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Terrormiliz:IS reklamiert Verantwortung für Bluttat von Orlando für sich

Vor einem Gebäudekomplex, in dem der Schütze von Orlando gewohnt haben soll, machen sich Spezialkräfte bereit, um nach Sprengstoff zu suchen.

(Foto: AP)
  • Bei einem Angriff auf einen Gay-Club in Florida sind 50 Menschen ums Leben gekommen. 53 wurden verletzt, sagte Orlandos Bürgermeister.
  • Die Terrormiliz IS will für den Anschlag verantwortlich sein; der Schütze hat vor der Tat eine Notrufnummer gewählt und IS-Anführer al-Bagdadi die Treue geschworen.
  • Bei dem Mann handelt es sich um den 29 Jahre alten Omar Siddiqui Mateen aus Florida, ein US-Bürger mit afghanischen Wurzeln.
  • Nie zuvor fielen einem sogenannten Shooting in der Geschichte der USA so viele Menschen zum Opfer .

Es ist die schlimmste Bluttat eines Schützen in der Geschichte der USA: Ein einzelner Angreifer hat in einem Gay-Club in Florida mindestens 50 Menschen erschossen. 53 Menschen wurden verletzt, sagte Bürgermeister Buddy Dyer am Sonntag. Ein behandelnder Arzt im Orlando Regional Medical Center sagte, viele der dort eingelieferten Verletzten seien in kritischem Zustand. "Ich glaube, dass die Opferzahl noch steigen wird." Spezialkräfte durchsuchten einen Gebäudekomplex nach Sprengstoff, in dem der Täter gewohnt haben soll. Das Gebäude wurde evakuiert. Orlando hat den Ausnahmezustand ausgerufen.

Inzwischen deutet vieles auf einen islamistischen Hintergrund hin: Die Terrormiliz IS bekannte sich laut ihrer Nachrichtenagentur Amaq zu der Tat - was allerdings nicht heißen muss, dass die Organisation von den Plänen für die Schießerei wusste.

FBI-Sprecher Ron Hopper bestätigte in einer Pressekonferenz, dass der Täter sich in mehreren Telefonaten mit dem Notrufnummer 911 "in allgemeiner Weise" auf den "Islamischen Staat" bezogen habe.

Hopper bestätigte außerdem die Identifikation des Täters als Omar Mateen. Er sei dem FBI seit 2013 bekannt, als er gegenüber Kollegen Bemerkungen über terroristische Aktivitäten machen. Die Untersuchung sei aber nach zwei Befragungen geschlossen worden. 2014 seien Mateens Kontakte zu einem Selbstmordattentäter untersucht worden. Auch diese Ermittlungen seien jedoch nach einer weiteren Befragung ebenfalls zu den Akten gelegt worden. Zum Zeitpunkt des Attentats habe Mateen nicht unter Beobachtung gestanden. Die Waffen habe er vergangene Woche legal gekauft.

Handout of Orlando gay nightclub mass shooting suspect Omar Mateen

Dieses Foto von Omar Mateen gab die Polizei von Orlando heraus.

(Foto: REUTERS)

So spielte sich der Angriff ab

Laut Polizeiangaben war der Täter gut organisiert, hatte sich auf die Tat vorbereitet und eröffnete gegen zwei Uhr morgens das Feuer mit einem Gewehr des Typs AR-15. Zunächst habe sich ein einzelner Polizist mit ihm ein Feuergefecht geliefert, dann seien zwei weitere Beamte hinzugekommen. Einer von ihnen sei verletzt worden. Der Schütze habe dann Geiseln genommen. Die Polizei habe sich nach ungefähr drei Stunden zu einer gewaltsamen Befreiung entschieden. Insgesamt seien elf Beamte in das Feuergefecht involviert gewesen.

Polizeichef Mina zufolge verschaffte sich die Polizei mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang. Der Täter sei in der Nähe einer Eingangstür gewesen und in einem Feuergefecht getötet worden. "Mindestens 30 Geiseln konnten durch die Aktion gerettet werden", sagte Mina. Wie der Polizeichef weiter mitteilte, trug der Täter eine "verdächtige Vorrichtung" am Körper, die untersucht werde.

"Auf der Straße war überall Blut"

Auf Facebook veröffentlichte das "Pulse" um 2:09 Uhr eine Mitteilung: "Verlasst alle Pulse und rennt." Mehr als 300 Menschen, so hieß es später, waren da, als der Schrecken begann. Die Nacht, in der die Menschen einfach nur tanzen und sich amüsieren wollten, verwandelt sich in einen Albtraum.

Der Club bewirbt sich als "heißeste Gay-Bar Orlandos". Er ist ein international bekanntes Aushängeschild der Bewegung für die Freiheit von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Neigungen. Im Internet präsentiert sich der Club als "der heißeste Club Orlandos". "Pulse" unterstützt die Sache der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LGBTI).

Das "Pulse" wurde 2004 von Babara Poma mitbegründet, die aus einer italo-amerikanischen Familie stammt und nach Angaben auf der Homepage des Clubs im Jahr 1991 ihren Bruder John verlor, der an den Folgen einer Aids-Erkrankung starb. Poma zog daraus die Konsequenz, sich für die Sache der Menschen unterschiedlichster sexueller Neigungen einzusetzen und dazu beizutragen, dass das Aids-erregende HI-Virus gestoppt wird.

Augenzeugen berichten aus dem Inneren des Clubs

Ein Augenzeuge sagte dem Sender Sky News, als die ersten Schüsse fielen, hätten sich die Leute auf den Boden geworfen. Offenbar hatte der Angreifer in die Decke geschossen. Scherben von zerbrechenden Lampen seien herabgefallen."Dann gab es eine kurze Pause bei den Schüssen, und einige von uns sind aufgestanden und zum Hinterausgang gerannt", sagte er. "Ich hörte 20, 40, 50 Schüsse" sagte Jon Alamo, der sich hinten in einem der Räume des Clubs aufgehalten hatte. "Die Musik brach ab."

Ein anderer Besucher, Rob Rick, sagte, es seien noch mehr als 100 Menschen in dem Club gewesen, als er Schüsse hörte. Er habe sich auf den Boden geworfen und sei in Richtung eines DJ-Standes gekrochen. Ein Türsteher habe eine Trennwand zwischen Club und für Mitarbeiter reservierte Räume im hinteren Teil niedergerissen, so hätten Gäste entkommen können.

"Ich sah keinen der Schützen. Ich sah nur Körper fallen", berichtete der Club-Besucher Christopher Hanson, der zu Beginn der Schießerei gerade an der Bar ein Getränk bestellte, dem Sender CNN. Er sei hingefallen und mit anderen Besuchern zum Hinterausgang gekrochen, um sich in Sicherheit zu bringen. "Als ich auf die Straße gelangte, waren da Leute - und überall Blut", sagte Hanson.

Ein Mann, der die Tat miterlebte, sagte dem britischen Guardian, einige Besucher hätten geschrien, dass Leute tot seien. "Die ziehen die Leute einfach auf Tragen raus und laden sie auf." Ein anderer Augenzeuge sagte: "Wir hörten Schüsse, kaum eine Minute lang, aber es fühlte sich länger an." Der Club sei voll gewesen, mehr als hundert Menschen seien dort gewesen.

© SZ.de/AFP/AP/dpa/fie/lala/dayk/ewid
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