident Trump und die Teilnahme an der Koalition der Willigen sehr stark begrüßen“, sagt Carney. Beide betonen, nun sei Wladimir Putin am Zug. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sei zu einem Treffen mit dem Kremlchef an jedem Ort „außer Moskau“ bereit, berichtet der Kanadier. „Wenn es dem russischen Präsidenten ernst damit ist, dem Töten ein Ende zu bereiten, dann nimmt er das Angebot an. Bleibt dieser Schritt der russischen Seite aus, dann braucht es noch mehr Druck“, fordert Merz.  Die EU arbeite für diesen Fall an weiteren Sanktionen. Der amerikanische Präsident habe „seinerseits weitere Strafzölle nicht ausgeschlossen“.

Merz sieht eine „große Schnittmenge“ mit Kanada

Dabei wissen Merz wie Carney natürlich, dass sie auf Trump nicht verlässlich bauen können. Man erlebe eine Welt, in der „Instabilität zur Norm in der globalen Geopolitik und der Wirtschaft“ werde, konstatiert der kanadische Premierminister. Da könne gerade die deutsch-kanadische Partnerschaft zu Stabilität und Wohlstand beitragen.

Der Gedanke ist nicht ganz neu. Unter dem Eindruck des Energieschocks nach dem russischen Überfall auf die Ukraine war der damalige Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen drei Tage lang durch Kanada gereist – auf der Suche nach neuen Gaslieferanten, aber auch verlässlichen, demokratischen Freunden. Schon damals galten die Kanadier als Seelenverwandte in einer brutaler werdenden Welt.

„Deutschland und Kanada teilen eine große Schnittmenge an gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Werten“, formulierte es am Dienstag nun Merz. Konkret hofft die Bundesregierung unter anderem auf Rohstoffe aus Kanada, worüber eine Absichtserklärung unterzeichnet wurde, und auf einen Großauftrag für den Rüstungskonzern Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) zur Modernisierung der kanadischen U-Boot-Flotte. Dem Unternehmen in Kiel stattete Carney nach seinem Treffen im Kanzleramt einen Besuch ab.

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