Thyssenkrupp Kehrtwende

Sehr spät, aber immerhin, vollzieht der Konzernchef eine Kehrtwende und konzentriert sich auf das Kerngeschäft: den Stahl.

Von Caspar Busse

Wieso nicht gleich so? Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat alle mit einer echten Kehrtwende überrascht. Seine bisherigen Pläne für das Traditionsunternehmen aus Essen, das wie kaum ein anderes mit dem Aufstieg und Niedergang des Ruhrgebiets verknüpft ist, hat er vom Tisch gewischt. Stattdessen sollen Tausende Jobs gestrichen und das Aufzugsgeschäft an die Börse gebracht werden, um Geld zu beschaffen. Der Bereich Stahl, mit dem Thyssenkrupp groß wurde, bleibt nun das Kerngeschäft.

Der Schritt ist richtig, auch wenn es natürlich sehr hart für die betroffenen Mitarbeiter ist. Nur so hat Thyssenkrupp eine Zukunft, das Unternehmen steht nun einmal für Stahl und hat damit die meiste Erfahrung, auch wenn die Konkurrenz vor allem aus China hart ist. Die anderen Bereiche, etwa das Geschäft mit Autozulieferungen, sind im harten Wettbewerb zu klein, um schnell groß und erfolgreich zu werden.

Das Problem ist nur, dass durch das Zaudern und den Strategiewechsel wertvolle Zeit und viel Geld verloren gegangen sind. Dafür ist vor allem der bisherigen Chef Kerkhoff verantwortlich. Durch die plötzliche Kehrtwende ist er schwer beschädigt, sein Job ist in höchster Gefahr. Denn es wird wahrscheinlich jemand anderen brauchen, der den neuen Kurs glaubwürdig verkaufen und druckvoll umsetzen kann. Es geht immerhin um 160 000 Arbeitsplätze und einen großen Namen. In Wirklichkeit ist es ein großes Drama, das sich da in Essen abspielt.