Tories in Großbritannien Mühsam zum Triumph

Cameron warb mit einem schlichten "Weiter so!" für seine Wiederwahl.

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Der Wahlsieg für die Tories kommt unerwartet. Trotzdem wird sich David Cameron Kritik aus der eigenen Partei anhören müssen. Denn der Premier hat nicht gewonnen, weil die Bürger besonders zufrieden mit ihm sind.

Kommentar von Björn Finke, London

Er hat die Parlamentswahl gewonnen, aber ein glanzvoller Sieg ist das nicht: David Cameron bleibt voraussichtlich Premierminister des Vereinigten Königreichs. Darauf deuten zumindest die Hochrechnungen hin; die letzten Wahlkreise werden wohl erst an diesem Freitagmittag ausgezählt sein. Der Konservative kann seine seit 2010 regierende Koalition mit den Liberaldemokraten offenbar fortsetzen oder möglicherweise sogar alleine regieren - mit denkbar knapper Mehrheit. Die Labour-Partei seines Herausforderers Ed Miliband verlor Sitze im Parlament.

Für Cameron ist das Ergebnis eine freudige Überraschung; vor der Abstimmung hatten Umfragen ein enges Rennen und Verluste für die Konservativen vorhergesagt. Trotzdem wird sich Cameron wohl fragen lassen müssen, wieso die Wahl zu einer solchen Zitterpartie wurde. Bei diesem Urnengang hätten die guten Wirtschaftsdaten seine Regierung eigentlich beflügeln müssen. Dennoch gelang es Cameron offenbar nicht, jenseits der konservativen Stammwähler viele Bürger von seinen Ideen zu überzeugen.

Als die Koalition von Konservativen und Liberaldemokraten vor fünf Jahren das Ruder übernahm, steckte die Wirtschaft in der Krise, die Staatsfinanzen waren zerrüttet. Im vergangenen Jahr hingegen wuchs die Wirtschaft im Königreich schneller als in jedem anderen großen Industrieland, die Arbeitslosigkeit ist rasant gefallen, und das Haushaltsdefizit bekam die Regierung mit einem harten Sparprogramm in den Griff. Cameron warb daher mit einem schlichten "Weiter so!" für seine Wiederwahl: Das Land sei auf einem guten Weg, doch wenn Labour gewinne, würde es von diesem Wege abkommen, so seine Drohung.

Nackte Furcht vor fünf weiteren Jahren mit den Tories

Allerdings spüren viele Briten nichts von dem Aufschwung. Die Löhne beginnen erst langsam zu steigen, und die ganzen Kürzungen im Sozialen zeigen schlimme Folgen. So können sich viele Arme nicht mehr genug zu essen leisten; die Lebensmittel-Tafeln verzeichnen Andrang wie noch nie - ein trauriger Rekord. Zahlreichen Untertanen Ihrer Majestät flößt darum die Vorstellung fünf weiterer Jahre unter den Konservativen nicht Vertrauen ein, sondern nackte Furcht.

Doch Labour konnte aus dieser Furcht nicht Kapital schlagen. Parteichef Miliband griff zwar die Sorgen der Bürger auf und versprach einen Aufschwung, der allen diene und nicht bloß den Reichen, aber die Wähler hat das offenbar nicht überzeugt. Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass Milibands Wahlprogramm nicht auf die politische Mitte abzielte, sondern vor allem die ganz besonders Überzeugten in den eigenen Reihen beglückte: Höhere Steuern für Reiche, Banker und Besitzer teurer Häuser, staatliche Preiskontrollen für Energieversorger - das sind eher Rezepte von Old Labour. Aus jenen erfolglosen Zeiten, bevor Tony Blair die Partei unter dem Slogan New Labour modernisierte. Und drei Wahlsiege in Folge einfuhr.

Cameron hat diesen Urnengang also mit Ach und Krach gewonnen, weil sein Gegner so schwach war. Und nicht, weil die Bürger mit ihm so zufrieden sind. Jetzt hat der Premier noch einmal fünf Jahre, um es besser zu machen.