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Totschlag an Palästinenser:Israelischer Soldat vorzeitig aus der Haft entlassen

Israelischer Soldat aus Haft entlassen

Der israelische Soldat Elor Azaria am Tag der Verkündung seines Strafmaßes.

(Foto: dpa)
  • Ein wegen Totschlags an einem Palästinenser verurteilter israelischer Soldat ist am Dienstag nach neun Monaten vorzeitig aus der Haft entlassen worden.
  • Der Sanitätssoldat hatte im März 2016 in Hebron einen am Boden liegenden verletzten palästinensischen Attentäter mit einem Kopfschuss getötet.
  • Ein Video des Vorfalls hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Der Mann liegt schwer verletzt auf der Straße. Er ist noch bei Bewusstsein, aber mehr als den Kopf kann er nicht bewegen. Wenige Meter von ihm entfernt stehen mehrere Krankenwagen. Soldaten stehen in kleinen Grüppchen herum und unterhalten sich, die Gewehre in der Hand. Während ein Krankenwagen abfährt, fällt ein Schuss. Um den Kopf des Mannes bildet sich eine Blutlache.

Aufgenommen wurde das Video im März 2016 in Hebron unmittelbar nach einem Anschlag. Der Mann auf dem Boden ist ein verletzter palästinensischer Attentäter. Der Mann, der ihn mit einem Kopfschuss hinrichtet, ist ein israelischer Sanitätssoldat.

Der Soldat wurde wegen Totschlags verurteilt - nun ist er nach neun Monaten Haft vorzeitig entlassen worden. Er sei freigekommen, um an der Hochzeit seines Bruders teilnehmen zu können, berichteten israelische Medien. Ursprünglich sollte seine Haft erst am Donnerstag enden.

Netanjahu: Froh, dass die Angelegenheit beendet ist

Ursprünglich war er zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, die Strafe wurde jedoch zweimal verkürzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich mehrfach für eine Begnadigung des Ex-Soldaten ausgesprochen. Präsident Reuven Rivlin hatte eine Begnadigung jedoch abgelehnt, weil der Soldat keine Reue zeigte.

Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst. Ein Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem hatte den Vorfall gefilmt und das Video verbreitet.

Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte zu der Freilassung, er sei froh, dass die Angelegenheit beendet sei.

© SZ.de/dpa/jsa/dit

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