In vielerlei Hinsicht führte Donald Trumps fünftägige Asienreise den US-Präsidenten in dieser Woche in Regionen, in denen er sich nicht auskennt, von Malaysia über Japan nach Südkorea. Aber auch zu Staats- und Regierungschefinnen und -chefs, die sehr anders denken und handeln als er. Während die USA versuchen, ihre Märkte abzuschotten, hat sich China zur dominierenden Handelsmacht im Indopazifik entwickelt. Auch militärisch erhöht es den Druck, überall dort, wo die Amerikaner sich zurückziehen. Die Reise hätte deshalb auch ein Signal werden können, dass Washington an seinen gewachsenen Partnerschaften festhält. Doch es kam anders.
Wer Partner sein will, und nicht nur Boss, muss auch zuhören können. Trump aber behandelt die meisten asiatischen Staaten nicht anders als die europäischen. Er überzieht sie mit Zöllen in willkürlicher Höhe, die sie einschüchtern sollen. In der ersten Amtszeit von Trump hatten viele US-Firmen ihre Produktion noch auf Druck der eigenen Regierung aus China in andere asiatische Niedriglohnländer verlagert. Trotzdem blieben diese Länder Anfang des Jahres von Trumps Zollpolitik nicht verschont. Auf Waren, die aus Vietnam in die USA eingeführt werden, werden zum Beispiel enorme 46 Prozent erhoben. Dahinter steht die Vorstellung, der US-Markt sei groß genug, um Handelspartner zu Zugeständnissen zu zwingen.
China flutet den asiatischen Raum mit Elektroautos
Unter diesem Eindruck stand dann auch die Reise, zu der Trump am vergangenen Freitag aufgebrochen war. Vielleicht lässt sich der Marianengraben, der dabei sichtbar wurde – und sich auch in der Weltsicht zwischen dem aktuellen US-Präsidenten und seinen asiatischen Kolleginnen und Kollegen auftut –, gut am Beispiel der Autos erklären. An Fahrzeugen von Ford, Toyota und der chinesischen Marke BYD und sogar ein bisschen an denen von Mercedes. Denn Donald Trump spricht gerne von Autos. Seine Liebe zu hubraumstarken US-Modellen ist bekannt.
In den vergangenen Jahren wurde China, weitgehend unbemerkt von den amerikanischen und den deutschen Autobauern, eine Großmacht auch im Fahrzeugbau. Früh setzten die chinesischen Konzerne auf Elektroautos, nun haben sie die Technik so weit entwickelt, dass es auf einem freien Markt für viele Käufer weniger attraktiv wäre, einen E-Klasse-Mercedes oder einen Chevrolet Malibu zu kaufen, wenn sie auch einen BYD Seal haben könnten, für weniger Geld. Tatsächlich hat die US-Regierung die chinesischen Autobauer aber mit Strafzöllen belegt, die es für Amerikaner unerschwinglich macht, ein Fahrzeug der Marken BYD, Aion oder Wuling zu kaufen. Die Folge: Die Überproduktion aus China wird zu Dumpingpreisen auf die südostasiatischen Märkte geworfen.
In Ländern wie Indonesien, Kambodscha oder Thailand, die Peking keinen großen Widerstand leisten können, sieht man chinesische Elektroautos bereits in großer Zahl herumfahren. Sie verdrängen japanische Modelle, die bisher als am günstigsten und verlässlichsten galten. In Thailand führte diese Handelspolitik bereits zu einem Einbruch der Wirtschaft, dort haben reihenweise Produktionswerke der japanischen Autobauer dichtgemacht, von Honda über Suzuki bis Subaru. Dafür eröffnet BYD nun Fabriken in Thailand. Die werden den Verlust der Arbeitsplätze nicht ausgleichen können, da E-Autos mit weniger Arbeitsstationen und Fertigungsstunden produziert werden.
Die südostasiatischen Nationen erweitern ihr Freihandelsabkommen mit China
Doch in diesem Zusammenhang wird verständlich, weshalb der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul auf dem Gipfel des Verbands Südostasiatischer Nationen (Asean) am Dienstag zu einer umfassenden Zusammenarbeit zwischen der Asean-Wirtschaftsgruppe und China aufgerufen hat. Der Asean-Verband und China unterschrieben eine erweiterte Version eines Freihandelsabkommens. „Konfrontation statt Solidarität bringt nichts“, sagte Chinas Premier Li Qiang, da hatte Trump den Gipfel bereits verlassen. 771 Milliarden US-Dollar beträgt das Handelsvolumen zwischen den Asean-Ländern und China mittlerweile. China hat in der Region die Rolle übernommen, die einst die USA spielten: als Wirtschaftsmotor, Investor und Garant für wirtschaftliche Stabilität.

Als der Vertrag unterzeichnet wurde, war Donald Trump in Japan gelandet, um die neue Premierministerin Sanae Takaichi zu treffen. Dort durfte er als Erfolg seines Besuchs nicht nur verkünden, dass Japans Regierung in Tokio F-35-Kampfjets aus den USA kaufen würde, sondern auch einige Ford-F-150-Trucks. Wer gelegentlich in den USA unterwegs ist, kennt die riesenhaften Fahrzeuge, hinter deren Lenkrad man kaum noch über die Motorhaube sehen kann. Wer außerdem gelegentlich in Japan unterwegs ist, weiß, dass es dort nicht die erforderliche Straßenbreite gibt, um diese Autos auch zu fahren. Trotzdem ließ Takaichi neben einem großen Toyota-Truck, der in den USA für den dortigen Markt gefertigt wird, auch einen F-150 aufstellen, für einen Fototermin.
Japan ist, auch wegen der Umsatzeinbrüche in Südostasien, durchaus bereit, mehr Fertigungsstätten in den USA aufzubauen. Bereits die Vorgängerregierung hatte sich bereit erklärt, 550 Milliarden Dollar in den USA zu investieren, unter anderem im Automobilbau, woraufhin Washington die angedrohten Zölle von 25 Prozent auf japanische Waren auf 15 Prozent senkte.
In Südkorea interessiert sich Trump vor allem für sein Treffen mit Xi
Von Japan reiste der US-Präsident noch nach Südkorea weiter. Während die ganze Welt auf das dortige Treffen von Trump und Xi Jinping blickte, war der US-Präsident offiziell auf den Apec-Gipfel geladen, dem Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft. In ihr versammeln sich Brunei, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam sowie Australien, Chile, China, Hongkong, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Peru, Russland, Südkorea, Taiwan und die USA.
Es gäbe zwischen diesen Ländern einiges zu besprechen, unter anderem die Gebietsstreitigkeiten im Südchinesischen Meer und Sicherheitsgarantien für Taiwan. Doch der US-Präsident war einerseits besonders interessiert an einem Fototermin mit dem chinesischen Staatschef. Außerdem kommunizierte er auf seinem eigenen sozialen Netzwerk Truth Social lieber knalligere Botschaften wie die, dass die USA „sofort“ wieder Atomwaffen testen wollen, weil Staaten wie Russland und China das auch täten.
Über Südkorea teilte er dort mit: „Ich habe ihnen die Genehmigung erteilt, ein atomgetriebenes U-Boot zu bauen, anstatt der altmodischen und weitaus weniger wendigen dieselbetriebenen U-Boote, über die sie derzeit verfügen“. Das würde das kleine Land, das seit dem Ausbruch des Koreakriegs im Jahr 1950 ein Verbündeter der USA ist, in den kleinen Kreis der Nationen aufnehmen, die über solch ein Boot verfügen. Es gilt als heikel, da für atomgetriebene U-Boote oftmals hochangereichertes Uran verwendet wird. Seoul ist gemäß einem Abkommen zwischen beiden Ländern ohne Zustimmung der USA von der Urananreicherung ausgeschlossen.
Die USA hatten sich jahrzehntelang gegen diese Idee ausgesprochen. Gebaut werden soll das U-Boot in Philadelphia, „wo südkoreanische Firmen ihre Investitionen erhöht haben“, wie Trump noch hinzufügte. Der US-Präsident und sein südkoreanischer Kollege Lee Jae-myung wollten bei dem Gipfeltreffen eigentlich auch die Details eines komplizierten Handelsabkommens festlegen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Hängen blieb aber die Botschaft, dass atomar aufgerüstet wird. Donald Trump saß da schon wieder in der Air Force One.

