Trier Ach geh

Das römische Erbe ist nicht genug, Trier rühmte sich auch noch als "Hauptstadt der Zebrastreifen". Damit ist jetzt Schluss. Die Stadt muss die meisten Übergänge abfräsen.

Von Gianna Niewel, Trier

Trier ist bekannt für die Porta Nigra und Karl Marx, weniger bekannt ist Trier als "Hauptstadt der Zebrastreifen". Den Titel gibt es nicht offiziell, aber die Trierer haben Indizien gesammelt. Auf 112 800 Einwohner kommen hier 239 Zebrastreifen. Zum Vergleich Berlin: 3 671 000 Einwohner, 502 Zebrastreifen. München: 1 544 000 Einwohner, 350 Zebrastreifen. Trier also, Hauptstadt der Zebrastreifen. Aber nun bangen die Trierer um ihren Titel.

Ein Zebrastreifen darf nicht einfach so da sein, er muss Voraussetzungen erfüllen, nachzulesen in der Verkehrsrichtlinie R-FGÜ 2001, drei Hauptpunkte, sieben Unterpunkte, vier Bilder, eine Tabelle. Es geht darum, wie viele Fußgänger ihn jede Stunde nutzen, wie viele Autos darüber fahren, ob auf beiden Seiten Gehwege sind. Ein Zebrastreifen muss richtig beschildert, beleuchtet, markiert sein.

Anfang der 1950er-Jahre wurden Zebrastreifen erstmals massenhaft über den Asphalt gebaut; sie sind günstiger als Ampeln oder Verkehrsinseln. Im Amtsdeutsch hießen sie Dickstrichketten. Ein paar Jahre später wurde ein Teil der Dickstrichketten wieder abgefräst und übertüncht, weil sie den Verkehrsfluss behinderten. Heute ist das Verhältnis der Deutschen zu den Zebrastreifen gespalten. Sie sorgen für Sicherheit, weil der Fußgänger klar Vorrang hat, weil sie die Autofahrer zwingen, langsamer zu werden und anzuhalten. Theoretisch. Praktisch klappt das nicht immer, allein im Jahr 2015 sind 5297 Menschen innerorts an Zebrastreifen verunglückt. 966 von ihnen wurden laut Unfallstatistik schwer verletzt, 20 starben. Das mag an Fußgängern liegen, die plötzlich die Straße kreuzen, an Autofahrern, die nicht anhalten. Manchmal aber liegt es auch an den Zebrastreifen selbst, schlecht markiert können sie Zusammenstöße begünstigen.

Damit das nicht passiert, gibt es die Richtlinie R-FGÜ 2001. Sie wird immer mal wieder ergänzt, die Städte sollen dann ihre Zebrastreifen überprüfen. Dieser Aufforderung sind die Trierer Stadtverwalter schon vor einiger Zeit nachgekommen, sie haben sich über Straßenpläne gebeugt und seitenweise Verkehrszahlen durchgeblättert, Hauptstadt der Zebrastreifen, sie hatten einiges zu tun. Das Ergebnis: Von den 239 Zebrastreifen bleiben nur 26 definitiv erhalten. An 33 muss irgendwas verändert werden, weil zum Beispiel Teile der Markierung fehlen. 138 Zebrastreifen sind nicht zulässig und müssen abgefräst werden. Bleiben noch 42 Zebrastreifen, bei denen sie sich nicht sicher waren. Die Trierer haben eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, Ortsvorsteher, Polizisten, jemand vom Ordnungsamt, eine Art Expertengremium, das derzeit die 42 Zebrastreifen in den einzelnen Stadtteilen abgeht, auch deshalb, weil die Stadt bei einem Unfall haften kann. Die Experten kontrollieren auch, wie viele Zebrastreifen für Rollstuhlfahrer geeignet sind, also abgesenkt, oder wie es mit der Verkehrssicherheit vor Grundschulen aussieht. Ende des Jahres wollen die Trierer damit fertig sein. Schon jetzt schätzt die Stadt, dass all das Abfräsen und Erneuern sie 940 000 Euro kosten wird. Und den Titel "Hauptstadt der Zebrastreifen".