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Thüringen:Maulkorb für Althaus

Althaus muss künftig zu Skiunfall schweigen: Immer wieder hatte er sich zu dem tödlichen Skiunfall geäußert. "Pietätlos" finden es die einen, "Wahlkampf" schimpfen die anderen. Nach SZ-Informationen haben die Anwälte des CDU-Ministerpräsidenten jetzt mit dem Witwer eine Vereinbarung getroffen.

Christiane Kohl

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) wird sich künftig nicht mehr zu Einzelheiten seines Skiunfalls vom Jahresbeginn äußern. Das sieht eine Stillschweigevereinbarung vor, die seine Rechtsvertreter mit dem Anwalt von Bernhard Christandl, dem Witwer der bei dem Unfall getöteten Frau, geschlossen haben.

Dieter Althaus - ihm wird vorgeworfen, seinen Skiunfall, bei dem eine Frau ums Leben kam, für Wahlkampfzwecke auszuschlachten.

(Foto: Foto: seyboldtpress.de)

Wie der Salzburger Anwalt von Christandl, Alexander Rehrl, der Süddeutschen Zeitung sagte, haben sich beide Seiten darauf geeinigt, dass in der Öffentlichkeit "keinerlei Einzelheiten mehr über den Unfall oder die laufenden Schadenersatzverhandlungen" erklärt würden. Dies beinhalte auch, dass Althaus keine Äußerungen mehr mache bezüglich seines Besuchs am Grab der Toten oder anderer Details, welche die Familie Christandl tangieren könnten.

Damit ist die Vereinbarung faktisch eine Art Maulkorb für den CDU-Politiker, dessen Äußerungen zu dem Unfall im Landtagswahlkampf Wellen geschlagen hatten. So hatte ihm der SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie vorgeworfen, "kaltschnäuzig den tragischen Unfall für Wahlkampfzwecke auszuschlachten".

Tatsächlich hat sich nach Ansicht von politischen Beobachtern die wiederholte Erwähnung des Unfalls und seiner Folgen offenbar positiv auf die Popularitätswerte von Althaus ausgewirkt.

Die nun getroffene Vereinbarung der Anwälte ist auch eine Reaktion auf die öffentliche Kritik von Christandls Anwalt Rehrl, der erklärt hatte, dass es sein Mandant als "pietätlos" empfinde und als "Vertrauensbruch" werte, wie Althaus in Interviews über den tragischen Unfall spreche.

Auch in der Slowakei, dem Geburtsland der toten Skifahrerin, gibt es erhebliche Kritik an seinem Verhalten. Die Zeitung Sme schrieb, einige Äußerungen seien "jenseits des Geschmacks" gewesen.

Anlass für die Kritik waren Äußerungen von Althaus in Gesprächen mit der Boulevardpresse gewesen, in denen er von einem Gebet am Grab der Toten berichtet hatte und davon, dass ein regelrecht freundschaftliches Verhältnis mit dem Witwer entstanden sei.

Im Gespräch mit Journalisten in Gera wollte er von alledem nichts wissen: "Ich bin seit zwei Wochen im Wahlkampf", so Althaus, er habe "in keiner Rede von dem Unfall gesprochen" und sei auch nirgendwo von Bürgern danach gefragt worden. Einzig auf Fragen von Journalisten habe er geantwortet, was laut Althaus "auch zur Pflicht eines Politikers gehört". Die Politiker, so Althaus, "haben die Aufgabe, das, was Journalisten interessiert, zu beantworten" - nichts anderes habe er getan.

Althaus wollte auch nicht eine Vereinbarung zwischen seinem Anwalt und dem Salzburger Rechtsanwalt von Christandl bestätigen: "Die Anwälte haben sich miteinander unterhalten", so der CDU-Politiker, "ich kann nichts dazu sagen, über was". Allerdings bestätigte Althaus die Vereinbarung indirekt, indem er erklärte, dass er sich nicht mehr zu dem Unfall äußern wolle. Wie die SZ erfuhr, sind die Anwälte in der schriftlichen Vereinbarung zudem übereingekommen, jetzt zügig die Schadenersatzfragen zu regeln.

© SZ vom 22.08.2009/bica
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