Thilo Sarrazin: Streit um Fastnachtsauftritt:Narren unter sich

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Er schafft es, selbst mit einer angekündigten Büttenrede zu provozieren: Der ehemalige Bundesbanker und Autor Thilo Sarrazin soll bei einer Fastnachtsorganisation in Mainz auftreten - Grüne und DGB wollen dagegen demonstrieren.

Wo er auch auftreten soll, ist mit Protesten zu rechnen - und selbst die Treffen bekennender Narren bergen Sprengstoff, wenn Thilo Sarrazin dort sprechen soll. In Mainz gibt es heftiges Gezänk um einen Fastnachtsauftritt des Buchautors und ehemaligen Bundesbankers bei der "Ranzengarde".

Thilo Sarrazin

Auch in der närrischen Zeit bietet Thilo Sarrazin Anlass zum Streit.

(Foto: Getty Images)

Der wegen seiner Kritik an muslimischen Migranten umstrittene Sarrazin soll am kommenden Sonntag die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger der Fastnachtorganisation halten, den Musikkabarettisten Lars Reichow. Unter anderem wollen der Kreisverband der Grünen und die rheinland-pfälzische DGB-Jugend in Mainz gegen den Auftritt demonstrieren. "Nichts von dem, was Sarrazin beschreibt, ist eine Bereicherung für die Diskussion, geschweige denn neu, originell oder ein Tabubruch", heißt es in dem Protestaufruf. Die Polizei rechnet mit rund 200 Teilnehmern.

Der Generalfeldmarschall der Garde, der frühere rheinland- pfälzische CDU-Vorsitzende Johannes Gerster, verteidigte die Entscheidung für Sarrazin: "Ich bin für die Freiheit von Rede und Meinung und da ist es selbstverständlich, dass er uns sehr willkommen ist." Der 69-jährige Gerster, der früher Bundestagsabgeordneter war, sagte weiter: "Wir sind eine Fastnachtsorganisation, die für die Narren- und Redefreiheit eintritt. Wir lassen uns nicht vorschreiben, wer bei uns auftreten darf und wer nicht."

Die "Ranzengardisten" wollen sich bei der Wahl der Redner nicht reinreden lassen - schließlich habe man ein rebellisches Erbe zu verteidigen: Die Garde sei 1837 im Protest gegen den Obrigkeitsstaat entstanden. "Da fühlen wir uns nun in bester Tradition", fügte Gerster hinzu. "Wenn ich nur mit Leuten kommuniziere, die meiner Meinung sind, dann wäre die Welt ja sehr langweilig." Und die Ranzengarde verteile schließlich nicht den Friedensnobelpreis: "Daher bewerten wir auch keine politischen Aussagen".

Neu ist die Verbindung des Provokateurs Sarrazin mit der Fastnachtsorganisation allerdings nicht: Sie hatte ihm bereits 2009 den Ehrentitel eines "Ranzengardisten" verliehen.

Sarrazin war in die Kritik geraten, weil er muslimischen Zuwanderern vorwarf, sich in Deutschland nicht integrieren zu wollen oder zu können. Sein Bestseller Deutschland schafft sich ab stieß auf heftige Kritik, Sarrazin wurde Rassismus vorgeworfen.

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