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Thalys:US-Soldaten überwältigen Bewaffneten in Schnellzug

Schüsse in Thalys

Sicherheitskräfte untersuchen in der französischen Bahnstation Arras den Zug, in dem sich der Vorfall ereignete.

(Foto: AFP)
  • Ein schwer bewaffneter 26-jähriger Marokkaner stürmt in einem Thalys-Zug auf der Strecke von Amsterdam schwer bewaffnet in ein Abteil.
  • Zwei mitreisende US-Soldaten können den Mann überwältigen.
  • Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt.

Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt

Nach dem Angriff in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris hat die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris die Ermittlungen übernommen. Ein 26-jähriger Marokkaner hatte zwei Menschen schwer verletzt.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, es sei üblich, dass die für Terrorismus zuständige Pariser Staatsanwaltschaft einen Fall übernimmt, wenn Taten "einen terroristischen Charakter" aufweisen könnten.

Dieser habe Verbindungen zu radikalen Islamisten, schreibt die spanische Zeitung El País unter Berufung auf Geheimdienstquellen. Er habe ein Jahr in Spanien gelebt, bevor er nach Frankreich gezogen sei. Der Marokkaner sei auch in Syrien gewesen.

Überwältigt von zwei US-Soldaten

Die Attacke ereignete sich gegen 17:45 Uhr, als der Zug des Transportunternehmens Thalys durch Belgien fuhr. Zwei mitreisende US-Soldaten hatten den Angreifer überwältigt. So sei möglicherweise ein "furchtbares Drama" verhindert worden, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitagabend. Er beschrieb den mutmaßlichen Täter als extrem gewalttätig. Wie der US-TV-Senders ABC unter Berufung das US-Militär berichtete, gehört einer der Soldaten zur Luftwaffe. Der andere war Mitglied der Nationalgarde des Bundesstaates Oregon. Nach Angaben des US-Senders CNN war auch ein Zivilist an der Aktion gegen den Marokkaner beteiligt.

Belgiens Ministerpräsident Charles Michel sprach von einem Terrorangriff, die ermittelnden französischen Behörden äußerten sich vorsichtiger. Das Motiv des Täters sei noch unklar. Französische Bürger und Politiker feierten die Amerikaner für ihr "mutiges Eingreifen". Sie hätte ein "Massaker" verhindert.

US-Präsident Barack Obama lobte den Mut der Passagiere. Sie hätten mit ihren "heldenhaften Taten" möglicherweise eine weitaus schlimmere Tragödie verhindert, teilte das Weiße Haus mit.

Schüsse auf belgischem Gebiet

Der Mann war am frühen Freitagabend im nordfranzösischen Bahnhof Arras der Polizei übergeben worden. Wie französische Medien übereinstimmend berichteten, erlitt ein Passagier eine Schussverletzung, ein zweiter wurde mit einem Messer verletzt. Bei dem Vorfall wurde nach Angaben des französischen Bahnbetreibers SNCF auch der französische Schauspieler Jean-Hugues Anglade leicht verletzt. Der aus dem Kultfilm "Betty Blue" bekannte Darsteller verletzte sich demnach, als er den Zugalarm auslösen wollte.

Unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft schrieb die Regionalzeitung La Voix du Nord, die beiden Soldaten hätten gehört, wie der Mann in der Toilette eine schwere Waffe durchgeladen habe, daraufhin seien sie eingeschritten.

Eine junge Passagierin sagte dem TV-Sender i-Tele, als der Angreifer zugeschlagen habe, sei sie im Waggon nebenan gewesen. "Ich würde es nicht als (Gewehr)-Salve bezeichnen, weil wir selbst im nächsten Waggon keine Schüsse gehört haben", sagte die Frau. Die Insassen seien "relativ ruhig" gewesen.

Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete am späten Abend, die Verletzten seien nicht in Lebensgefahr. Der Sprecher des Innenministeriums hatte zunächst von lebensgefährlichen Verletzungen eines Opfers gesprochen.

Am Bahnhof von Arras durchsuchten Ermittler den Zug, während die Identität der 554 Passagiere überprüft und ihr Gepäck durchsucht wurde. Mit Sonderzügen wurden sie in der Nacht nach Paris gebracht.

Angreifer war schwer bewaffnet

Unter Verweis auf das Umfeld der Ermittlungen hieß es, die Polizisten hätten bei dem Mann ein Kalaschnikow-Sturmgewehr, eine Automatik-Pistole, neun Magazine und ein Cutter-Messer gefunden. Im Hinblick auf erste Spekulationen zum Hintergrund des Mannes rief Innenminister Cazeneuve zu Vorsicht und Zurückhaltung auf.

"Alles wird getan, um Licht in dieses Drama zu bringen", versprach der französische Präsident François Hollande. Er vereinbarte mit Belgiens Premierminister Michel, bei der Aufklärung der Tat eng zusammenzuarbeiten.

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