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Terrorverdacht:Was der ukrainische Geheimdienst mit einem terrorverdächtigen Franzosen zu tun hat

  • Ein Terrordverdächtiger soll Anschläge bei der Fußball-EM in Frankreich geplant haben. Der Franzose wurde vom ukrainischen Geheimdienst SBU festgenommen.
  • Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen fanden Ermittler Sprengstoff.
  • Allerdings gibt es Zweifel an der Ernsthaftigkeit des angeblichen Terroristen.

Auf den ersten Blick sah es nach einer Sensation im Kampf gegen den Terror aus. Wassil Hrytsak, Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU, verkündete am Montag in Kiew, es sei gelungen, "eine Serie von 15 Terroranschlägen zu verhindern, die auf dem Territorium Frankreichs während der Fußball-EM 2016 geplant waren".

Die Anschläge habe ein Franzose durchführen wollen, von französischen Medien als der 25 Jahre alte Grégoire M. aus dem lothringischen Örtchen Nant-le-Petit identifiziert. Der Franzose sei im Dezember 2015 in die Ukraine gekommen und habe sich erst als Helfer ukrainischer Soldaten im Osten des Landes angedient, dann aber Waffen gekauft, so der SBU-Chef: fünf Kalaschnikow-Maschinenpistolen, mehr als 5000 Patronen, zwei Granatwerfer, 125 Kilo TNT-Sprengstoff.

Als der Franzose mit seiner Ladung per Auto am 21. Mai die Grenze zu Polen überqueren wollte, sei er verhaftet worden. Der Franzose sagte ukrainischen Ermittlern zufolge, er habe aus Protest gegen "Masseneinwanderung, die Ausbreitung des Islam und die Globalisierung" in Frankreich Moscheen und Synagogen angreifen wollen, aber auch Finanzämter und "viele andere Plätze", so Geheimdienstchef Hrytsak.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit des angeblichen Terroristen

Weitere Angaben des Geheimdienstchefs weckten indes Zweifel an der Ernsthaftigkeit des angeblichen Terroristen. So hätten SBU-Offiziere dem Franzosen geholfen, die Waffen überhaupt erst zu kaufen, ihm auch eine Ausfuhrgenehmigung besorgt und über gut sechs Monate jeden Schritt des Verdächtigen dokumentiert. "Ich hoffe, diese Spezialoperation wird die Zweifel derer zerstreuen, die über die Ineffizienz der ukrainischen Geheimdienste reden", fügte Hrytsak hinzu.

Die französische Botschaft in Kiew bestätigte, Frankreichs Regierung sei wegen des verhafteten Franzosen "im Kontakt mit den ukrainischen Behörden". Gleichwohl verfolgen französische Ermittler französischen Medien zufolge zunächst "keine terroristische Spur". Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen fanden Ermittler sowohl Sprengstoff wie ein T-Shirt mit Emblemen einer rechtsextremen Gruppe.

Aus dem Pariser Innenministerium hieß es, der Fall werde wegen des Verdachts auf illegalen Waffenhandel von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Nancy untersucht - nicht etwa von einer auf Terror spezialisierten Sonderstaatsanwaltschaft in Paris.

© SZ vom 07.06.2016/fie
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