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Thailands Kronprinz Maha Vajiralongkorn:Der Don Juan aus dem Land des Lächelns

Das gepfändete Flugzeug des thailändischen Kronprinzen bleibt vorerst am Boden des Münchner Flughafens - allen Bemühungen zum Trotz klebt darauf weiter der Kuckuck des Gerichtsvollziehers. Über Maha Vajiralongkorn wird unterdessen in der Heimat viel getratscht.

Tobias Matern

Den Vater verehren die Thailänder wie eine Gottheit. Schon am Flughafen in Bangkok wird das deutlich, wenn der Besucher die Schilder mit der Aufschrift "Lang lebe der König" zu sehen bekommt - dazu Fotos aus dem Leben des seit 65 Jahren amtierenden, gesundheitlich angeschlagenen Bhumibol Adulyadejs. Die Autorität und das unumstrittene Ansehen des Monarchen hat sein Sohn, Kronprinz Maha Vajiralongkorn, in der Bevölkerung nicht.

Flugzeug von Thailands Kronprinz gepfändet

Der thailändische Kronprinz Maha Vajiralongkorn bietet in seiner Heimat ausreichend Stoff für Geschichten - und ist lange nicht so beliebt wie sein seit Jahrzehnten regierender Vater.

(Foto: dpa)

Zwar reden die Menschen in Thailand in der Öffentlichkeit ungern kritisch über den Hof, weil Majestätsbeleidigung in dem sich offiziell selbst so nennenden "Land des Lächelns" mit Gefängnisstrafen von bis zu 15 Jahren geahndet werden kann. Aber auf die Frage, was sie von dem 58-Jährigen als ihrem eventuell nächsten König halten, kommen ausweichende Antworten. Und es wird viel getratscht über das Privatleben des Prinzen, der sieben Kinder aus drei Ehen hat.

Maha Vajiralongkorn ist dafür bekannt, dass er gerne nach Deutschland reist. Bei einem seiner Besuche in München ist er nun in den Mittelpunkt eines deutsch-thailändischen Justizstreits geraten, der politische Dimensionen angenommen hat. Ein Gerichtsvollzieher pfändete die Boeing 737 des Prinzen, eine Maschine der königlichen Luftwaffe.

Hintergrund ist ein seit Jahren schwelender Streit des Nachlassverwalters der Pleite gegangenen Walter Bau AG und der Regierung in Bangkok. Einem Richterspruch, nach dem Thailand 30 Millionen Euro an das Unternehmen aus einer früheren Geschäftsbeziehung zu zahlen hat, ist die politische Führung nicht nachgekommen. Deshalb ließ der Nachlassverwalter der Walter Bau AG nun die Maschine des Prinzen versiegeln - weil es sich um Staatseigentum handele, sagen die einen; vielleicht aber auch nur, um durch die Aktion den Druck auf die Regierung zu erhöhen und doch noch an das Geld zu kommen.

Die Reaktion der thailändischen Regierung ließ nicht lange auf sich warten. Das Königshaus in einen politischen Streit zu zerren, gilt in Bangkok als Affront. Außenminister Kasit Piromya kam deshalb am Freitag persönlich nach Deutschland, um die Freigabe der als Privateigentum des Prinzen deklarierten Maschine zu verlangen. "Alle Thailänder sind sehr besorgt", sagte er schon vor der Ankunft und drohte, die bilateralen Beziehungen könnten unter der Angelegenheit leiden.

Es handele sich nicht um eine Maschine der thailändischen Regierung. Somit habe Deutschland kein Recht, sie einfach zu pfänden, betonte der Außenminister. Doch seine Gesprächspartnerin Cornelia Pieper, die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, bedauerte lediglich "Unannehmlichkeiten" für den Kronprinzen, verwies aber ansonsten auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Sollte die Boeing irgendwann ausgelöst werden, könnte der Kronprinz sie selbst fliegen: Er hat eine Ausbildung als Kampfpilot absolviert und sitzt oft am Steuerknüppel. Aber solche Anekdoten haben in der Heimat kaum Einfluss auf sein Ansehen. Nicht wenige Royalisten sorgen sich um die Zukunft der Monarchie, falls der Kronprinz dem Vater nachfolgt. Den Ruf als Frauenheld verdankt Maha Vajiralongkorn nicht zuletzt seiner Mutter, Königin Sirikit. Obwohl es Jahre zurückliegt, dass sie ihren Sohn mit Don Juan verglich - das Image hat er bis heute behalten.

© SZ vom 16.07.2011/wolf
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