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Thilo Sarrazin: Umstrittenes Buch:Sarrazin und seine eigene Wahrheit

Unglücklich dagegen ist wohl nur sein Hinweis, dass neueste Studien gemeinsame genetische Wurzeln der heute lebenden Juden belegt hätten. Ein heikler Punkt. Die Begriffe Juden und Gene in einem Satz zu nennen, das scheint in der Bundesrepubik nicht ohne Empörungsreflexe möglich zu sein. So jedenfalls sieht Sarrazin das. "Ich bin mit dem Begriff jüdischer Gene völlig unbefangen umgegangen, nämlich ganz normal. Das scheint mein Fehler gewesen zu sein."

Buchvorstellung 'Deutschland schafft sich ab'

Darum geht es: Eine Verlagsmitarbeiterin reicht einer Journalistin ein Exemplar des Buchs "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin.

(Foto: ddp)

Die SPD will unter anderem deshalb ein neues Parteiordnungsverfahren gegen Sarrazin anstrengen. Und es häufen sich die Forderungen an die Bundesbank, Sarrazin zu entlassen. Der sieht dem gelassen entgegen. Aus der Tatsache, dass die meisten Juden zum Teil identische Gene hätten, "ergibt sich weder eine positive noch eine negative Zuschreibung", sagt Sarrazin.

Die Vermutung, er hätte das mit einer negativen Zuschreibung verbunden, sei "völlig absurd". Ansonsten rät der 65-Jährige den Entscheidern, doch sein Buch auch mal zu lesen. Darin würden sie nichts finden können, was von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung nicht gedeckt wäre.

Der Kampf um seine eigene Wahrheit

Sarrazin ist im Auftrag der Wahrheit unterwegs. Der Wahrheit, wie sie sich aus seiner Sicht darstellt. Dazu gehört auch, diejenigen, die an der Brillanz seiner Analyse zweifeln, von der Diskussion auszuschließen. Das sagt er mehrfach. Es lohne sich nicht mit Menschen über sein Buch und seine Lösungsvorschläge zu reden, wenn sie seine Analyse und die daraus folgenden Wertungen nicht teilten.

Diese Lösungen sind recht schlicht: Keine Sozialleistungen mehr für Immigranten führten zu Integration durch Arbeit. Und: Einwanderungsregeln, die es nur noch Hochqualifizierten erlauben würden, ins Land zu kommen.

Dass solche Thesen etwa in den Niederlanden und in Belgien vor allem von Parteien am rechten Rand vertreten werden, stört Sarrazin nicht. Allerdings will er mit ihnen auch nicht in eine Ecke gestellt werden. Wenn er etwa behaupte, die Erde sei rund, und ein ihm nicht Wohlgesonnener behaupte das gleiche, dann stelle er sich nicht hin und behaupte, die Erde sei eckig.

Nein, das wäre auch nicht sein Stil. Seinem Stil entspricht, was er danach sagt: "Dann sage ich: Die Welt ist rund und du bist trotzdem ein Arschloch."