Trump-Berater:Steve Bannon entmachtet sich selbst

Donald Trump und Stephen Bannon

Trump sagt über Bannon: "Er hat den Verstand verloren."

(Foto: Evan Vucci/dpa)
  • Trump bricht mit seinem Ex-Chefberater, nachdem dieser öffentlich über Familienmitglieder des US-Präsidenten gelästert hatte.
  • Trump-Vertraute beschreiben den Bruch mit drastischen Worten: "Bannon wurde auf dem Rasen vor dem Weißen Haus erschossen und dann von einem Panzer überrollt."
  • Weil der Einfluss des Nationalpopulisten geschwächt ist, jubelt das konservative Establishment. Eine Aussöhnung ist aber möglich.

Von Matthias Kolb

Steve Bannon teilt die Welt in klare Kategorien ein. Freund oder Feind, schwarz oder weiß - dazwischen gibt es nichts. Entsprechend deutlich sind die Urteile des früheren Wahlkampfmanagers von Donald Trump. In einem Interview sagte er, Präsidentensohn Donald Junior und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner hätten "verräterisch" und "unpatriotisch" gehandelt, als sie sich im Juni 2016 mit einer russischen Anwältin trafen, die ihnen "Schmutz" über die Demokratin Hillary Clinton angeboten hatte.

Das Vorgehen der Trump-Zöglinge sei "dämlich" gewesen, donnerte Bannon, aber demnach kaum verwunderlich: "Das waren eben die schlauesten Köpfe, die sie hatten." Dann legte der 64-Jährige nach: Er unterstellte Kushner, dem Ehemann von Trumps Lieblingstochter Ivanka, ebenso wie Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort Geldwäsche ("dieser Scheiß ist schmierig") - und sagte voraus, dass Sonderermittler Robert Mueller dafür sorgen werde, dass Donald Junior im Laufe der Russland-Untersuchung zerbrechen werde "wie ein Ei".

Zu finden sind diese Zitate im Buch "Fire and Fury. Inside the Trump White House" von Michael Wolff, das am Montag erscheint und in Auszügen auf den Websites des Guardian und des New York Magazine nachzulesen ist. Die Reaktion des US-Präsidenten ist mit "Feuer und Wut" gut beschrieben: In einem offiziellen Statement teilte Trump mit, dass Bannon "nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand verloren habe", als dieser im August als Chefberater zurücktrat. Trump beschuldigte Bannon, seine Zeit im Weißen Haus vor allem dazu genutzt zu haben, sich wichtig zu machen und "falsche Informationen" an die Medien gegeben zu haben. Später eskalierte die Lage: Trumps Anwälte schickten ihm eine Unterlassungserklärung und drohten rechtliche Schritte an.

Dass der Eklat das politische Washington schockiert, liegt nicht nur an den peinlichen Anekdoten und saftigen Zitaten - in einer E-Mail beschreibt Wirtschaftsberater Gary Cohn den Präsidenten mit den Worten: "ein Idiot, der von Clowns umgeben" ist. Steve Bannon hat mit seinen Aussagen die wohl wichtigste Regel von Donald Trump missachtet: Er hat öffentlich über dessen Familie gelästert. Die heftige Reaktion des Präsidenten war absehbar, Bannon hat sich selbst entmachtet.

Zentrale Zitate aus dem Buch

Trump-Team glaubte nicht an Sieg "Kurz nach 20.00 Uhr in der Wahlnacht, als der unerwartete Trend - Trump könnte tatsächlich gewinnen - sich zu bestätigen schien, erzählte Don Junior (der Sohn von Donald Trump) einem Freund, dass sein Vater, oder DJT, wie er ihn nennt, aussah als ob er einen Geist erblickt hätte. Melania weinte - und zwar nicht vor Freude."

Steve Bannon über Treffen mit Russen "Die drei führenden Leute im Wahlkampf (Donald Trump Junior, Schwiegersohn Jared Kushner und Wahlkampfleiter Paul Manafort) dachten, es sei eine gute Idee, sich im 25. Stock im Konferenzraum des Trump Tower mit einer ausländischen Regierung zu treffen - ohne Anwälte. Sie hatten keine Anwälte. Selbst wenn man dachte, das sei nicht verräterisch gewesen oder unpatriotisch oder üble Scheiße - und ich denke, dass all das zutrifft - hätte man sofort das FBI anrufen sollen."

Bannon über China "Der wirkliche Feind, sagte (Bannon), sei China. (...) China ist jetzt da, wo Nazideutschland zwischen 1929 und 1930 war. (...) Wir werden einen hypernationalistischen Staat haben, und wenn das passiert, bekommt man den Geist nicht zurück in die Flasche."

Ivanka Trumps präsidialen Ambitionen "Die zwei (Jared Kushner und Ivanka Trump) hatten einen ernsthaften Deal miteinander: Sollte sich in der Zukunft die Möglichkeit bieten, wäre sie diejenige, die sich um die Präsidentschaft bewirbt. Die erste Frau im Präsidentenamt, zog Ivanka in Betracht, würde nicht Hillary Clinton sein; es würde Ivanka Trump sein."

Trumps Ängste vergiftet zu werden "Er hatte eine langjährige Angst davor, vergiftet zu werden, ein Grund, warum er gerne bei McDonald's aß - niemand wusste, dass er kommen würde und das Essen war bereits sicher zubereitet."

In den vergangenen Monaten hatte er sich als Bewahrer von Trumps populistischer Agenda inszeniert und Kandidaten unterstützt, die das angeblich korrupte Establishment in Washington stürzen wollen. Sein Ruf als genialer "Fürst der Finsternis" hatte bereits im Dezember gelitten, als der Hardliner Roy Moore in Alabama eine Senats-Nachwahl verlor - für ihn hatte Bannon wochenlang geworben.

Doch dessen wichtigstes Argument, wonach er Trumps Agenda besser kenne als jeder andere und das Vertrauen des im konservativen Amerika hochpopulären Präsidenten genieße, ist nun dahin. Wörtlich sagte Trump: "Steve Bannon hat nichts mit mir und meiner Präsidentschaft zu tun." Die konservative Partei-Elite hofft nun, dass vor der Kongresswahl im November interne Schlammschlachten (wie etwa in Alabama) ausbleiben, welche vor allem den Demokraten nützen. Erste ultrakonservative Kandidaten wie Kelli Ward, die in Arizona für einen Senatsitz kandidiert, distanzieren sich bereits von Bannon und betonen ihre Nähe zu Trump. Auch die Finanz-Unterstützung von Gönnerin Rebekah Mercer hat er verloren.

In seiner Breitbart-Radioshow vermied Bannon am Mittwoch das Thema - als ihn ein Anrufer danach fragte, sagte er nur: "Der US-Präsident ist ein großartiger Mann und ihr wisst, dass ich ihn von morgens bis abends unterstütze." Diese Worte werden ihn nicht besänftigen, als treffend gilt eher der Vergleich des Trump-Beraters Ed Rollins: "Bannon wurde auf dem Rasen vor dem Weißen Haus erschossen und dann von einem Panzer überrollt. Der Präsident hat dann den Rückwärtsgang eingelegt und ist nochmals drüber gefahren."

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