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Terrormiliz:IS-Kämpfer marschieren wieder in Palmyra ein

Oasenstadt Palmyra

Ruinen der UNESCO-Kulturerbestätte und vom IS zerstörten Wüstenstadt Palmyra. Diese Aufnahme ist vom 27. März 2016.

(Foto: dpa)
  • Der sogenannte Islamische Staat (IS) ist erneut in die Oasenstadt Palmyra einmarschiert. Außerdem hat die Terrormiliz in Syrien mehrere wichtige Gasfelder eingenommen.
  • In Paris haben die Außenminister westlicher Staaten und Länder aus der Region über die Lage in Syrien beraten.
  • Die Lage in Aleppo stand auch im Mittelpunkt von Expertengesprächen der USA und Russlands in Genf.
  • Wie US-Verteidigungsminister Carter in Bahrain mitteilte, wollen die USA etwa 200 zusätzliche Soldaten nach Syrien schicken.

Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sind am Samstag wieder in die antike syrische Stadt Palmyra einmarschiert. Sie hätten den Nordwesten der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht, während sie sich im Zentrum Kämpfe mit der syrischen Armee lieferten, berichtete der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Die den Rebellen nahestehende Organisation mit Sitz in Großbritannien beruft sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Der IS hatte in dieser Woche eine Offensive in der Region um Palmyra begonnen und die Regimetruppen aus mehreren Richtungen angegriffen. Im März hatten syrische Regierungstruppen Palmyra mit russischer Luftunterstützung vom IS zurückerobert.

Die Dschihadisten hatten während ihrer Herrschaft über die Stadt zahlreiche einzigartige historische Kulturgüter aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zerstört. Die Ruinen der früheren Handelsmetropole gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

IS erobert ebenfalls wichtiges Gasfeld in Syrien

Der Terrormiliz ist es außerdem gelungen, mehrere Gasfelder einzunehmen, darunter eines der wichtigsten des Landes. Es handelt sich dabei um das Feld Dschihar, nordwestlich von Palmyra. Das berichten armeenahe Kreise, die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die IS-nahe Nachrichtenagentur Amak am Samstag. Für den IS ist es der erste bedeutende Gebietsgewinn in diesem Jahr, nachdem die Terrormiliz monatelang Verluste hinnehmen musste.

Auf mehreren Konferenzen wird über Syrien diskutiert

Die Lage in Syrien ist an diesem Wochenende Thema mehrerer Konferenzen. Am Samstagmorgen hat sich in Paris die sogenannte Freundesgruppe Syrien getroffen, die Rebellen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt.

Das internationale Treffen wurde gemeinsam von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, dem französischen Ressortchef Jean-Marc Ayrault und ihrem katarischen Kollegen Mohammed Al-Thani geleitet. Auch US-Außenminister John Kerry sowie Vertreter der Türkei, der EU und mehrerer arabischer Staaten waren nach Paris gereist. Mit Blick auf mögliche Ergebnisse des etwa dreieinhalbstündigen Treffens im Pariser Außenministerium zeigten sich Diplomaten im Vorfeld sehr zurückhaltend.

Die Konferenzteilnehmer fordern eine Feuerpause für die nordsyrische Stadt Aleppo. Steinmeier sagte: "Das Leid der Menschen in Aleppo ist unermesslich." Er hoffe auf die Öffnung humanitärer Korridore, damit Zivilisten und bewaffnete Gruppen den belagerten Ostteil der Stadt verlassen können. Der US-Außenminister Kerry warf der syrischen Führung Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Zum Abschluss der Konferenz forderte er Russland als wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad auf, für einen Stopp der Angriffe zu sorgen.

USA wollen 200 weitere Soldaten nach Syrien schicken

Zeitgleich haben sich in Genf Vertreter von Russland und den USA getroffen, um über den Konflikt zu sprechen. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hofft, dass die heutigen Gespräche über Aleppo eine massive Zerstörung der Stadt noch verhindern können. Kerry hatte die Lage in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo am Freitagabend als das Schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Er wolle alle Bemühungen fortsetzen, um die einstige Wirtschaftsmetropole des Landes vor der kompletten Zerstörung zu retten.

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Die syrische Armee soll ihre Kämpfe in der Stadt vorübergehend eingestellt haben, um 8000 Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Laut Aktivisten gehen die Gefechte aber weiter.

Auch auf einer Sicherheitskonferenz in Bahrain wurde über Syrien diskutiert. US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat dort angekündigt, dass die USA ihre Militärpräsenz in Syrien verstärken und etwa 200 weitere Soldaten in den Norden des Bürgerkriegslandes entsenden wollen, unter ihnen Spezialkräfte, Sprengstoffexperten und Ausbilder. Sie sollen demnach die syrischen Rebellen dabei unterstützen, die Stadt Raqqa aus der Gewalt des Islamischen Staates zu befreien.

UN-Vollversammlung fordert Waffenruhe in Syrien

In Syrien sind bereits 300 US-Soldaten im Einsatz, um Rebellen im Kampf gegen den IS zu beraten und zu unterstützen sowie die Luftangriffe der US-geführtem Militärallianz zu koordinieren. Die zusätzlichen Soldaten sollen den örtlichen Kräften helfen, die Stadt Raqqa zurückzuerobern.

Die UN-Vollversammlung hat am Freitag mit breiter Mehrheit für eine sofortige Waffenruhe in Syrien gestimmt. Die Resolution fordert, dass die Angriffe auf Zivilisten sofort gestoppt werden, Helfer einen sicheren Zugang bekommen und die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zurückkehren, um eine politische Lösung zu finden. China, Russland und der Iran sowie zehn weitere Länder waren gegen die Resolution.