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Tote US-Diplomaten in Bengasi:Macher des Schmäh-Films taucht unter

Als Macher des Films, der für die Unruhen verantwortlich sein soll, gilt der Amerikaner Sam Bacile. Er soll angesichts der Gewalteskalation untergetaucht sein. Es tue ihm leid um die Botschaft des Films, zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa. Dem Wall Street Journal sagte Bacile hingegen, er habe den Islam als die vom Hass getriebene Religion darstellen wollen.

Der Film stellt den Koran, das heilige Buch der Muslime, als falsche Auslegung der Thora und des Neuen Testaments dar. Der Prophet wird als Schlächter und Vergewaltiger dargestellt. In den bei Youtube gezeigten Szenen posieren bärtige Männer mit Plastiksäbeln, die in Kunstblut getränkt sind. Die Wüstenlandschaft dahinter sieht aus wie eine Fototapete. Die Produktion hat angeblich fünf Millionen Dollar gekostet. Informationen des Wall Street Journals zufolge habe Sam Bacile das Geld für den Film in jüdischen Gemeinden gesammelt.

Wachsendes Misstrauen

Außenministerin Clinton äußerte die Sorge, die Proteste gegen den Film könnten sich auf andere Länder ausweiten. Am Mittwochabend kam es in der tunesischen Hauptstadt Tunis bereits zu einer antiamerikanischen Kundgebung. Einige Dutzend Demonstranten zogen vor die amerikanische Botschaft, einige von ihnen verbrannten US-Flaggen oder traten sie mit Füßen. Die Polizei löste die Versammlung jedoch rasch auf.

Ohnehin ist der Ruf der Amerikaner im arabischen Raum anhaltend schlecht, wie eine Umfrage zeigt. Die Londoner Zeitung The Guardian zitiert aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Yougov, wonach mehr als zwei Drittel der Befragten im Nahen Osten und Nordafrika den USA nicht vertrauen. Weder der militärische Rückzug aus dem Irak, noch die Unterstützung der Amerikaner für den Arabischen Frühling habe daran etwas ändern können. Das Engagement der USA bei den Konflikten in Libyen - wo sie sich militärisch beteiligten - und aktuell in Syrien schätzte die Mehrheit der Befragten als zu gering ein.

Und auch die Menschen in Europa scheinen an den USA zu zweifeln. Mehr als die Hälfte der befragten Deutschen sollen tiefes Misstrauen geäußert haben, schreibt der Guardian. Als die britischen Teilnehmer der Umfrage gebeten wurden, ein Wort auszuwählen, dass sie mit Amerika verbinden, wählten 40 Prozent: "Schikane".

Mit Material von dpa, AFP und Reuters

© Süddeutsche.de/mikö/rus/rela
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