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Transgender-Bann:Symbol der Verlogenheit

Präsident Trumps Entscheid ist schäbige Symbolpolitik. Zum Glück gibt es auch Erwachsene in seinem Kabinett.

Von Sacha Batthyany

Bevor er Trumps Plan umsetzt, Transgender aus dem Militär auszuschließen, will US-Verteidigungsminister James Mattis mit Experten sprechen und eine Studie erstellen. Wie wohltuend sind diese besonnenen Worte im Vergleich zur Sprunghaftigkeit des Präsidenten, der den Transgender-Bann auf Twitter verkündete, bevor sich das Pentagon damit befasst hatte. Mattis und Außenminister Rex Tillerson gehören zu den Erwachsenen im Kabinett, die versuchen, einen mit Worthülsen um sich werfenden Präsidenten zur Vernunft zu bringen - und die sich notfalls, wie jüngst immer wieder geschehen, öffentlich gegen Trump stellen.

Von Beginn an war Trumps Entscheidung, Transgender aus dem Militär auszuschließen, ein politisches Spiel auf dem Rücken einer kleinen Gruppe von Menschen. Es zeigt Trumps Populismus in seiner Verlogenheit: Der Transgender-Bann ist eine Anbiederung an die religiösen Rechten, die sich auch über Kleinigkeiten wie Toiletten für Gleichgeschlechtliche echauffieren. Es gibt nur etwa 7000 Transgender in einem Heer von 1,3 Millionen Soldaten. Die meisten, die sich überhaupt operieren lassen wollen, haben den Eingriff schon hinter sich. Da können die Kosten, mit denen Trump argumentiert, keine Rolle spielen.

Trumps Verbot ist eine symbolische Geste an seine Wähler. In der Realpolitik scheint ihm ja kaum etwas zu gelingen.

© SZ vom 31.08.2017
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