Thüringer Linkenchef:Ramelow greift Merkel an

Bodo Ramelow

Bodo Ramelow, der Thüringer Fraktionsvorsitzende der Linken bei einem Interview Ende Oktober in Berlin

(Foto: dpa)
  • Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei in Thüringen, hat in einem Interview die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck gekontert.
  • Merkel warf er vor, lediglich um die Machtposition der CDU besorgt zu sein. Von Gaucks Botschaft, die Linke sei nicht wählbar, zeigte Ramelow sich verletzt.
  • Ramelow sagte gegenüber dem Spiegel, sich stärker der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit in seiner Partei zu widmen.
  • Kommen die Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zu einem erfolgreichen Abschluss, könnte Ramelow am 5. Dezember zum ersten linken Ministerpräsidenten gewählt werden.

Bodo Ramelow äußert sich zu Kritik von Merkel und Gauck

Der Thüringer Linkenpolitiker Bodo Ramelow hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Interview mit dem Spiegel wegen ihrer Kritik an der geplanten rot-rot-grünen Koalition unter seiner Führung kritisiert. "Das ist doch durchschaubar, was zurzeit passiert. Frau Merkel hat Angst um den Ewigkeitsanspruch der CDU auf die Macht, das kann ich verstehen." Die CDU-Vorsitzende Merkel hatte der Linkspartei vorgeworfen, sie stelle zu wenig klar, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei.

Weiter geht Ramelow die Kanzlerin an: "Merkel war in der sozialistischen Jugendorganisation FDJ. Sie hat in der DDR-Diktatur mit all ihren Widerwärtigkeiten gelernt, so um den eckigen Tisch herumzukommen, dass man fast den Eindruck hat, es sei ein runder Tisch gewesen", sagte Ramelow dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. "Viele blaue Flecken scheint sie nicht gekriegt zu haben."

Angesprochen auf die Kritik von Bundespräsident Joachim Gauck sagt Ramelow dem Nachrichtenmagazin: "Er hatte die klare Botschaft, die Linken seien nicht wählbar. In dieser Inszenierung, vor einem Altar, vor Kerzen und Kreuzen, ist das für mich verletzend." Damit spielt Ramelow auf ein ARD-Interview mit dem Bundespräsidenten in der Gethsemanekirche in Berlin an.

Ramelow fordert entschlossenere Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit

Ramelow forderte von seiner Partei eine entschlossenere Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Das habe man "zeitweise schleifen lassen", kritisierte der 58-Jährige. Er leugne nicht, dass die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet werden könne. "Auf gut Deutsch: Jedes kleine oder größere Arschloch im DDR-Apparat konnte in das Leben der anderen eingreifen. Das war entsetzlich."

Persönlich wolle er sich für eine Aussöhnung zwischen seiner Partei und Opfern der SED-Diktatur einsetzen. "Dass mit meiner Kandidatur bei manchen Opfern eine Retraumatisierung eingesetzt hat, nehme ich sehr ernst", sagte Ramelow dem Spiegel.

Koalitionsverhandlungen in Thüringen gehen in die letzte Runde

Für Montag und Mittwoch stehen noch zwei Verhandlungsrunden zwischen der Thüringer Linkspartei, der SPD und den Grünen an. Am Donnerstag, dem 20. November, soll der Koalitionsvertrag dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Kommen die Verhandlungen wie geplant zu einem erfolgreichen Abschluss, soll Ramelow am 5. Dezember zum ersten Ministerpräsidenten der Linken gewählt werden. Dann wird es jedoch noch einmal spannend, denn die rot-rot-grüne Mehrheit im Thüringer Landtag ist hauchdünn: Es geht um eine Stimme.

© Süddeutsche.de/dpa/sks
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