bedeckt München 17°
vgwortpixel

Terrorwarnung:Islamisten nehmen angeblich Reichstag ins Visier

Beunruhigende Anrufe aus dem Ausland: Al-Qaida plant laut einem Informanten einen Anschlag auf den Reichstag, bei dem bewaffnete Terroristen das Parlament stürmen und ein Blutbad anrichten wollen.

Extremisten der al-Qaida und verbündete Gruppen planen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel angeblich einen Anschlag auf den Reichstag. Dies berichtete das Magazin unter Berufung auf Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden. Im Zuge des Angriffs wollten die Angreifer Geiseln nehmen und mit Schusswaffen ein Blutbad anrichten.

A barrier surrounds Reichstag building in Berlin

Im Visier von Extremisten? Hinweisen zufolge planen al-Qaida und andere Gruppen einen Anschlag auf den Reichstag.

(Foto: REUTERS)

Die Informationen über die Planungen stammten von einem Dschihadisten, der sich im Ausland aufhalte und sich in den vergangenen Tagen mehrmals telefonisch an das Bundeskriminalamt (BKA) gewandt habe, hieß es in dem Bericht weiter. Nach seinen Angaben besteht das Terrorkommando aus sechs Personen. Zwei von ihnen seien bereits vor sechs bis acht Wochen nach Berlin gereist und dort untergetaucht. Vier weitere Attentäter, ein Deutscher, ein Türke, ein Nordafrikaner und ein Mann, dessen Identität er nicht kenne, warteten derzeit auf ihre Abreise. Er wolle angeblich aussteigen. Die Anschläge seien für Februar oder März geplant.

Hinweise aus den USA

Diese Informationen seien für Bundesinnenminister Thomas de Maiziere Anlass gewesen, am Mittwoch öffentlich vor einem bevorstehenden Anschlag zu warnen. Der zweite Warnhinweis, auf den sich de Maizieres Einschätzung stütze, stamme aus den USA, berichtete der Spiegel weiter. Die US-Bundespolizei FBI habe sich vor zwei Wochen mit einem Fernschreiben an das BKA gewandt und auf einen weiteren mutmaßlichen Anschlagsplan hingewiesen.

Eine schiitisch-indische Gruppe, die sich "Saif" ("Schwert") nenne, habe einen Pakt mit der al-Qaida geschlossen und zwei Männer auf den Weg nach Deutschland geschickt, um hier einen Anschlag durchzuführen. Die beiden sollten am 22. November in den Vereinigten Arabischen Emiraten ankommen, dort mit neuen Papieren ausgestattet werden und dann nach Deutschland reisen. Drahtzieher soll ein Mann mit dem Namen Mushtaq Altaf Bin-Khadri sein.

Laut Spiegel liegen auch Informationen über den Schleuser vor, der die Extremisten nach Deutschland bringen soll: Dabei soll es sich um den 54-jährigen Waffenhändler Dawood Ibrahim handeln, der von der Uno als Terrorunterstützer geführt wird. Ibrahim soll einer der Hintermänner der Terroranschläge von Mumbai gewesen sein, bei denen Ende November 2008 Terroristen in einer abgestimmten Aktion mehrere Hotels, Cafés und ein jüdisches Zentrum stürmten. Im Verlauf der Angriffe mehrerer Terrorkommandos mit Schnellfeuerwaffen und Handgranaten kamen mindestens 171 Menschen ums Leben, mehr als 300 wurden verletzt.

Sowohl das FBI und das BKA messen der Meldung große Bedeutung bei - der Bundesnachrichtendienst, der US-Auslandsgeheimdienst CIA und der deutsche Verfassungsschutz sind dagegen eher skeptisch.

Ruhe vor dem Reichstag

Nach dem Bekanntwerden der angeblichen Anschlagspläne gegen das Reichstagsgebäude in Berlin hat die Polizei dort die sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen nicht erhöht. Lediglich zwei Polizisten bewachten am Samstag den Haupteingang. Vor dem Gebäude am Platz der Republik bildete sich wie immer eine lange Schlange von Besuchern. Die Wartezeit für den Besuch der gläsernen Aussichtskuppel lag bei einer Stunde. Besucher zeigten sich unbeeindruckt. "Ich fühle mich absolut sicher", sagte etwa ein Tourist aus Schleswig-Holstein.

Dem Nachrichtenmagazin Focus zufolge geht de Maizière davon aus, dass mit Anschlägen am ehesten in Berlin, Hamburg, München, im Rhein-Main-Gebiet und im Raum Köln/Bonn zu rechnen ist. Dies habe er seinen Länderkollegen am Donnerstag in Hamburg mitgeteilt. Der rheinland-pfälzischen Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) hatte am Donnerstag bereits öffentlich erklärt, man habe "konkrete Hinweise" auf Berlin, München und Hamburg; auch das Ruhrgebiet sei ein mögliches Anschlagziel. Laut dem Magazin observieren Beamte der Eliteeinheit GSG 9 Wohnungen in Hessen und Nordrhein-Westfalen, die Terroristen als Unterschlupf dienen könnten.

© dpa/rtr/mob/kar

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite