Süddeutsche Zeitung

Trotz Chodorkowskij-Freilassung:Merkel reist offenbar nicht zu Olympia nach Sotschi

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Erst der Bundespräsident, nun auch die Kanzlerin? Nach einem Bericht des Magazins "Focus" reist Angela Merkel nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi. Die russische Opposition jubelt.

Es ist eine Nachricht mit politischer Sprengkraft: Nachdem Bundespräsident Joachim Gauck bereits angekündigt hat, die Olympischen Winterspiele in Sotschi nicht mit seiner Anwesenheit zu beehren, wird offenbar auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht zu den Winterspielen nach Russland reisen. Das berichtet das Magazin Focus am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise. Merkel, die als Kanzlerin noch nie zu Olympischen Spielen gefahren ist, soll sich intern bereits auf ein Fernbleiben der Spiele festgelegt haben. Und das, obwohl am Freitag überraschend der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowskij begnadigt worden war, was Merkel sehr begrüßt hatte.

Stattdessen soll der für den Sport zuständige Innenminister Thomas de Maizière in die russische Schwarzmeerstadt reisen. Das hatte das Bundesinnenministerium (BMI) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SID bestätigt.

Oppositioneller Gari Kasparow: "Schwerer Schlag für Putin"

Russische Oppositonelle hatten schon vorher die Hoffnung geäußert, dass Angela Merkel der Veranstaltung fernbleiben würde: "Das wäre ein schwerer Schlag für Putin. Wenn neben (US-Präsident Barack) Obama, der bereits sein Fernbleiben angekündigt hat, auch Merkel fehlt, ist das ein ganz wichtiges Signal", sagte der ehemalige Schachweltmeister und russische Oppisitionspolitiker Gari Kasparow im Gespräch mit Focus Online.

Bereits vor zwei Wochen hatte Bundespräsident Joachim Gauck erklärt, er werde die Spiele nicht besuchen und damit eine Diskussion ausgelöst. Die Absage sei einem Spiegel-Bericht zufolge als Kritik an den Menschenrechtsverletzungen und der Drangsalierung der Opposition in Russland zu verstehen.

Die Olympischen Spiele in London im Sommer 2012 hatte Gauck besucht. Seine Sprecherin wies jedoch darauf hin, dass es keine feste Regel gebe, dass Bundespräsidenten an Winterspielen teilnähmen. Auch Horst Köhler sei nicht zu den Spielen 2010 im kanadischen Vancouver gereist.

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