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Terrorismus:Immer mehr Frauen ziehen in den Dschihad

  • Die Zahl junger weiblicher Dschihadisten, die aus Deutschland nach Syrien und in den Irak ziehen, hat dem Bundesamt für Verfassungsschutz zufolge deutlich zugenommen.
  • Auch die Zahl der Salafisten sei in Deutschland gestiegen und wachse weiter.
  • Über die Hälfte der Dschihadistinnen ist jünger als 25.

Deutliche Zunahme weiblicher Dschihadisten

Immer mehr junge Frauen aus Deutschland folgen dem Ruf der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zum Dschihad in Syrien und im Irak - und immer mehr Dschihadisten sterben. Bislang seien 700 Islamisten aus Deutschland in Richtung der Kampfgebiete ausgereist, darunter annähernd 100 Frauen, teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) mit.

Die Zahl der Salafisten in Deutschland sei auf 7500 gestiegen und wachse weiter. Vor zwei Monaten zählte der Verfassungsschutz noch 7300 Männer und Frauen, die sich dieser besonders radikalen Auslegung des Islam zuordnen lassen. Anfang 2015 wurden etwa 7000 Salafisten gezählt, 2011 waren es halb so viele. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Die Zahl der aus der Bundesrepublik ausgereisten Islamisten lag im April bei 680. Während es vor zwei Monaten Hinweise darauf gab, dass etwa 85 der Ausgereisten in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen waren, ist deren Zahl nun auf ungefähr 100 gestiegen. Seit Anfang des Jahres seien die Hinweise auf entsprechende Todesfälle stark gestiegen, berichtet das BfV.

Über die Hälfte jünger als 25 Jahre

Auch die Zahl der Ausreisen junger Frauen habe in jüngster Zeit deutlich zugenommen, stellen die Verfassungsschützer fest. Über die Hälfte von ihnen sei zum Zeitpunkt der Ausreise jünger als 25 Jahre alt gewesen, etwa 15 Prozent minderjährig. Das BfV zählt dabei nur jene Frauen, die das Ziel hatten, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen - und nicht etwa Ehefrauen von Dschihadisten. Ein Drittel der bislang Ausgereisten ist nach BfV-Angaben wieder zurückgekehrt. Bei mehr als 50 von ihnen gibt es Erkenntnisse, dass sie Kampferfahrungen gesammelt haben - sie gelten als besonders gefährlich.

Geködert über das Internet

Der Zulauf zu Salafisten und zum IS sei ungebrochen, sagt BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen. "Dabei sehen wir eine verstärkte Anziehungskraft gerade auf junge Frauen, die auf Rekrutierungsaktivitäten sowohl im Internet als auch durch persönliche Kontakte hereinfallen."

"Die Bedrohungslage wird immer komplexer", warnte Maaßen. Sorge bereite auch "die Verflechtung von virtueller und realer Welt, die wir in allen Beobachtungsfeldern feststellen". Diese gelte für den Islamismus genauso wie für den Rechtsextremismus und die Spionageabwehr, für die das BfV zuständig ist.

Deutsch-polnische Dschihadistin verurteilt

Wegen Unterstützung des IS hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht eine 26-jährige Deutsch-Polin zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Ein Mitangeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Der Staatsschutzsenat hielt es für erwiesen, dass die mit einem IS-Kämpfer verheiratete Hauptangeklagte ihrem Mann in Syrien Geld zukommen ließ.

Die Angeklagte Karolina R. habe 2013 zweimal für mehrere Wochen mit ihrem Mann Fared S. und dem gemeinsamen Sohn in Syrien gelebt, befanden die Richter in der Urteilsbegründung. Die heute 26-Jährige aus Bonn sei eine überzeugte Anhängerin der vom IS vertretenen radikal-islamischen Ziele gewesen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland Ende 2013 habe sie unter hier lebenden Muslimen für Spenden gesorgt und sich um deren Transfer zu ihrem Mann und weiteren IS-Mitgliedern in Syrien gekümmert. Die Deutsch-Polin hatte am Ende der fünfmonatigen Hauptverhandlung ein weitgehendes Geständnis abgelegt.

© Süddeutsche.de/dpa/dayk/fued
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