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Afghanistan:Trump startet neue Gespräche mit den Taliban

Donald Trump verbringt den US-Feiertag Thanksgiving in Afghanistan.

(Foto: AFP)
  • US-Präsident Trump hat am heimischen Feiertag Thanksgiving überraschend amerikanische Truppen in Afghanistan besucht.
  • Bei einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Ghani kündigte Trump an, dass die Gespräche mit den militant-islamistischen Taliban wieder aufgenommen wurden.
  • Mit seiner Ankündigung vollzieht Trump eine Kehrtwende: Noch im September hatte er die Verhandlungen mit den Islamisten kurzerhand für beendet erklärt.

Die USA haben erneut Friedensverhandlungen mit den Taliban begonnen. Dies gab Präsident Donald Trump am Donnerstag während eines kurzen, unangekündigten Besuches bei den US-Truppen in Afghanistan bekannt. "Die Taliban wollen einen Deal schließen, und wir treffen uns mit ihnen", sagte Trump nach einem Gespräch mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani. "Wir werden so lange bleiben, bis wir einen Deal haben" - oder die Taliban sich dem US-Druck beugen würden, fügte er an.

Der US-Präsident vollzieht mit seiner Ankündigung eine Kehrtwende: Noch im September hatte Trump die Verhandlungen mit den Islamisten kurzerhand für beendet erklärt, obwohl er nach eigenen Angaben die Taliban und Vertreter der afghanischen Regierung in Camp David zu Friedensgesprächen zusammenbringen wollte. Als Grund nannte er den Tod eines US-Soldaten in Afghanistan.

Aus Afghanistan kommen unklare Reaktionen auf Trumps Ankündigung. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sagte ein Sprecher der Taliban, man sei offen für neue Gespräche. Sie müssten an dem Punkt fortgesetzt werden, an dem sie vor etwa zwei Monaten abgebrochen worden seien. Dagegen berichtet die Deutsche Presse-Agentur von einer anderen Aussage eines Sprechers, der gesagt habe, es sei noch zu früh, um auf Trumps Aussagen zu reagieren.

Die USA könnten mit einem Erfolg bei neuen Verhandlungen den längsten Krieg ihrer Geschichte beenden. Die Amerikaner waren unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert und hatten das Taliban-Regime in Kabul gestürzt. Derzeit haben sie noch etwa 12 000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Trump kündigte an, diese Zahl auf 8600 verringern zu wollen. Auch die Bundeswehr unterhält im Norden Afghanistans ein Kontingent.

Mehrere Male hatte der US-Diplomat Zalmay Khalilzad vor dem Stopp der Gespräche Taliban-Vertreter im Wüstenemirat Katar getroffen. Dabei war es um einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan gegangen. Die Taliban sollten im Gegenzug garantieren, dass von afghanischem Boden keine Terrorgefahr mehr ausgehe. Kürzlich hatte die afghanische Regierung auf Druck aus Washington drei hochrangige Taliban aus der Haft entlassen, im Gegenzug hatten die Aufständischen einen amerikanischen und einen australischen Professor auf freien Fuß gesetzt. Dieser Austausch wurde von Diplomaten als Zeichen gewertet, dass die Friedensgespräche bald wieder aufgenommen werden könnten.

Hauptgrund für den Krieg war damals, dass die Islamisten sich weigerten, den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Osama bin Laden, auszuliefern. Bin Laden haben die Amerikaner zwar getötet, doch besiegt haben sie die Taliban bis heute nicht. Der Krieg ist seit Jahren in einer Patt-Situation. Trotz zeitweilig bis zu 150 000 Truppen hat es der Westen nicht geschafft, Afghanistan zu stabilisieren. Die Islamisten verüben zahlreiche Anschläge und fügen den einheimischen Sicherheitskräften herbe Verluste zu.

Die Taliban sind aber auch nicht stark genug, um die Macht in Kabul wieder komplett an sich zu reißen. Präsident Ghani dringt nun darauf, dass seine Regierung in die Friedensgespräche eingebunden wird. Trump betonte am Donnerstag, die Taliban hätten sich zu einer Waffenruhe bereit erklärt, was Kabul als Bedingung für Gespräche genannt hatte.

© SZ vom 29.11.2019/fie
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