bedeckt München 21°

Coronavirus in den USA:Die Erwartungshaltung seiner Anhänger dürfte hoch sein

Es ist Trump, der Biden gerne wie einen halbsenilen Trottel hinstellt und von sich selbst das Bild eines Super-Genies zeichnet. Entsprechend hoch dürfte die Erwartungshaltung seiner Anhänger sein. Trump sollte Biden in den Duellen verbal zermalmen, mindestens. So wie er es, aus Sicht seiner Anhänger, 2016 mit Hillary Clinton gemacht hatte. Damals teilte er aus, äußerte sich verächtlich über seine Widersacherin - das reichte. Denn Clinton konnte damit nicht umgehen.

Trump hatte damals kaum etwas zu verlieren. Er glaubte ja selbst kaum daran, die Wahl gewinnen zu können. Diesmal ist das anders. Trump ist der amtierende US-Präsident. Er liegt in Umfragen knapp bis deutlich hinter Biden. Das gilt sogar für Bundesstaaten, die Trump 2016 noch klar gewonnen hatte.

Und er ist angreifbar geworden. Er bekommt die Pandemie nicht in den Griff, die Wirtschaft stürzt ab. Und während Staaten in Europa und Asien beispielgebend sind, wie das Virus unter Kontrolle gebracht werden könnte, verlegt sich Trump darauf, die Realität zu leugnen. Selbst unter seinen Anhängern kommen da Zweifel auf, ob Trump noch der Richtige für den Job ist. Unter Anhängern der Republikaner glauben 44 Prozent der Teilnehmer einer gerade veröffentlichen Umfrage, dass die USA die Pandemie schlechter managen als andere Staaten. 43 Prozent finden, es laufe besser als anderswo. 13 Prozent können sich nicht entscheiden. Für einen US-Präsidenten, der in weniger als 90 Tagen wiedergewählt werden will, sind das äußerst schlechte Werte.

Das alles scheint Trump nicht daran zu hindern, unvorbereitet in Interviews zu gehen. Er ist bekannt dafür, auf Vorbereitung nicht viel zu geben und sich stattdessen auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Das könnte diesmal womöglich nicht reichen. Er steigt zwar mit dem Bonus des Amtsinhabers in den Ring, liegt aber schon so weit hinter Biden zurück, dass er den Demokraten schon im ersten TV-Duell mindestens mit einem technischen K. o. besiegen müsste, um seine Wiederwahlchancen zu sichern.

Die Frage ist nur: Mit welchem Argument? Die Pandemie dürfte das entscheidende Thema dieser Wahl sein. Trumps Ansatz der Realitäts- und Verantwortungsverweigerung gekoppelt mit Durchhalteparolen und vagen Versprechungen, dass 2021 alles irgendwie besser wird, hat bisher nicht gezündet.

Biden dagegen positioniert sich als realistischer Krisenmanager, der bereit ist, auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu hören. Je tiefer das Coronavirus sich in den USA festsetzt, je mehr Todesopfer es fordert, desto mehr US-Bürger werden wohl zu der Überzeugung gelangen, dass sie sich mit Trumps "Es ist, wie es ist" nicht länger zufriedengeben wollen.

© SZ/jobr
Fox News: US-Präsident Donald Trump im Interview mit Chris Wallace

US-Präsident im TV-Interview
:Trump ist an den Falschen geraten

Chris Wallace gilt als der kritischste Journalist beim Trump-freundlichen Sender Fox News. In einem spektakulären Interview bewahrt er Trump vor keiner Peinlichkeit.

Von Thorsten Denkler

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite