Todesstrafe:Todesstrafe garantiert Unfrieden in der Türkei

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Es sind also Gründe jenseits der Rationalität, die auch Demokratien und Rechtsstaaten an der Todesstrafe festhalten lassen - oder die, wie in der Irgendwie-immer-noch-Demokratie Türkei, den Autokraten Erdoğan bewegen, über ihre Wiedereinführung nachzudenken.

Es ist in den USA das Erbe einer rauen Kolonistengesellschaft. Es ist in Japan die Vorstellung, dass die Gemeinschaft Herrin über den Einzelnen ist. Es sind, wie in der Türkei, Staaten, in denen Zusammenhalt und Zivilität fragil sind. Dort ist die Versuchung der Herrscher groß, über die Todesstrafe zu versuchen, das Gewaltmonopol zu halten, Sicherheit und Zivilität zu gewinnen.

Doch die angebliche Politik der Stärke ist ein Zeichen der tiefen Verunsicherung. Nicht einmal Erdoğan kann glauben, dass die Todesstrafe neue Putschisten abschrecken könnte. Auch in der Türkei garantiert sie den Unfrieden, sonst nichts.

Jemand mit diesem Staatsverständnis hätte nichts in der Europäischen Union zu suchen. Die Diskussion mit der Türkei muss da klar und scharf sein. Nur muss, wer sie von europäischer Seite führt, bedenken: Es ist nicht lange her, dass Europa ähnlich dachte. Und niemand weiß, ob in einem verunsicherten Europa die Debatte nicht wiederkehrt. Der menschliche Umgang auch mit dem verabscheuungswürdigsten Täter - er ist immer gefährdet.

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