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Terrorverdacht gegen Linksextreme:Bundesanwaltschaft fürchtet Gewalt in Heiligendamm

Die Bundesanwaltschaft bestätigt der SZ, dass die durchgeführten Razzien in der linken Szene in Zusammenhang mit dem anstehenden G-8-Gipfel stehen. Auch der Name einer Gruppe wird genannt.

Oliver Das Gupta

Wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft im Gespräch mit sueddeutsche.de sagte, durchsuchten die Ermittlungsbehörden Objekte der linken Szene in Berlin, Brandenburg und Hamburg. Auch in Bremen soll es Aktionen gegeben haben.

Ausschlag gab ein "Anfangsverdacht", dass sich eine terroristische Vereinigung gebildet habe mit dem Ziel, "durch gewaltsame Aktionen den G-8-Gipfel zu stören", sagte der Sprecher. Ermittelt werde gegen eine Vereinigung namens militante gruppe", kurz "mg".

Ob die Ermittler fündig wurden, wurde nicht bestätigt. Von konfiszierten Computern war die Rede.

Wie ein anderer Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe sueddeutsche.de zuvor bestätigte, waren Hamburg und Berlin Schwerpunkte der Razzien.

In Berlin-Kreuzberg waren mehrere Objekte der linksautonomen Szene Ziel der Ermittler. In Hamburg wurde die "Rote Flora", ein besetztes Haus, durchsucht, aber auch andere Objekte, die die Sprecherin der Bundesanwaltschaft nicht näher spezifizieren wollte. "Wir sind noch mitten in der Aktion, ich bitte um Verständnis", sagte sie zu sueddeutsche.de.

Eine Gruppe von G-8-Gegnern bestätigten inzwischen, von den Durchsuchungen seien Projekte und Privatpersonen betroffen, die sich gegen den G-8-Gipfel engagierten oder für solche gehalten würden. In Berlin waren der Infogruppe Gipfelsoli zufolge mindestens sieben Wohnungen und Büro-Räume von linken Gruppierungen betroffen.

Zuvor gab es bereits Spekulationen, dass der Einsatz im Hamburger Schanzenviertel im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf ein Auto von Finanzstaatssekretär Thomas Mirow (SPD) im vergangenen Dezember steht. Dies wollte die Sprecherin ebensowenig kommentieren wie einen möglichen Zusammenhang mit der seit Monaten schwelenden RAF-Debatte.

Allerdings lag ein Zusammenhang mit dem anstehenden G-8-Gipfel nahe: Sowohl Hamburgs Verfassungsschutz als auch Innensenator Udo Nagel (parteilos) hatten in der Vergangenheit bereits erklärt, dass sie vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm in der Hansestadt mit linksextremen Straftaten rechnen.

Hinweis im Bekennerschreiben

Sorge bereite vor allem die Serie von Brandanschlägen, die sich in diesem Jahr fortgesetzt habe. Allein 2006 seien es neun gewesen. Aufgeklärt worden sei bislang keiner.

In einem Bekennerschreiben nach dem Brandanschlag auf Mirows Auto hatten die Täter ihren Protest gegen den bevorstehenden G-8-Gipfel in Heiligendamm als Grund genannt. In dem Seebad in Mecklenburg-Vorpommern werden sich im Juni die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen treffen.

In Hamburg waren bereits Autos und Häuser des Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Straubhaar und des Vorstandschefs der Norddeutschen Affinerie, Werner Marnette, Ziele von Anschlägen.

© sueddeutsche.de/dpa

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