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Tod von Helmut Kohl:US-Präsident Trump kondoliert mit Verspätung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

(Foto: AFP)

"Sein Vermächtnis wird weiterleben", verlautet aus dem Weißen Haus zum Tod des deutschen Altkanzlers. Sehr persönlich sind dagegen die Abschiedsworte anderer Politiker. Die Reaktionen.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl ist im Alter von 87 Jahren in seinem Haus im pfälzischen Ludwigshafen gestorben. Von 1982 bis 1998 war Kohl der sechste Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (1969-1976). Zwischen 1973 und 1998 bekleidete er das Amt des CDU-Bundesvorsitzenden. Er gilt als "Kanzler der Einheit", in seine Zeit als Regierungschef fielen der Zusammenbruch der DDR und die deutsche Wiedervereinigung.

Die Reaktionen:

"Wir trauern", schrieb die CDU auf Twitter. Dazu stellte sie ein Foto, aufgenommen von Fotojournalist Daniel Biskup. Dieser hatte Helmut Kohl seit 1998 bei privaten und offiziellen Anlässen begleitet.

Kanzlerin Angela Merkel würdige Kohl als "Glücksfall für uns Deutsche". Die in Ostdeutschland aufgewachsene Kanzlerin hob am Freitag auch ihre ganz persönliche Verbundenheit mit seinem Wirken hervor: "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert", sagte sie am Abend in Rom.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte Kohls Einsatz für die Aussöhnung und das Zusammenwachsen in Europa. "Er war zutiefst überzeugt, Europa ist unser Schicksal", sagte Steinmeier. Er war "ein Ausnahmepolitiker" und "eine charakterstarke Persönlichkeit", fügte Steinmeier hinzu. Und hob auch dessen Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft und Partnerschaft hervor. "Wir trauern um einen großen Staatsmann - sein Werk wird Bestand haben".

Der russische Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow sprach über die deutlichen Spuren in der Weltgeschichte, die Helmut Kohl hinterlässt: "Die Deutschen haben Helmut Kohl den Spitznamen 'Kanzler der deutschen Einheit' gegeben. Das ist richtig und gerecht."

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger beklagt den Tod eines "engen und verlässlichen persönlichen Freundes". In einer Erklärung seines Büros hieß es: "Helmut Kohl war eine historische Figur, die entscheidend zur Deutschen Wiedervereinigung, der Europäischen Einigung und der transatlantischen Partnerschaft beigetragen hat".

George H. W. Bush betrauert mit dem Tod des früheren Bundeskanzlers den "Verlust eines wahren Freundes der Freiheit", sagte er und erinnerte daran, wie er mit Kohl auf das Ende des Kalten Krieges hingearbeitet habe. Für ihn sei Kohl einer der größten Staatsmänner im Nachkriegseuropa gewesen. "Mit meinem sehr guten Freund sehr eng zusammengearbeitet zu haben, um ein friedliches Ende des Kalten Kriegs und der Wiedervereinigung Deutschlands innerhalb der Nato erreicht zu haben, ist eine der größten Freuden meines Lebens. Bei unseren Bestrebungen war Helmut ein Fels - standhaft und stark."

Bushs Nachfolger als US-Präsident Bill Clinton zeigte sich "zutiefst traurig" über den Tod seines "lieben Freundes", dessen "visionäre Führungsstärke Deutschland und ganz Europa auf das 21. Jahrhundert vorbereitet" habe. "Er hat einige der gewaltigsten Fragen seiner Zeit zu beantworten gehabt", erklärte Clinton. "Und indem er sie richtig beantwortete, ermöglichte er die Wiedervereinigung eines starken, wohlhabenden Deutschlands und der Gründung der Europäischen Union."

Mit deutlicher Verspätung reagierte dagegen der amtierende US-Präsident Donald Trump. "Kanzler Kohl war den Vereinigten Staaten ein Freund und Verbündeter, während er die Bundesrepublik Deutschland durch 16 entscheidende Jahre führte", hieß es in einem Kondolenzschreiben, das das Weiße Haus am Freitagabend (Ortszeit) herausgab. Kohl sei nicht nur der Vater der deutschen Wiedervereinigung gewesen, sondern auch ein Verfechter für Europa und das transatlantische Verhältnis. Die Welt habe von seinem Weitblick und seinen Anstrengungen profitiert. "Sein Vermächtnis wird weiterleben." Zuvor hatte Trump während einer Rede in Miami zur Kuba-Politik den verstorbenen Altkanzler mit keiner Silbe erwähnt.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, Kohl habe eine "Schlüsselrolle bei der Beendigung des Kalten Krieges und der Wiedervereinigung Deutschlands" gespielt. Ich habe aufrichtig seine Weisheit und seine Fähigkeit bewundert, weit reichende Entscheidungen selbst in schwierigsten Situationen zu treffen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Kohl als "sehr großen Europäer". "Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer", schrieb er auf Twitter.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat den verstorbenen Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl als "Schüsselfigur des europäischen Prozesses und der Wiedervereinigung" Deutschlands gewürdigt. "Mein tiefstes Beileid an die Familie, die Freunde und die Partner von Helmut Kohl", schrieb er auf Twitter.

Der frühere Bundskanzler Gerhard Schröder blieb diplomatisch: "Die Einigung unseres Landes und unseres Kontinents wird auf alle Zeit auch mit seinem Namen verbunden bleiben."

Die CSU trauert um den langjährigen Vorsitzenden ihrer Schwesterpartei. "Helmut Kohl war ein großer Staatsmann, seine Verdienste um unser Land sind unschätzbar", twitterte die Partei. Ihr Vorsitzender, Horst Seehofer, sagte: "Sein Name wird auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes."

Der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel, Steffen Seibert, erklärte auf Twitter: "In tiefer Trauer um einen großen Deutschen und einen großen Europäer."

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz äußerte sich über Kohls Vermächtnis: "Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden."

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU, Julia Klöckner, meldete sich auf Twitter: Wir trauern um den Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas, unseren ehemaligen Ministerpräsidenten, CDU-Landesvorsitzenden. Ein großer Politiker".

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) äußerte sich ebenfalls über Kohls großes Vermächtnis Europa: "Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist. Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben."

Justizminister Heiko Maas (SPD) sagte: "Der ewige Kanzler und große Europäer geht. Seine Verdienste um die Deutsche Einheit bleiben. Wir trauern um Helmut Kohl."

Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete ihn als "Persönlichkeit von historischer Größe". Das Parlament trauere um "einen deutschen Patrioten und den Ehrenbürger Europas". Für Kohl habe immer außer Frage gestanden, "dass die Geschicke der Deutschen immer auch die Europas sind". "Er machte dies zur Richtschnur seines politischen Handelns und setzte für die europäische Einigung unverrückbare Maßstäbe".

Grünen-Partei-Chef Cem Özdemir würdigte Kohls Verdienste: "Bei allem Streit, bei einer Frage haben wir uns immer vor ihm verneigt: Ein großer Europäer ist von uns gegangen", sagte er beim Grünen-Parteitag in Berlin. Kohl habe eine Ära geprägt; sein Name stehe für immer in Verbindung mit einem der großartigsten Projekte der Nachkriegsgeschichte: der deutschen Wiedervereinigung.

Die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, erinnert mit einem Zitat aus einer Rede anlässlich des Bundesverbandstages der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Rentner aus dem Jahr 1998 an den früheren Kanzler: "Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich nicht zuletzt daran, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht", schrieb sie auf Twitter.

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) betonte, dass Kohl in enger Verbindung mit der katholischen Kirche gelebt habe: "Für den großen Politiker und Staatsmann Helmut Kohl war sein christlicher Glaube stets Fundament und Orientierung. Geprägt von den bitteren Erfahrungen der Vergangenheit widmete er sich mit Weitblick und mit all seiner Kraft der Zusammenarbeit unter den Völkern Europas."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich tief betroffen von Kohls Tod gezeigt. "Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund", teilte er mit. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht", so Juncker weiter. "Nur drei Menschen, Jean Monnet, Jacques Delors und Helmut Kohl haben für ihre Verdienste für die europäische Zusammenarbeit die Ehrenbürgerschaft Europas erhalten." Das mache den Verlust umso größer - politisch wie menschlich. In Gedenken an Helmut Kohl habe Juncker deshalb die Europaflaggen vor den europäischen Institutionen auf Halbmast setzen lassen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: "Helmut Kohl war die Verkörperung eines geeinten Deutschland in einem geeinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, war er der Lage gewachsen. Ein wahrer Europäer."

Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt: "Mit Helmut Kohl bin ich groß und politisch flügge geworden. Bei allem Streit: Er war ein überzeugter Europäer. Möge er in Frieden ruhen!"

Die sächsische CDU bekräftigt Kohls Bedeutung für die Deutsche Einheit. Ohne ihn wäre sie nicht möglich gewesen, "deshalb haben wir Ostdeutschen ihm viel zu verdanken", sagte der Generalsekretär und stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Kretschmer. "Nur weil er Deutschland in Europa fest verankert hat und die europäischen Staaten ihm vertraut haben, konnte die Einheit gelingen."

Thürigens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), bezeichnete Kohl als außerordentliche Persönlichkeit, die in der schwierigsten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg große Verantwortung übernommen habe. "Er hat die Chancen der friedlichen Revolution genutzt, um einen friedlichen Prozess der deutschen Einheit zu ermöglichen", sagte er.

© SZ.de/dpa/AFP/lkr
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