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Toter Häftling in NRW:Was wir über den Fall Amed Amed wissen

Kleve JVA

Spuren des Brandes am Fenster der Zelle 143 in der Klever Justizvollzugsanstalt

(Foto: dpa)

Was genau ist in der Zelle in der JVA Kleve passiert? Hat der Häftling selbst ein Feuer entfacht? Warum wird den Behörden Versagen vorgeworfen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der Vater des Verstorbenen trug bei der Beerdigung ein T-Shirt. Darauf der Aufdruck: "Wer ist der Mörder meines Sohnes?" Er begrub in Bonn seinen Sohn, der an großflächigen Verbrennungen gestorben ist. Zugezogen hatte der junge Mann sie sich in einer Gefängniszelle im nordrhein-westfälischen Kleve, wo er wegen einer Verwechslung einsaß. Seit dem Tod des Mannes aus Syrien werden die zuständigen Behörden heftig kritisiert.

Zu den Ursachen und Abläufen, die hinter dem Tod des Syrers stehen, stellen sich viele Fragen. Fragen nach den Hintergründen der Inhaftierung und des Vorfalls. Fragen danach, wie derartige tödliche Verletzungen in Obhut des Staates passieren konnten. Auf einige davon haben die ersten Ermittlungen bereits Antworten gegeben.

Was ist passiert?

Am 17. September brach in einer Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kleve ein Feuer aus. Der einzige Insasse der Zelle, Amed Amed, wurde schwer verletzt. Während er im Koma lag, stellte sich heraus: Der Mann hätte niemals im Gefängnis sitzen dürfen. Er war mit einem von der Staatsanwaltschaft Hamburg zur Fahndung ausgeschriebenen Mann verwechselt und an seiner Stelle inhaftiert worden.

Am 28. September wurde er, so das Justizministerium, "enthaftet". Am 29. September erlag der Mann seinen Verbrennungen.

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Warum saß der Mann im Gefängnis?

Amed ist verwechselt worden. Wegen einer mutmaßlichen sexuellen Belästigung nahmen Polizisten seine Personalien auf. Dabei stießen sie auf zwei Haftbefehle gegen einen Malier namens Amedy Guira. Über ihn war aber bekannt, dass er auch einen Aliasnamen verwendet hat: Amed Amed. Beide Männer hatten den 1. Januar 1992 als offizielles Geburtsdatum in Unterlagen vermerkt. Oft wird der 1. Januar behördlich festgesetzt, wenn das Geburtsdatum von Flüchtlingen nicht mehr feststellbar ist. Außer diesem Geburtsdatum eint die Männer nichts, sie haben nicht einmal dieselbe Hautfarbe.

Amed wies in einem Gespräch mit einer Anstaltspsychologin darauf hin, dass er nicht der Gesuchte war, was diese auch in ihrem Bericht notierte, aber ebenfalls schrieb, dass er "kaum nachvollziehbare Angaben" gemacht habe. Die JVA Kleve ging ihrem Hinweis jedenfalls nicht nach. "Eine Fehleinschätzung, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat", sagt NRW-Justizminister Peter Biesenbach. Neben der JVA sei die Verwechslung aber vor allem auf die Kreispolizeibehörde Kleve und die Staatsanwaltschaft Hamburg zurückzuführen.

So heißt es in dem Bericht des NRW-Justizministeriums, dass es Aufgabe der Polizei sei, "im Auftrag der Staatsanwaltschaft Identitäten festzustellen und kriminalistische Zuordnungen vorzunehmen". Allerdings wies die Staatsanwaltschaft Hamburg laut Bericht als zuständige Vollstreckungsbehörde die Polizei erst am 24. September an, Nachweise zu den Personalien des Gefangenen zu übersenden. Am 27. Juli war bei der JVA Kleve lediglich ein Routineschreiben der Staatsanwaltschaft Hamburg eingetroffen.

Welche Erkenntnisse gibt es über den Zellenbrand?

Wann und wie genau das Feuer ausgebrochen ist, ist unklar. Aktueller Stand der Ermittlungen: Andere Gefangene bemerkten den Rauch, schrien und hämmerten gegen ihre Türen. Die JVA-Beamten seien dadurch auf den Brand aufmerksam geworden, um 19.22 Uhr riefen sie die Feuerwehr. Die traf um 19.33 Uhr ein, fünf Minuten nach den Rettungskräften. "Der Gefangene taumelte den Bediensteten nach Aufschluss der Haftraumtür entgegen", heißt es in dem Bericht.

Polizisten durchsuchten die Zelle, nahmen eine Brandschau vor. Sie schließen eine "Brandverursachung durch Sonneneinstrahlung" ebenso aus wie eine "technische Ursache", etwa durch einen Kurzschluss in einer Steckdose. Brandherd sei das Bett gewesen, in der Mitte der Matratze sei ein stark verbranntes Feuerzeug gefunden worden. Ihrem Bericht zufolge handelt es sich um Brandstiftung. Das Justizministerium schließt noch Anfang Oktober daraus: "Da sich der verletzte Haftinsasse zur relevanten Zeit alleine im Haftraum aufhielt, ist zweifelsfrei davon auszugehen, dass er für das Brandereignis verantwortlich ist."