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Tier-Intelligenz:Kluge Kläffer

Wissenschaftler suchen den schlauesten Hund der Welt.

Von Titus Arnu

Zum Glück können Hunde nicht lesen und schreiben. Sonst würden sie einem ständig Textnachrichten schicken: "Hunger", "Gassi", "kraulen!". Ein durchschnittlich intelligenter Hund kann aber immerhin 165 Wörter oder Gesten verstehen, hat der kanadische Psychologe Stanley Coren ermittelt. Für diesen Text reicht das nicht ganz. Auf visuelle Signale allerdings reagieren viele Hunde besser als auf Worte. Wer seinem Haustier den Inhalt dieses Artikels vermitteln will, sollte ihn also grob vereinfachen und pantomimisch vortragen. Es lohnt sich!

Einer superschlauen Hündin wie Whisky kann man diese Zeilen vielleicht vorlesen. Zusammen mit ihrem norwegischen Herrchen Helge Svela lernt das Border-Collie-Weibchen fleißig Vokabeln. "Sitz", "Platz", "Aus" - solche Alltagsbefehle beherrschen selbst lernbehinderte Labradore. Whisky hat gelernt, die Namen von mehr als 100 Objekten auseinanderzuhalten, sie kann sogar abstrahieren und ihren reichen Spielzeug-Fundus in Kategorien wie "Bälle" oder "Frisbees" unterteilen. Damit hat sie es ins Finale der "Genius Dog Challenge" geschafft.

Mit diesem Programm suchen Wissenschaftler der Universität Budapest den schlauesten Hund der Welt. Die sechs Finalisten Rico, Max, Squall, Gaia, Nalani und Whisky sind alle Border Collies, die als besonders intelligent gelten. Auch andere Rassen und Mischlinge wurden getestet. Zwei Kandidaten, Whisky und der Yorkshire-Terrier Vicky, zeigten bei Versuchen, dass sie neue Wörter nach nur viermaligem Hören kapieren - das entspricht dem Lernvermögen von dreijährigen Kindern.

Als klügster Hund der Welt galt bislang der 2019 gestorbene Border Collie Chaser, er beherrschte 1022 Wörter. Chaser sei in der Lage gewesen, Sätze mit Präposition, Verb und Objekt zu verstehen, behauptete sein Herrchen John Pilley, der eine Studie über Kommunikation mit Hunden veröffentlichte. Berühmt wurde auch Border Collie Rico, der 250 Wörter kannte und bei "Wetten, dass ..?" auftrat. Sind solche Superhundehirne nur gut trainiert - oder gibt es wirklich Sprachtalente unter ihnen? Das wollten die Budapester Forscher systematisch herausfinden.

Claudia Fugazza von der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest und ihr Team testeten die Finalisten per Videokonferenz. Die Hunde mussten sich eine Woche lang zwölf neue Namen von Spielzeugen einprägen, die sie vorher nicht kannten. Dann sollten sie die aufgerufenen Objekte aus Nebenräumen holen. Zusätzlich sollten die hochbegabten Hunde zeigen, ob sie das Ausschlussverfahren beherrschen. Dabei wurden ihnen sieben namentlich bekannte Objekte zusammen mit einem neuen präsentiert. Die Oberschlauen verknüpften das unbekannte Wort mit dem unbekannten Spielzeug.

Wenn die sechsjährige Whisky fleißig weiterstudiert, wird bald wieder ein Border Collie zum schlauesten Hund der Welt ernannt. Das Schlusslicht in Sachen Hundeintelligenz bilden laut einer anderen Studie übrigens Bulldogge, Basenji und Afghanischer Windhund. Das bedeute aber nicht zwingend, dass diese Rassen dumm seien, gibt der niederländische Verhaltensforscher Frans de Waal zu bedenken. Möglicherweise sei der Afghanische Windhund zu schlau und eigensinnig, um sich Befehlen von Menschen zu unterwerfen.

© SZ
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