Terrorist Breivik Gefangen in der Schreckenslogik

Angst erzeugt Aufmerksamkeit - nach dieser perfiden Annahme wurde Anders Behring Breivik zum Massenmörder. Die Medien sind nach der Bluttat in Norwegen im Dilemma: Spielen sie der Taktik des Terroristen in die Hände, wenn sie über die schauerlichen Details des Verbrechens und die Gedankenwelt des Täters berichten? Wir müssen heroische Gelassenheit lernen.

Von Stefan Plöchinger

Wörtlich übersetzt, heißt Terror nicht Gewalt oder willkürliche Brutalität. Terror ist Latein und heißt Schrecken. Anders Behring Breivik ist ein Terrorist im reinsten Wortsinne.

Selbstinszenierung des Anders Behring Breivik: Wie ein Mann mit der Öffentlichkeit spielt.

(Foto: AFP)

Anders Behring Breivik verbreitet Schrecken. Beide Worte sind wichtig: Schrecken und Verbreitung. Er hat im idyllischen Norwegen binnen Stunden mehr als 90 Menschen getötet, vermutlich im Alleingang, so viel scheint nach tagelangen Ermittlungen festzustehen, und er hatte dabei vor allem ein Kalkül: Je mehr Tote, je größer die Verheerung, desto größer die Aufmerksamkeit für sich und seine Ansichten.

Letztere hat er in einem kruden Manifest niedergelegt, einer zusammenkopierten und -phantasierten Melange aus Rechtsextremismen, Islamhetze, rassistischen Ansichten und Ausflüssen radikalpopulistischer Strömungen, die kaum auf einen Begriff zu bringen, aber leider nicht ungewöhnlich sind im Europa dieser Tage.

Bisher fanden derlei Gedanken vor allem verbal ihren Ausdruck, in Untiefen einiger Internetforen und Agitatorenzirkel, die auch Breivik schätzte. Nur gelegentlich wurden Rudimente davon nach oben in die breitere Öffentlichkeit gespült, man mag an die Sarrazin-Debatte in Deutschland oder den Wilders-Triumph in den Niederlanden denken - wobei ein solcher Vergleich immer hinken muss.

Breivik bringt nun durch die Verbreitung schieren Schreckens diese Gedankenwelt voller Feindbilder und Verschwörungstheorien, in der irgendwie alles und nichts zueinander zu passen scheint, in unser Bewusstsein. Er hat seine Bluttat genau deshalb so brutal und brachial vollzogen wie ein Kampfroboter, weil er kalkulierte, was in den Tagen danach passieren würde: Sein groteskes Manifest wird von Tausenden gelesen, sein Gerichtsauftritt - da er überlebt hat - wird global gecovert, seine wohlüberlegten Bilder mit Schönlingsfrisur, Uniform oder Waffe werden um die Welt gehen. Er lässt die Menschheit erschaudern, und darauf zielte er ab. Er spielt mit uns, mit der Öffentlichkeit, ein perfides Spiel.