Eine Woche nach der Absetzung von Thailands Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra hat das Parlament in Bangkok einen neuen Regierungschef gewählt. Neuer Ministerpräsident ist Anutin Charnvirakul, der sich am Freitag klar gegen den Kandidaten der einst dominierenden Regierungspartei Pheu Thai der einflussreichen Shinawatra-Familie durchsetzte. Ausgelöst wurde die politische Krise in dem südostasiatischen Königreich im Juni durch ein durchgesickertes Telefonat Paetongtarns mit Kambodschas Ex-Machthaber Hun Sen über einen Grenzkonflikt, der später in fünftägige Kämpfe eskalierte. Bei dem Telefongespräch soll sich die damalige Ministerpräsidentin gegenüber Hun Sen unterwürfig gezeigt und zugleich kritisch über das mächtige thailändische Militär geäußert haben. Die Tochter des einflussreichen Milliardärs Thaksin Shinawatra wurde zunächst suspendiert und Ende August vom Verfassungsgericht wegen des Verstoßes gegen ethische Grundsätze des Amtes enthoben. Der 58-jährige Anutin gilt als politischer Stratege, der mit dem Rückzug seiner Partei aus der Koalitionsregierung im Zuge der Telefonat-Affäre die Krise verschärft hatte. Seinen Sieg bei der Parlamentsabstimmung am Freitag verdankte er nicht zuletzt der Unterstützung der Opposition. Geholfen hat ihm dabei sein Versprechen, ein Referendum über eine Verfassungsänderung abzuhalten und innerhalb von vier Monaten Neuwahlen anzusetzen.