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Thüringen:Kühnes Projekt

Linke und CDU tun gut daran, eine Koalition zu prüfen.

Es ist ein verflixtes Experiment, das Thüringen der Republik zumutet. Nach den Landtagswahlen vor gut zwei Monaten hatte erstmals eine siegreiche Linke der CDU angeboten, miteinander zu reden. Es sah aus wie verkehrte Welt im dreißigsten Jahr der Wiedervereinigung. Selbstredend verwies die CDU, vor allem die Zentrale in Berlin, das Ansinnen ins Reich der politischen Utopien.

Und trotzdem redet man jetzt wieder darüber, ob es nicht doch mit einem Kniff gelingen könnte, dass Linke und CDU auf der Regierungsbank im Thüringer Landtag landen. Und, anders als nach der Wahl, geht der Impuls dieses Mal von der CDU aus. In einer Art und Weise, die kaum zufällig sein kann, haben zwei Parteifreunde der Thüringer CDU zusammen mit dem früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck die Idee einer projektbezogenen Zusammenarbeit von Linken und CDU geboren. Die drei Ostdeutschen wollen die (westdeutsche) Parteizentrale überzeugen, dass man im Osten pragmatisch regieren muss - und weniger ideologisch.

Das ist alles richtig, dennoch gibt es ein gewichtiges Argument dagegen: Die CDU hat sich bislang klar gegen jede Kooperation mit der Linken und der AfD ausgesprochen. Würde sie sich jetzt, auch aus gutem Grund, doch der einen Seite öffnen, könnten auch die Dämme zur anderen Seite brechen.

© SZ vom 10.01.2020
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