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Treffen der Brics-Staaten:China baut seinen Einfluss in Afrika aus

Chinese President Xi Jinping walks along the red carpet in front of a Guard of Honour at the Presidential Palace during his visit to Dakar

Hoher Gast in Afrika: Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping in der senegalesischen Hauptstadt Dakar (Foto vom vergangenen Sonntag). Am Mittwoch ist er in Südafrika zum Treffen der Brics-Staaten.

(Foto: REUTERS)
  • China drängt ins Zentrum der Welt. Das zeigt sich besonders an den Bemühungen in Afrika, wo der Investor aus Fernost als Alternative zum Westen gesehen wird.
  • Das Land verkauft so viele Waffen nach Afrika wie niemand sonst, investiert aber auch massiv in die Infrastruktur.
  • Mit Stipendien und Studienreisen arbeitet China an seinem Image und Einfluss bei der afrikanischen Elite.

Auf der einen Seite der Welt sitzt Donald Trump, der US-Präsident, der Bande selbst zu Alliierten kappt und sein Land zunehmend einigelt. Auf der anderen regiert Xi Jinping, der Partei- und Staatschef Chinas, der sein Land zurück "ins Zentrum der Welt" führen will. Da wo Trump die Länder der Dritten Welt als "Dreckslöcher" (shitholes) bezeichnet, lobt Xi Jinping in Afrika die "Dynamik des Kontinents und die ehrgeizigen Bemühungen seiner Bewohner um Entwicklung". Afrika ist dabei ein Musterbeispiel für Chinas Ehrgeiz und seine Bemühungen um eine global lenkende Rolle.

Xi Jinpings Worte sind vom Sonntag, da war er in Senegal, zu seiner vierten Afrikareise als Präsident. Senegal, Ruanda und Mauritius besucht er, am Mittwoch ist er in Südafrika eingetroffen, zum Treffen der Brics-Staaten. Das ist der Bund aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, jenen Schwellenländern, denen bei der Gründung vor mehr als einem Jahrzehnt eine strahlende wirtschaftliche Zukunft prophezeit wurde. Während die anderen vier Brics-Länder heute mit einer enttäuschenden Bilanz dastehen, ist China der einzige Staat, der das Tempo noch einmal erhöht und eine globale Vision draufgelegt hat.

Für Afrikas Führer ist China eine Alternative zum Westen und dessen Belehrungen

China versucht an vielen Orten, seinen Einfluss auszubauen, in Afrika wird es oft mit offenen Armen empfangen. Deren politische Führer sehen in China eine Alternative zum zunehmend desinteressierten Westen, dessen Belehrungen zu Demokratie, Menschenrechten und guter Regierung oft als Gängelung empfunden werden. Ruandas Präsident Paul Kagame schwärmte am Montag im Beisein seines Staatsgastes Xi Jinping, wie China Afrika "als ebenbürtig" behandele. Eine "revolutionäre Haltung" sei das, und "wertvoller als Geld". Das Geld? Darum geht es natürlich.

In Afrika macht auch Chinas Militär seine ersten Schritte in die Welt: 2000 chinesische Soldaten machen mit bei UN-Friedensmissionen. Und in Dschibuti, am Horn von Afrika, hat China seine erste Militärbasis in Übersee errichtet. Chinas Marine hat dort Einsätze zum Schutz chinesischer Schiffe vor Piraten. Vorigen Monat wurde in Peking erstmals ein chinesisch-afrikanisches Militär- und Sicherheitsforum abgehalten, wo Peking den Armeen seiner afrikanischen Partner Unterstützung beim "Antiterror-Kampf" versprach, im Hi-Tech- und Cyberbereich inklusive.

Kein Land verkauft so viele Waffen nach Afrika wie China, kein Wunder: Längst ist die Volksrepublik der größte Handelspartner des Kontinents. Zink, Eisenerz, Kupfer, Platin, Gold, Bauxit und Öl - kein afrikanischer Rohstoff, an dem China nicht Interesse hätte. Aber China kommt nicht nur als Händler - es hält willigen Partnern auch ein Versprechen bereit: Das Projekt seiner "Neuen Seidenstraße". Das ist ein weltumspannendes Infrastrukturprojekt, mit dem Peking mehrere Ziele verfolgt: Wenn China von seinen Firmen weltweit Eisenbahnen, Brücken, Straßen, Häfen und Flughäfen bauen lässt, dann exportiert es seine Überkapazitäten. Gleichzeitig spielt das seinen geostrategischen Zielen in die Hände: Im Idealfall kauft sich China neue Freunde und Partner und verschafft sich so auch Unterstützung in internationalen Gremien, etwa bei den Vereinten Nationen.

Chinas Außenminister Wang Yi gab im vorigen Jahr bekannt, dass China bislang mehr als 6200 Kilometer Eisenbahn und mehr als 5000 Kilometer Straßen in Afrika finanziert habe. Etwa die Eisenbahnlinie von Addis Abeba, der Hauptstadt des von Land umschlossenen Äthiopiens zur Küstenstadt Dschibuti. Dort ist nicht nur der Sitz der chinesischen Marinebasis - es eröffnete dort auch gerade die von China gebaute Freihandelszone, angeblich die größte des Kontinents. Ein anderes Beispiel ist die neue Eisenbahnlinie von der Hafenstadt Mombasa in die Hauptstadt Nairobi. Die Linie soll weitergebaut werden und am Ende Kenia unter anderem mit dem Süd-Sudan, mit Ruanda, Burundi und Äthiopien verbinden. Vielerorts entsteht so in lange vernachlässigten Regionen dringen benötigte Infrastruktur. Die Krux dabei ist, dass sich viele Partner dabei hoch verschulden.

In Ländern südlich der Sahara ist die Staatsverschuldung stark angestiegen

Die kenianische Zeitung Business Daily berichtete im März, dass die chinesischen Kredite heute 72 Prozent der bilateralen Verschuldung des kenianischen Staates ausmachten. Kenia schuldet China schon acht Mal so viel wie seinem zweitgrößten Gläubiger Frankreich. Schätzungen der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore zufolge flossen zwischen 2000 und 2015 94 Milliarden US-Dollar an Krediten von China nach Afrika. Und in einem Bericht des Internationalen Währungsfonds vom Januar heißt es, die durchschnittliche Verschuldung der afrikanischen Länder südlich der Sahara sei zwischen 2013 und 2017 von 34 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf 53 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig arbeitet China an seinem Image und Einfluss innerhalb der afrikanischen Elite. Peking hat in den letzten Jahren Tausende junger afrikanischer Politiker zu Studienreisen nach China geladen und Stipendien an Studenten vergeben. Unesco-Zahlen zufolge studieren seit 2014 mehr junge Afrikaner in China als jeweils in den USA oder in England. Zunehmend werden auch junge Journalisten zum Training nach China eingeladen. Nach einer solchen Einladungsreise dieses Frühjahr zitierten Staatsmedien zustimmend den aus Burundi nach China angereisten Gastjournalisten Vincent Mbonihankuye, der feststellte, die Beschreibung Chinas als autokratischer Staat in den westlichen Medien sei "unwahr". Die afrikanischen Journalisten hätten China nun vielmehr "kennengelernt als zivilisiertes, demokratisches, offenes und voranschreitendes Land".

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