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Meinungsforschung:Thüringens CDU bricht in der Wählergunst ein

Thüringen: Landtag in Erfurt

Der Thüringer Landtag, hinter dessen Mauern sich am Mittwoch Denkwürdiges abspielte.

(Foto: dpa)

Rot-Rot-Grün hätte bei Neuwahlen einer Umfrage zufolge eine Mehrheit. Das Verhalten von Thomas Kemmerich lehnt die Mehrheit der Deutschen ab. Was die Wahlberechtigten vom Ringen um Thüringen halten.

Die Regierungskrise in Thüringen ist noch nicht ausgestanden, doch es gibt bereits erste Daten dazu, wie sich die Ereignisse auf die politische Lage in dem Bundesland und in der Bundesrepublik auswirken. Seit Mittwoch haben die Meinungsforscher ihre Callcenter außerplanmäßig in Aktion gesetzt. Aus den nun vorliegenden Umfragen lässt sich ablesen, wie die Bevölkerung das Verhalten von FDP und CDU im Thüringer Landtag bewertet - und welche Verschiebungen in der Wählergunst sich daraus ergeben.

Eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen findet es falsch, dass der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich die Wahl zum Ministerpräsidenten annahm, obwohl er diese mit Stimmen der AfD gewonnen hat. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das ZDF bei der Forschungsgruppe Wahlen in Auftrag gab und an der am Mittwoch und Donnerstag 966 Wahlberechtigte teilnahmen. 33 Prozent der Befragten finden Kemmerichs Agieren in Ordnung, neun Prozent legten sich nicht fest.

Mehr als drei Viertel der Befragten, nämlich 76 Prozent, finden es richtig, dass die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD generell ausschließt; unter den Anhängern von CDU und CSU sehen das sogar 83 Prozent so. Weniger klar ist das Meinungsbild bezüglich einer Kooperation von CDU und Linke: Diese lehnen nur 40 Prozent der Befragten ab, aber eine Mehrheit von 64 Prozent der Unionsanhänger.

Bei einer möglichen Neuwahl in Thüringen könnte es für eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün reichen. Die drei Parteien kommen in einer repräsentativen Umfrage des Instituts Forsa unter Wahlberechtigten in Thüringen auf 53 Prozent. Vor allem die Linke legt deutlich zu, die Grünen leicht. Die CDU stürzt um zehn Prozentpunkte ab. Bei SPD und FDP liegt die Veränderung innerhalb der Schwankungsbreite, lässt sich also womöglich auf Zufallseffekte bei der Auswahl der Befragten erklären. Ob der FDP der Einzug in den Landtag erneut gelingen würde, ist damit unklar. Bei der Landtagswahl am 27. Oktober 2019 lagen die Liberalen nur 73 Stimmen über der Fünf-Prozent-Hürde.

Wie sich die Entwicklung in Thüringen auf die bundesweiten Zustimmungswerte der Parteien auswirkt, lässt sich noch nicht sagen. Eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF beruht auf Telefoninterviews, die seit Dienstag geführt wurden, und damit teilweise vor den dramatischen Wahlgängen im Erfurter Landtag. Dementsprechend weisen die Werte nur geringe Veränderungen zur vorherigen Befragung auf.

© SZ vom 08.02.2020
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