GrenzkonfliktTrump drängt Thailand und Kambodscha zu Waffenruhe

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In der Grenzregion haben sich viele Kambodschaner gesammelt, die aus Thainland ausreisen möchten.
In der Grenzregion haben sich viele Kambodschaner gesammelt, die aus Thainland ausreisen möchten. (Foto: Athit Perawongmetha/REUTERS)

An der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha wird seit Tagen gekämpft, Tausende Kambodschaner sind auf der Flucht aus dem Nachbarland. Nun hat sich der US-Präsident in den Konflikt eingeschaltet.

Nach der Eskalation des Konflikts zwischen Kambodscha und Thailand drängt US-Präsident Donald Trump auf eine Waffenruhe - und zeigt sich nach Gesprächen mit beiden Seiten optimistisch. „Sie haben zugestimmt, sich unverzüglich zu treffen und schnell eine Waffenruhe und letztendlich Frieden auszuarbeiten“, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social. „Es war mir eine Ehre, mit beiden Ländern zu verhandeln.“

Zuvor hatte Trump in separaten Telefonaten mit dem kambodschanischen Ministerpräsidenten Hun Manet und dem thailändischen Übergangsministerpräsidenten Phumtham Wechayachai gesprochen. „Zufälligerweise verhandeln wir gerade mit beiden Ländern über unsere Handelsbeziehungen, aber wir wollen mit keinem der beiden Länder einen Deal schließen, wenn sie kämpfen – und das habe ich ihnen auch gesagt“, schrieb Trump.

Der Konflikt zwischen den beiden südostasiatischen Nachbarn schwelt seit Jahrzehnten - und war seit Donnerstag gefährlich eskaliert. Nach Schusswechseln an der Grenze hatte das thailändische Militär eigenen Angaben zufolge Kampfjets gegen kambodschanische Stellungen eingesetzt. Kambodscha reagierte mit Artilleriefeuer, auch auf Wohngebiete. Unter anderem wurden eine Tankstelle und ein Krankenhaus getroffen. Wer zuerst schoss, ist weiter unklar. Beide Seiten weisen sich gegenseitig die Schuld zu.

Mittlerweile ist auch Thailands Marine involviert. Es gibt mindestens 32 Tote und viele Verletzte auf beiden Seiten, die meisten von ihnen Zivilisten. Etwa 200 000 Menschen wurden aus dem Kampfgebiet in Sicherheit gebracht oder sind inzwischen geflohen. Thailand hatte als Reaktion alle Grenzübergänge geschlossen und inzwischen in acht Distrikten an der Grenze das Kriegsrecht ausgerufen.

Tausende Kambodschaner fliehen aus Thailand

Wegen der schweren Kämpfe in der Grenzregion bereiten sich Berichten zufolge weiter Tausende kambodschanische Arbeitsmigranten auf ihre Rückkehr in die Heimat vor. Vermutlich hätten aber noch weit mehr – womöglich Zehntausende Menschen – beantragt, die Grenze in Ban Laem in der Provinz Chanthaburi überqueren zu dürfen, berichtete der Sender Thai PBS aus dem Grenzgebiet. In sozialen Netzwerken war von einem „Massenexodus“ die Rede.

Die Menschen fühlten sich in der weiter eskalierenden Situation nicht mehr sicher in Thailand, hieß es. Kambodschas Regierung zufolge lebten und arbeiteten 2024 mehr als 1,2 Millionen Kambodschaner in dem Nachbarland. Auf Bildern in sozialen Medien war zu sehen, wie viele Menschen mit ihren Habseligkeiten bepackt an dem Grenzübergang eintrafen.

Kambodscha hat derweil um einen Waffenstillstand gebeten. Wie der Sender BBC berichtet, sagte Kambodschas UN-Botschafter Chhea Keo, das Land wolle einen bedingungslosen Waffenstillstand und eine friedliche Lösung des Konflikts. Thailand hat sich bisher nicht dazu geäußert. Bei dem Streit geht es vor allem um die Grenzziehung, die noch aus der Kolonialzeit stammt und von beiden Ländern unterschiedlich interpretiert wird. Die beiden südostasiatischen Länder teilen eine 800 Kilometer lange Grenze.

Hat Thailand Streumunition eingesetzt?

Wegen der Kämpfe hatte sich auch die Organisation Human Rights Watch besorgt gezeigt. Die Menschenrechtler haben Thailand und Kambodscha dazu aufgerufen, Zivilisten und zivile Infrastruktur unbedingt zu schützen. Gleichzeitig sollten der UN-Sicherheitsrat und internationale Regierungen beide Seiten dazu drängen, alle notwendigen Schritte zum Schutz der Bevölkerung zu unternehmen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Zivilisten dürften niemals das vorsätzliche Ziel von Angriffen sein.

Human Rights Watch äußerte sich auch besorgt über Berichte aus Kambodscha, wonach Thailand mit Streumunition angegriffen haben soll. Thailand weist diese Vorwürfe zurück. „Human Rights Watch betrachtet jeden Einsatz dieser Waffe in besiedelten Gebieten als rechtswidrig und willkürlich“, schrieb die Organisation. Streumunition ist in vielen Teilen der Welt geächtet – Kambodscha und Thailand haben das Übereinkommen nicht unterzeichnet.

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