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Bahrain:Schüsse auf Demonstranten im Irak

Unterdessen spitzt sich auch in Libyen der Konflikt zwischen Anhängern und Gegnern von Staatschef Muammar el Gaddafi weiter zu. Aus Oppositionskreisen hieß es, seit Dienstagabend seien bei Zusammenstößen zwischen Regimegegnern und der Polizei bis zu sechs Menschen ums Leben gekommen.

Oppositionelle in Libyen hatten für diesen Donnerstag zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. In allen Städten des Landes sollen sich Regimegegner zu Kundgebungen versammeln, hieß es in dem Aufruf, der wie in Tunesien und Ägypten über Facebook verbreitet wurde. Die Proteste sollen an die Ereignisse des 17. Februar 2006 erinnern. Damals war eine Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen in Bengasi in eine Protestaktion gegen die libysche Führung umgeschlagen. Es gab Tote und Verletzte.

Gaddafi herrscht seit 1969 in Libyen. Kundgebungen, die nicht von seinem Regime organisiert werden, sind extrem selten. Der exzentrische Staatschef hatte die Volksaufstände in Tunesien und Ägypten scharf kritisiert und angekündigt, dass er in Libyen keine Massendemonstrationen dulden werde.

Im irakischen Kurdengebiet haben Sicherheitskräfte am Donnerstag das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die politische Reformen forderten. Hunderte Menschen versammelten sich in Suleimanijah im Norden Iraks zum Protest und zogen zur Zentrale der Partei des kurdischen Präsidenten Massud Barsani. Sie umringten das Gebäude, einige warfen mit Steinen. Die kurdischen Sicherheitskräfte auf dem Dach der Parteizentrale schossen daraufhin in die Menge.

Bei einer Kundgebung in Basra forderten rund 600 Demonstranten den Rücktritt des Gouverneurs sowie eine bessere öffentliche Versorgung, ein Ende von Korruption und mehr Arbeitsplätze. Es blieb Augenzeugen zufolge weitgehend friedlich.

Verletzte bei Zusammenstößen in Jemen

Im Jemen sind bei Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Anhängern der Regierung mindestens 14 Menschen verletzt worden. Etwa 1500 Regimegegner hatten im Zentrum der Hauptstadt Sanaa friedlich für den Rücktritt von Präsident Ali Abdullah Salih demonstriert, als sie von den Unterstützern des Regimes angegriffen wurden.

Die Polizei gab Warnschüsse in die Luft ab, als die Regimeanhänger die Demonstranten attackierten, griff aber nicht in das Geschehen ein. Einem Fotografen der Fotoagentur epa nahmen Regimeanhänger die Kamera weg. Die Proteste gegen Salih gingen am Donnerstag in den siebten Tag. Am Vortag waren in Sanaa und der südlichen Hafenstadt Aden bei Zusammenstößen zwischen Regimegegnern und der Polizei zwei Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden.

Regierung in Algerien sagt Reformen zu

Unterdessen versprach die Regierung in Algerien unter dem Druck sozialer Unruhen weitere Reformen und eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustands. Die seit 19 Jahren geltenden Sonderregelungen würden bis Ende Februar außer Kraft gesetzt, kündigte Ministerpräsident Ahmed Ouyahia an. Der Ausnahmezustand hatte eigentlich dem Kampf gegen den Terrorismus dienen sollen, ermöglichte der Regierung aber auch erhebliche Eingriffe in politische Rechte, insbesondere in die Versammlungsfreiheit. Ebenfalls bis Ende Februar soll es nach Angaben der Regierung Initiativen gegen Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot geben.

Unter dem Eindruck der politischen Umwälzungen in Tunesien und Ägypten hatte sich in den vergangenen Wochen auch in Algerien Widerstand gegen das herrschende System und die sozialen Missstände im Land formiert. Bei den Demonstrationen zum Sturz des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sind nach vorläufigen Regierungsangaben mindestens 365 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 5500 Menschen seien während der 18-tägigen Proteste verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium laut Berichten staatlicher Medien in Kairo mit. Die Opferzahl könne noch steigen.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/dapd/hai
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