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Trier:Mehrere Tote bei Amokfahrt in Trier

Auto erfasst Fußgänger in Trier

Der Hauptmarkt in Trier. Hier ist der SUV-Fahrer mit hoher Geschwindigkeit durchgerast.

(Foto: Harald Tittel/dpa)

SUV rast in Fußgängerzone. Polizisten nehmen 51-jährigen Mann aus der Region fest.

Von Oliver Klasen und Veronika Wulf, München

In Trier ist ein Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone gerast und hat dort mehrere Passanten angefahren. Fünf Menschen sind dabei getötet worden, darunter auch ein Baby. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sprach in einem Statement von einer "Amokfahrt". Diese habe der Polizei zufolge an der Porta Nigra geendet, dem Wahrzeichen der Stadt. Der Fahrer sei zuvor über eine Strecke von etwa einem bis anderthalb Kilometer in einer Zickzacklinie durch die Fußgängerzone gerast, mitten über den Hauptmarkt, wo sich um diese Zeit viele Menschen aufhielten.

Der Vorfall ereignete sich um kurz vor 14 Uhr. Der Mann habe offenbar wahllos Menschen angefahren. Kurz hinter der Porta Nigra habe ein Einsatzfahrzeug der Polizei das Auto, einen SUV, stoppen und den Fahrer festnehmen können. Bei der Festnahme habe er Widerstand geleistet, sagte Franz-Dieter Ankner, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Trier bei einer Pressekonferenz am Abend. Es handle sich um einen 51 Jahre alten Mann aus dem Kreis Trier-Saarburg, der eine Atemalkoholkonzentration von 1,4 Promille aufgewiesen habe, hieß es dort weiter. Nach ersten Untersuchungen durch einen Arzt des Gesundheitsamtes könne nicht ausgeschlossen werden, dass "möglicherweise ein psychiatrisches Krankheitsbild eine Rolle gespielt" habe, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt, Peter Fritzen. Es gäbe derzeit weder Hinweise auf einen politischen oder Religiösen Hintergrund der Tat, noch sei der Verdächtige vorbestraft. Er werde derzeit befragt.

Der Oberbürgermeister der Stadt Trier zeigte sich erschüttert und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus: "Ich glaube, es ist der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg", sagte Leibe bei der Pressekonferenz. Den Angaben der Einsatzkräfte zufolge gab es neben den fünf Toten acht Schwerverletzte, von denen drei in Lebensgefahr schwebten, sowie sechs Leichtverletzte. Zu den Todesopfern zählen neben dem Baby drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren sowie der 45-jährige Vater des Kindes. Sie alle stammen aus Trier. Die Mutter des Babys hat überlebt und liegt laut Behördenangaben ebenso im Krankenhaus wie ihr eineinhalb Jahre alter Sohn. "Was haben diese Menschen getan?", fragte Leibe. "Wir wollen uns jetzt der Aufarbeitung stellen."

Die Trierer Innenstadt war nach dem Vorfall über Stunden abgeriegelt, nach Angaben des Oberbürgermeisters waren mehr als 700 Einsatzkräfte im Einsatz. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) äußerte sich entsetzt über den Vorfall. Dreyer war am Abend auf dem Weg nach Trier. Es sei "das Allerschlimmste", dass heute Menschen "ihr Leben verloren haben", sagte die Dreyer am Agabend. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich. "Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig", heißt es in einer Stellungnahme der Kanzlerin, die Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter veröffentlichte. "Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Menschen, die so jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden."

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