Terrorismus in Deutschland Eine tödliche Ausnahme

Die Gewerkschaft der Polizei wertet die mutmaßlichen Anschlagspläne in Berlin als Beleg für eine hohe Terrorgefahr in Deutschland. Bislang allerdings konnten alle extremistischen Attentate verhindert werden oder schlugen fehl - mit einer Ausnahme.

Die Terrorgefahr in Deutschland ist nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei unverändert hoch. "Wer glaubt, dass sich zehn Jahre nach den furchtbaren Anschlägen in den USA und nach dem Tod Osama bin Ladens die Lage normalisiert habe, ist erneut eines Besseren belehrt worden", erklärte der Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. zuvor waren in Berlin zwei mutmaßliche Attentäter festgenommen worden. "Die Polizei wird weiterhin mit einem hohen Personal- und Technikeinsatz den Fahndungsdruck auf potentielle Terroristen hoch halten müssen", sagte er weiter.

Polizisten vor der Ar-Rahman-Moschee in Berlin-Wedding. Die Moschee soll ein wichtiger Treffpunkt von zwei mutmaßlichen Terroristen gewesen sein, die jetzt festgenommen wurden.

(Foto: dapd)

Seit dem 11. September 2001 und dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist auch Deutschland im Visier islamistischer Terroristen. Fast alle geplanten Anschläge konnten jedoch verhindert werden oder schlugen fehl. Einzige Ausnahme war das Attentat auf US-Soldaten in Frankfurt.

April 2011: Ermittler nehmen in Nordrhein-Westfalen drei mutmaßliche al-Qaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben sollen. Dem Innenministerium zufolge wurde eine "konkrete, bevorstehende Gefahr" abgewendet.

März 2011: Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Auslöser der Tat soll ein Internetvideo gewesen sein, in dem US-Soldaten angeblich ein Haus in Afghanistan plündern und ein Mädchen vergewaltigen. Zu Prozessbeginn Ende August legte der Attentäter vor dem Oberlandesgericht ein Geständnis ab.

September 2007: Die islamistische Sauerland-Gruppe wird festgenommen. Vor Gericht müssen sich die vier Mitglieder wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland verantworten. 2010 werden sie zu Strafen von bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Juli 2006: Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Regionalzügen Kofferbomben gefunden. Wegen Technikfehlern explodierten sie nicht. Wenige Wochen später werden die Täter gefasst. Im Dezember 2008 wird der "Kofferbomber von Köln" zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser für die Tat waren dem Urteil zufolge Mohammed-Karikaturen in Zeitungen.

Dezember 2004: Mitglieder der kurdisch-irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuches zu ermorden. Die Polizei hört ihre Telefongespräche ab und nimmt drei Männer fest. 2008 wird der Haupttäter zu zehn Jahren Haft verurteilt.

März 2003: Ein Tunesier wird verhaftet, der angeblich Attentate gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen plante. Vor Gericht kann ihm das nicht nachgewiesen werden. Die Bundesanwaltschaft bleibt jedoch bei der Einschätzung, dass ein Horrorszenario verhindert wurde.

April 2002: Die Polizei ergreift mutmaßliche Anhänger der Terrorgruppe al-Tawhid, die al-Qaida nahesteht. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie werden zu Haftstrafen von bis zu acht Jahren verurteilt.