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Ende der Präsidentschaft:Trump: "Habt ein gutes Leben"

Donald Trump ist der erste Präsident seit 1869, der nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilnimmt. Über einen historisch beispiellosen letzten Amtstag des 45. Präsidenten.

Von Thorsten Denkler, New York

Um 8.11 Uhr am Washingtoner Mittwochmorgen verlassen Donald Trump und seine Frau Melania das Weiße Haus. Das scheidende Präsidentenpaar geht noch einmal hinüber zu den wartenden Reportern, Trump sagt ein paar Worte. Was für eine große Ehre es gewesen sei, Präsident zu sein. Was für ein großartiges Zuhause ihm das Weiße Haus gewesen sei. Er wolle sich nun verabschieden. Hoffentlich sei das "kein goodbye für lange Zeit". Dann gehen sie hinüber zu Marine One, dem Hubschrauber, der sie jeden Moment zur Joint Base Andrews fliegen wird. Dort wartet die Air Force One, um das Paar nach Florida zu bringen.

Auf den Stufen des Hubschraubers dreht sich Trump noch einmal um, winkt, ballt die Faust, steigt endlich ein. Die Türen schließen sich, die Rotorblätter setzen sich in Bewegung. Um 8.18 Uhr hebt Marine One ab. Trump im Weißen Haus: Das ist von diesem Moment an schon Geschichte.

Nichts von dem, was hier gerade passiert, hat eine historische Entsprechung. Trump hat sich als erster Präsident seit 1869 entschieden, nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilzunehmen. Deshalb gibt es an diesem Morgen nicht den obligatorischen Empfang des neuen Präsidentenpaares im Blue Room des Weißen Hauses. Das alte und das neue Präsidentenpaar fahren auch nicht gemeinsam zur Inauguration. Und Donald und Melania Trump werden nicht nach dem Amtseid und der ersten Rede des neuen Präsidenten am Kapitol mit dem Präsidenten-Hubschrauber abgeholt und unter Winken und Beifall verabschiedet.

8.28 Uhr, Marine One landet am zugigen Andrews-Militärflughafen in Maryland und kommt zwischen Air Force One und der aufgebauten Bühne zum Stehen. Trump will hier noch eine letzte Rede halten. Ein paar Dutzend Fans warten. Es sind Stühle bereitgestellt für Ehrengäste. Seine Kinder Ivanka, Donald Junior, Eric und ihre Familien warten dort. Sonst kaum jemand.

Es war wohl nicht ganz leicht, applauswillige Teilnehmer für Trumps Verabschiedungszeremonie herbeizuschaffen. Mitarbeiter des Weißen Hauses sollen Einladungen bekommen haben mit der Bitte, noch fünf weitere Gäste mitzubringen. Trumps Zehn-Tage-Pressesprecher Anthony Scaramucci, inzwischen einer der härtesten Trump-Kritiker, sagt, selbst er habe eine Einladung bekommen. Die Einladungen müssen sehr weit gestreut worden sein.

Trumps früherer Stabschef John Kelly hat wie Scaramucci abgesagt. Dringende andere Termine. Ebenso fehlen die beiden ranghöchsten Republikaner im Kongress, Noch-Senats-Majority-Leader Mitch McConnell und aus dem Repräsentantenhaus Kevin McCarthy. Beide folgen lieber der Einladung von Joe Biden und gehen an diesem Morgen mit Trumps Nachfolger in die Kirche.

Nicht mal Mike Pence kommt zur Abschiedszeremonie

Nicht einmal Trumps Vizepräsident ist da. Beim Sturm auf das Kapitol hatten Aufrührer angestachelt von Trump gebrüllt: "Hängt Mike Pence! Hängt Mike Pence!" Trump teilte ihnen damals nur mit, dass er sie liebe und sie "besondere Menschen" seien. Nach dem Wohlbefinden von Pence und seiner Familie, die nur knapp vor dem Mob in Sicherheit gebracht werden konnten, erkundigte sich Trump nicht. Es heißt, Pence werde ihm das nie vergeben.

Zu seinen Ehren lässt Trump 21 Kanonenschüsse abfeuern, bevor er zusammen mit Melania Trump die Bühne betritt. Trump lobt in den kommenden Minuten sich und seine Errungenschaften. Er habe das Militär wiederaufgebaut. Der Aktienmarkt mache sich so gut, die Steuern seien so niedrig. Und die Entwicklung eines Impfstoffs sei so schnell gegangen. Es ist im Kern das, was er am Abend zuvor bereits per Videobotschaft verbreitet hat.

Bis auf den Teil, wo er noch einmal auf die 74 Millionen Stimmen verweist, die er bekommen hat. "Ein Rekord für einen amtierenden Präsidenten." Richtig. Aber Biden hat nun mal mehr als 81 Millionen Stimmen bekommen. Über Bidens Wahlsieg aber verliert Trump auch hier kein Wort. Er wünscht der "neuen Regierung" lediglich viel Glück. Er übergebe, abgesehen von dieser leidigen Pandemie, ein Land in bester Verfassung. Trump soll allerdings Biden im Oval Office einen Brief hinterlassen haben. Das wäre das erste Zeichen, dass Trump den Wahlausgang anerkennt. Wenn auch nicht öffentlich.

"Habt ein gutes Leben", sagt er dann noch zu seinen Unterstützern. Und verspricht: "Wir werden euch bald wiedersehen." Seine wohl letzten öffentlichen Worte als Präsident dürften manchem wie eine Drohung vorkommen.

Es ist 8.47 Uhr. Donald und Melania Trump betreten die Gangway zur Air Force One. Oben an der Tür drehen sie sich um, beide winken noch einmal zum Abschied. Dann verschwinden sie in der Boeing 747. Der rote Teppich wird eingerollt, die Gangway rollt weg. Langsam setzt sich die riesige Maschine in Bewegung. Um 8.59 Uhr hebt die Air Force One ab. Noch drei Stunden und eine Minute, kurz nach seiner Landung in Florida, dann ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten Vergangenheit.

© SZ/fued
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