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Tierschutz:Raus aus der Manege

Martin Lacey Jr. beim Circus Krone in München, 2019

Im Münchner Circus Krone zählen Tiger und Löwen immer noch zu den Hauptattraktionen in der Manege.

(Foto: Catherina Hess/SZ)

Per Verordnung will das Landwirtschaftsministerium die Haltung von Wildtieren im Zirkus verbieten. Ausgerechnet bei Löwen und Tigern wird das schwierig.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Für Mala gibt es keinen Ersatz. Die Elefantendame vom Circus Krone war zu Beginn der Woche an ihrem spanischen Alterssitz gestorben, mit 55. Und einen neuen Elefanten soll kein reisender Circus mehr anschaffen dürfen. Auch kein Flusspferd, kein Nashorn, keine Giraffen, keine Bären. Primaten, also Affen, ebenfalls nicht. "Wildtiere haben in der Manege nichts verloren", sagt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Deshalb sollen sie jetzt verboten werden. Jedenfalls einige. Auf lange Sicht.

Den Entwurf für eine entsprechende Verordnung hat die Ministerin von der CDU am Donnerstag vorgelegt. Danach ist das "Zurschaustellen" dieser Tiere an wechselnden Orten künftig verboten. Zirkusse, die solche Tiere schon haben, dürfen sie allerdings weiterhin halten - wenn sich "Schmerzen, Leiden oder Schäden" auf ein "vertretbares Maß" vermindern lassen. Der ganze Entwurf ist, um mal im Bild zu bleiben, ein Drahtseilakt.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Anläufe zu einem solchen Verbot. Tierschützer beklagen nicht nur den engen Raum, in dem die Wildtiere häufig gehalten werden. Auch die häufigen Transporte machten ihnen zu schaffen, von Gastspiel zu Gastspiel. Die Zirkusse wiederum verwiesen auf die besondere Pflege, die den Tieren widerfahre - von deren Gesundheit sie schließlich auch leben. Auch biete ihnen die Dressur Abwechslung. Trotzdem sahen sich viele Zirkus-Betriebe in den letzten Jahren in der Defensive, bis hin zu Städten, die Gastspiele ganz untersagen wollten: aus Tierschutzgründen. "Die Unternehmen haben keine Probleme mit den Veterinären", sagt Ralf Huppertz, Chef des Verbands deutscher Circusunternehmen. "Höchstens mit den Tierschützern."

"Das Leiden der Großkatzen ist wissenschaftlich belegt"

Denen wiederum geht Klöckners Entwurf nicht weit genug: Es fehlen die Wildkatzen, also etwa Löwen und Tiger. Dass ausgerechnet jene Tiere, die besonders oft herumgefahren würden, in dem Entwurf nun ausgespart seien, sei "ein bisschen fragwürdig", sagt Sven Wirth von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. "Das Leiden der Großkatzen ist wissenschaftlich belegt."

Auch Klöckner hätte sie gern mit aufgenommen. Rechtlich sei dies aber heikel, schließlich gebe es rund um Zucht und Dressur von Wildkatzen regelrechte Berufszweige. Kläger könnten sich darauf berufen, das Verbot greife in die Berufsfreiheit ein. "Uns ist sicher nicht geholfen, wenn wir sehenden Auges vor Gericht scheitern", sagt sie.

Bislang war Deutschland eines der wenigen Länder in Europa, in denen es kein solches Verbot gab. "Wir waren das Schlusslicht", sagt James Brückner vom Tierschutzbund. "Aber leider bleiben wir es auch." Die Tierschützer hätten sich eine kürzere Übergangsfrist gewünscht, keine Bestandsgarantie für alle Wildtiere, die noch in Zirkussen leben. Und eben auch ein Verbot von Großkatzen.

Tierschützer wollen das Verbot ausweiten

Noch am Donnerstag verlangten 13 Tierschutz-Organisation in einem Schreiben an Klöckner Nachbesserungen an der Verordnung. Sie bauen nun auf die Beratungen im Bundestag, um Klöckners Entwurf zu verschärfen. "Wir werden das Anhörungsverfahren nutzen, um das Verbot noch auszuweiten", sagt Vier-Pfoten-Mann Wirth. Auch Klöckner will das nicht ausschließen. "Die Anhörung wird oft unterschätzt", sagt sie.

Ralf Huppertz, der mit seiner Familie selbst einen Zirkus in Schwerin betreibt, kann die betroffenen Kollegen an einer Hand abzählen. Bären gibt es ohnehin keine mehr, ein einziges Flusspferd, einen Primaten und nur noch wenige Giraffen, Elefanten und Wildkatzen. "Eigentlich ein großes Buhei um etwas, das sowieso nicht mehr so große Bedeutung hat." Aber das Thema ist eben emotional - für beide Seiten.

© SZ/stad
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