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Treffen in Wien:Armenien und Aserbaidschan einigen sich auf Waffenruhe für Berg-Karabach

Azeri serviceman aims his weapon at frontline with self-defense army of Nagorno-Karabakh in Azerbaijan

Ein aserbaidschanischer Soldat steht an einem Stützpunkt an der Frontlinie in Berg-Karabach.

(Foto: REUTERS)
  • Die Präsidenten von Armenien und Aserbaidschan haben sich auf einen Waffenstillstand für die Kaukasus-Region Berg-Karabach geeinigt.
  • Der seit dem Ende der Sowjetzeit schwelende Konflikt war Anfang April erneut gewaltsam ausgebrochen, mehr als 100 Menschen starben.
  • In der Region in Aserbaidschan leben mehrheitlich ethnische Armenier. Seit den 1990er Jahren steht die Region unter Kontrolle ethnisch armenischer Milizen und armenischer Regierungstruppen.

Im Konflikt um die Kaukasusregion Berg-Karabach haben sich die Präsidenten von Armenien und Aserbaidschan auf eine neuerliche Waffenruhe geeinigt. Sersch Sargsjan und Ilham Alijew vereinbarten dies am Montag bei einem Treffen in Wien unter Vermittlung der USA, Russlands und Frankreichs. "Die Präsidenten haben ihr Bekenntnis zu der Waffenruhe und der friedlichen Lösung des Konflikts wiederholt", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Dazu soll die Waffenruhenlinie stärker bewacht und möglicherweise mit Kameras ausgestattet werden, um Verstöße gegen die Feuerpause dokumentieren zu können. Im Juni wollen sich die Präsidenten zu weiteren Gesprächen treffen und dabei auch über eine umfassende Lösung des Konflikts verhandeln.

Mindestens 110 Tote seit Anfang April

Es war die erste Zusammenkunft der beiden Präsidenten, seit der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt um Berg-Karabach Anfang April einmal mehr eskaliert war. Bei mehrtägigen Kämpfen wurden mindestens 110 Soldaten und Zivilisten beider Seiten getötet. Am 5. April wurde schließlich unter russischer Vermittlung ein Waffenstillstand vereinbart. Die Verhandlungen über den Status der Region brachten in den vergangenen Jahren bisher keine Klärung.

Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit vielen Jahren um die Region Berg-Karabach. Die Enklave gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wird aber von Armeniern bewohnt. Seit Ende des Krieges in den 1990er Jahren steht die Region unter Kontrolle ethnisch armenischer Milizen und armenischer Regierungstruppen. Sie haben sich für unabhängig erklärt, militärisch halten sie über Karabach hinaus auch aserbaidschanisches Gebiet besetzt. Die Kämpfe im April waren die schlimmsten seit mehr als zwei Jahrzehnten gewesen.

© SZ.de/AFP/AP/dpa/ewid
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