Traumatisierte Soldaten im Ersten Weltkrieg Als die Helden das Kriegszittern bekamen

Westfront in Flandern 1917: Ein deutscher Soldat hat sich am Rand eines wassergefüllten Granattrichters eine Kuhle gegraben und schlafen gelegt.

Naiv zogen vor 100 Jahren Zigtausende Soldaten zur Front, um Ruhm und Orden zu erlangen - doch aus dem Ersten Weltkrieg kamen Unzählige als Krüppel und psychische Wracks zurück. Eine Ausstellung in Belgien widmet sich den traumatisierten Kriegern.

Kein Angriff mit wehenden Fahnen, kein schneller Sieg von wagemutigen Helden mit Orden. Stattdessen: Viele Tote. Und junge Menschen, deren Blicke stumpf und leer sind. Männer, die nicht mehr aufhören können zu zittern.

Der Erste Weltkrieg, aber auch spätere Konflikte wie in Vietnam und am Persischen Golf, haben Soldaten zu seelischen Wracks gemacht. Oft gehen körperliche Wunden einher mit seelischen Verletzungen, wie die Ausstellung "Krieg und Trauma" im Dr.-Guislain-Museum im nordbelgischen Gent zeigt.

In Flandern, das teilweise Schauplatz des Grabenkrieges zwischen 1914 und 1918 war, starben unzählige Soldaten in sogenannten Abnutzungsschlachten, die wenig Landgewinn brachten, aber einen immensen Blutzoll forderten. Die Überlebenden kehrten gezeichnet von den Schlachtfeldern wieder. Der emotionale Krieg ging in vielen von ihnen auch im Frieden weiter.

Erster Weltkrieg

Wahnsinn Westfront

Von "Kriegszittern" sprach man in Deutschland, vom "shell shock" in den englischsprachigen Ländern, "Obusite" nannten es Franzosen und frankophone Belgier, wenn ein Soldat nach dem Fronteinsatz nicht mehr aufhören konnte zu zittern, wenn er von Albträumen und Verhaltensstörungen geplagt wurde.

In dem Begriff steckt das französische Wort "obus" für "Granate", denn auf den ständigen Einschlag der Geschosse wurde das neue Krankheitsbild zurückgeführt. Der Ausstellungsort in Flandern ist nicht zufällig gewählt: Das Museum logiert in Belgiens ältester psychiatrischer Anstalt. Sie wurde im 19. Jahrhundert eingerichtet und ist in einem Teil des Gebäudes noch heute in Betrieb.

Vor bald einhundert Jahren wurden in dem Hospital Männer behandelt, die aus den Schützengräben des Weltkrieges mit ungewohnten Krankheitssymptomen zurückkehrten. Allerdings war die Psychiatrie für die Opfer oft keine Hilfe. Denn nicht selten wurden die von der "obusite" Betroffenen nicht als Kranke, sondern als "Simulanten" und "Drückeberger" eingestuft.