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Angebliche Attentatspläne auf Reichstag:Standard-Repertoire islamistischer Propaganda-Videos

Thomas al-J. war den Behörden den Medienberichten zufolge schon früher aufgefallen: Die Boulevard-Zeitung Österreich schrieb, bei gemäßigten Wiener Muslimen habe der Konvertit als "besonders radikal" gegolten. Er sei "Gottesstaat-Errichter" genannt worden, so das Blatt, und habe zudem eine islamistische Internet-Seite betrieben.

Zuvor war aus Wien eine andere Festnahme vermeldet worden: Demnach haben österreichische Fahnder in Wien Yusuf O., einen mit Haftbefehl gesuchten Berliner Islamisten gefasst. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und das Innenministerium in Wien bestätigten einen entsprechenden Pressebericht.

Yusuf O. ist den Angaben zufolge bereits am 31. Mai aufgrund eines deutschen Festnahmeersuchens in Österreich festgenommen worden. Zu Einzelheiten wollte sich die Karlsruher Behörde nicht äußern, da das Auslieferungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Die Berliner Morgenpost will noch mehr über Yusuf O. erfahren haben: Im Frühjahr 2009 sei er nach Pakistan gereist, wo er sich im Grenzgebiet zu Afghanistan der Terrorgruppe DTM angeschlossen habe, heißt es in dem Bericht. Das wollten weder das Innenministerium in Wien noch die Bundesanwaltschaft kommentieren.

Nach Informationen der Morgenpost soll der Deutsch-Türke in mehreren Propagandavideos als vermummter Gotteskrieger aufgetreten sein und im September 2009 konkret mit Anschlägen in deutschen Großstädten gedroht haben.

Allerdings bestärkt dies nach bisherigem Kenntnisstand nicht den von der Kronenzeitung kolportierten Anschlagsverdacht auf den Reichstag, denn Film-Sequenzen deutscher Städte gehören zum Standard-Repertoire islamistischer Propaganda-Videos. Beunruhigend sind sie jedoch allemal.

Zwar hatten der Berliner Yusuf O. und der Wiener Thomas al-J. Kontakt, wie das österreichische Innenministerium bestätigte. Bei der deutschen Bundesanwaltschaft hieß es auf Anfrage von sueddeutsche.de allerdings, dass "keine strafrechtlich relevanten Zusammenhänge" zwischen zwischen Yusuf O. und der Wiener Gruppe bestünden.

Der Wiener Islamist Thomas al-J. ist gleichwohl auch in Karlsruhe kein Unbekannter: Die Bundesanwaltschaft treibt sogar ein eigenständiges Ermittlungsverfahren gegen die Wiener Gruppe, allerdings nicht wegen eines geplanten Terroranschlags. Der Tatverdacht lautet gleichwohl harmloser: "Finanzielle Unterstützung des militanten Dschihads."

© sueddeutsche.de/dpa/odg/holz

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