Treffen mit einem US-Waffenfanatiker:Waffengegner "ermöglichen, dass Unrecht geschieht"

Begeistert spricht er über jene Waffe, die er an interessierte Bürger ausgibt. Um viele Leute ausstatten zu können, hat er ein kostengünstiges Modell gewählt, bei dem nach jedem Schuss nachgeladen werden muss - doch dies dauere nur wenige Sekunden. "Die Schrotflinte ist ideal, um sein Zuhause zu verteidigen. Du musst kein toller Schütze sein: Die Körner streuen aus, so dass du den Angreifer auf alle Fälle trifft. Zudem ist die Munition nicht so stark, dass sie eine Wand durchschlagen und Unbeteiligte verletzen könnte. So ein Gewehr ist sehr laut und furchteinflößend: Wenn jemand eine Shotgun auf mich richtet, dann höre ich auf alle Fälle auf, das zu tun, was ich gerade tue."

Kaum hatte Coplen im Februar sein Projekt auf einer Website vorgestellt, berichteten amerikanische und internationale Medien über das Armed Citizen Project. Ähnlich wie Cody Wilson, jener Jurastudent, der die Einzelteile eines Sturmgewehrs mit einem 3-D-Drucker herstellen will, zieht Coplen in der durch den Massenmord in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown ausgelösten Debatte um schärfere Waffengesetze viel Aufmerksamkeit auf sich - und fast jeder Auftritt führt zu weiteren Spenden.

Während die Tageszeitung Houston Chronicle einen sehr kritischen Artikel auf der Titelseite veröffentlichte, erhält Coplen gerade von konservativen Talkradio-Moderatoren viel Unterstützung. Kürzlich erklärte er bei CNN sein Projekt, das neben Houston auch in San Antonio, Dallas, Indianapolis und Tucson starten soll.

Natürlich ist Coplens Meinung nicht repräsentativ für die Millionen Waffenbesitzer in Amerika, von denen viele strengere Überprüfungen vor dem Kauf von Pistolen und Gewehren befürworten. Doch in der aktuellen, polarisierten Debatte erhält Coplen mit seinem Radikal-Ansatz viel Zuspruch. Je länger man ihm zuhört, umso klarer wird: Coplen meint es wirklich ernst, von Selbstzweifeln keine Spur.

Dass es in den USA bereits mindestens 300 Millionen Waffen gibt und es täglich zu tödlichen Vorfällen kommt, überzeugt ihn nicht. Man müsse die Leute nur besser ausbilden, findet er. Ansonsten zieht er sich auf eine sehr simple Argumentation zurück: "Wer nichts Böses tue, hat nichts zu befürchten."

Provokation als Medienstrategie

Für seine liberalen Kritiker hat Kyle nur Spott übrig. "Wenn ein Verbrechen geschieht, dann ist die Polizei meistens nicht da. Was soll jemand machen, bei dem gerade eingebrochen wird? Der kann die Polizei rufen, aber er oder sie ist völlig allein, bis die Beamten kommen." Der Anti-Waffen-Lobby sei das völlig egal, schimpft Coplen, die wolle alle Gewehre verbieten und verhindern, dass sich Bürger verteidigen könnten. Grinsend setzt er noch eins drauf: "In meinen Augen vertreten diese Leute nicht nur die falsche Meinung - sie ermöglichen, dass Unrecht geschieht und helfen so Verbrechern und Vergewaltigern."

Dass diese Provokationen zu seiner Medienstrategie gehören, gibt Coplen offen zu. Die Kriminellen sollen von seiner Aktion hören - und mehr Aufmerksamkeit bedeutet mehr Geld. Für ihn ist diese Sache mehr als nur ein Uni-Projekt, er will die Rechte der amerikanischen Waffenbesitzer vor dem Eingriff des Staats schützen.

Bis Jahresende möchte er mindestens 200.000 Dollar gesammelt haben, um in fünfzehn US-Großstädten Schrotflinten ausgeben zu können. Zum Abschied spricht Kyle Coplen noch über seinen großen Traum: "Wir sind eine sehr junge Organisation, doch ich bin optimistisch, dass wir uns im ganzen Land etablieren und zu einer bekannten Marke werden können." Und er verspricht: "Die Leute werden noch viel von uns hören."

Der Autor twittert unter @matikolb.

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